In der dunklen Jahreszeit
Wenn das Reh plötzlich steht - Neue Kampagne warnt vor Wildunfällen
Foto: Steve Bauerschmidt ADAC Hessen-Thüringen e.V.
26.10.2026 / REGION -
Plötzlich steht ein Reh auf der Straße – und für eine Reaktion bleiben nur Sekunden. Gerade nach der Umstellung auf die Winterzeit steigt für viele Pendler das Risiko, in der morgendlichen oder abendlichen Dämmerung auf Wildtiere zu treffen. In solchen Momenten kommt es darauf an, ruhig zu bleiben und richtig zu handeln, denn Wildtiere sind in dieser Jahreszeit besonders aktiv und häufig unterwegs.
Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, der ADAC Hessen-Thüringen und der Landesjagdverband Hessen starten deshalb gemeinsam nach der Zeitumstellung eine Hörfunk- und Social-Media-Kampagne unter dem Motto "Wildunfälle verhindern – Tierleid vermeiden".
Die Radiobeiträge werden als Verkehrstipp im Umfeld der Verkehrsmeldungen vom 26. Oktober bis zum 4. November 2026 ausgestrahlt. Genau dann, wenn viele Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause sind. Ergänzend informieren die Projektpartner über ihre Social-Media-Kanäle.
Wildwechsel: Gefahren, auf die man vorbereitet sein muss
"Wer mit dem Auto unterwegs ist, soll auch sicher ankommen. Gerade auf dem Land gehört Wildwechsel in der Morgen- und Abenddämmerung zu den Gefahren, auf die wir vorbereitet sein müssen. Läuft plötzlich ein Reh auf die Straße, bleibt kaum Zeit zu reagieren", sagt Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister und stellvertretender Ministerpräsident Kaweh Mansoori. "Deshalb wollen wir mit unserer Kampagne die Menschen unterwegs erreichen – mit kurzen, verständlichen Hinweisen, die im entscheidenden Moment helfen. Wer an Wald- und Feldrändern langsamer und aufmerksam fährt, gewinnt wertvolle Zeit zum Bremsen. Das schützt Menschen und Tiere.""Riskantes Ausweichmanöver kann weitaus schlimmere Folgen haben"
"Dieser kurze Gedanke vor der Fahrt kann im Ernstfall entscheidend sein", betont Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen. "Wenn ein Tier unvermittelt auf die Fahrbahn läuft, heißt es: Lenkrad mit beiden Händen festhalten, sofort stark bremsen und in der eigenen Fahrspur bleiben. Ein riskantes Ausweichmanöver kann weitaus schlimmere Folgen haben. Gleichzeitig vermeiden wir mit jedem verhinderten Wildunfall auch Verletzungen und oftmals erhebliches Tierleid."Auch Victoria Herzig, Vorstandsmitglied für Verkehr, Umwelt und Technik des ADAC Hessen-Thüringen, appelliert an die Autofahrer: "Entscheidend ist, die Gefahr frühzeitig zu erkennen und die Geschwindigkeit anzupassen. Gerade auf Strecken mit möglichem Wildwechsel sollten Autofahrer besonders aufmerksam und jederzeit bremsbereit sein. Läuft plötzlich ein Tier auf die Fahrbahn, gilt: kontrolliert und stark bremsen und auf jeden Fall in der eigenen Spur bleiben. Mit unserer Kampagne wollen wir diese einfachen Verhaltensregeln im Bewusstsein verankern, damit sie im entscheidenden Moment abrufbar sind." Wer ein Tier am Straßenrand entdeckt, sollte kontrolliert abbremsen, das Fernlicht ausschalten und gegebenenfalls hupen. Außerdem ist immer mit weiteren Tieren zu rechnen.
Richtiges Verhalten nach einem Wildunfall
Falls eine Kollision unvermeidbar ist, sollten Autofahrer nicht riskant ausweichen, sondern das Lenkrad gut festhalten und bremsen. Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver erhöht das Unfallrisiko, besonders wenn das Auto in den Gegenverkehr gerät oder die Fahrt am Baum endet. Trotz der enormen Kräfte, die bei einem Aufprall mit einem Wildtier auf das Fahrzeug einwirken - rund fünf Tonnen bei einer Kollision mit einem Rothirsch bei 60 km/h – gehen die meisten Wildunfälle ohne Personenschäden aus. Was bleibt, ist der Schock, ein Schaden am Fahrzeug und ein wahrscheinlich verletztes oder getötetes Reh oder Wildschwein. Nach einer Kollision muss die Unfallstelle unverzüglich abgesichert werden.- Warnblinkanlage einschalten und am rechten Seitenstreifen anhalten.
- Warnweste anlegen und Warndreieck aufstellen.
- Polizei unter 110 über Unfall informieren, bei verletzten Personen den Notruf 112 wählen.
- Nicht an das verletzte Tier herantreten, damit es nicht in Panik gerät und ggf. erneut auf die Fahrbahn läuft.
- Für die Versicherung (Teilkasko) Wildunfallbescheinigung von Jäger oder Polizei ausstellen lassen.
- Wurde das Tier nach dem Zusammenstoß verletzt und ist geflüchtet, informiert die Polizei den zuständigen Jagdpächter.
- Unfallstelle markieren, um dem Jäger die Auffindbarkeit des Wildes zu erleichtern. Dafür z. B. eine Einkaufstüte oder ein Taschentuch sichtbar am Straßenrand platzieren.