Zwischen Aufbruch und Aufgabe
Das traurige Ende von Tegut - "Danke"-Rabatt sorgt für leere Regale
Trostloser Blick in den Tegut-Markt in der Bad Hersfelder City-Galerie
Fotos: privat
21.10.2026 / REGION -
Es waren schon verstörende Bilder vor wenigen Tagen in einigen Tegut-Märkten: In übervollen Einkaufswagen und nach stundenlangem Anstehen an den Kassen nahmen manche Kunden alles mit, was sie gefühlt greifen konnten. 50 Prozent auf nahezu alle Produkte - das war schon verlockend.
Trostlos ist der Blick beispielsweise in den Tegut-Markt in der City-Galerie in Bad Hersfeld. Wer Kondome, einige Weinsorten oder spezielle Bio-Produkte sucht, wird hier fündig. Auch für 50 Prozent.
Gut gefüllt sind dagegen die Obst- und Gemüseabteilung und Frischeprodukte im Snackbereich. Im Eingangsbereich steht ein Aufsteller, der verspricht, dass der Markt bis zum 30. Oktober dieses Jahres geöffnet bleibt. Danach wird ein Netto-Markt einziehen. Im großen Tegut-Markt am Stadtrand gibt es keine Rabatt-Aktion, diesen Markt übernimmt die Rewe-Group. Insgesamt sind zumindest in Osthessen nur wenige Filialen dabei.
Für diese Standorte gibt es zumindest einen Nachfolger. In Hünfeld, Rotenburg an der Fulda, Alsfeld oder Neuhof beispielsweise kämpfen die Kunden sowie die kommunalen Politiker um eine Zukunft, unter welcher Regie auch immer. Für 58 der insgesamt 303 Tegut-Filialen gibt es bislang noch keine Lösung. Vier Standorte - unter anderem Hofbieber und Flieden - werden geschlossen. Edeka übernimmt 102, Netto 60, Rewe 36, Penny 2 und Tante Enso 34. Sieben Standorte haben andere Betreiber und Lieferanten gefunden, etwa im Werra-Meißner-Kreis vier Läden durch die Lüning-Gruppe.
Tegut dankt Kunden und Mitarbeitern
Tegut selbst bemüht sich um größtmögliche Aufklärung und stellt entsprechende Übersichten online. Zum Abschiedsrabatt kommentiert das Presseteam auf OSTHESSEN|NEWS-Nachfrage: "Der Zuspruch zu unserem Danke-Rabatt ist groß, darüber freuen wir uns sehr. Wir danken unseren Kund:innen für ihre Treue und Geduld und unseren Teams für ihren großartigen Einsatz in diesen Tagen. Die Märkte mit Danke-Rabatt werden weiterhin beliefert, allerdings nicht mehr mit dem vollständigen Sortiment, sondern abhängig von der Verfügbarkeit. Sollten sich Öffnungszeiten ändern, informieren wir darüber im Markt und online."
In den Kommentaren mischen sich Enttäuschung und die Hoffnung auf einen Neuanfang. Viele Kunden bedauern das Ende der Fuldaer Supermarkt-Kette, die viele Jahre lang erfolgreich vor allem auch mit Bioprodukten am Markt vertreten war. Der Preisdruck und die Konkurrenzsituation und das sich verändernde Kaufverhalten führten offensichtlich dazu, dass sich der Schweizer Eigentümer Migros dazu entschlossen hat, die deutsche Marke Tegut abzustoßen. Nun wird dieser Schritt vollzogen. Auch für viele Mitarbeiter dürften die Szenarien des Masseneinkaufs sicher schmerzhaft sein. War es nötig, gleich auf 50 Prozent zu gehen? Die Regale wurden leer gefegt, mit unterschiedlichen Aktionen. Gefühlt besser gelöst: Im Marbacher Markt beispielsweise gilt die Rabattaktion lediglich für die Tegut-Eigenmarke.
Das alles ist in Kürze Geschichte. Die Kunden werden sich an die neuen Betreiber gewöhnen oder müssen sich völlig neue Wege überlegen, wie sie an die Dinge des täglichen Bedarfs gelangen. Dort, wo es womöglich keine Zukunft für die Standorte gibt, ist die Sorge besonders groß.
"Innerhalb von nur 24 Stunden sind bei einer Unterschriftenaktion nach ersten Schätzungen bereits fast 400 Unterschriften für den Erhalt des Marktes zusammengekommen. Das zeigt, wie wichtig diese Einkaufsmöglichkeit für die Menschen im Nordend ist", schreibt etwa Simone Bräuer vom Kiosk Inspiration World auch im Namen weiterer Einzelhändler am Niedertor in Hünfeld. "Gerade für ältere Menschen und Bürger ohne Auto wäre eine Schließung ein großer Verlust. Auch wir, der Kiosk Simone Bräuer, Inspiration World und weitere kleine Einzelhändler, sind teilweise seit über 25 Jahren am Niedertor ansässig und machen uns große Sorgen."
Vieles bleibt also weiter ungewiss, auch was den Logistikstandort in Michelsrombach betrifft. Hier stehen nach O|N-Informationen mehrere hundert Stellen auf dem Spiel. (Hans-Hubertus Braune) +++