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Prozessauftakt im Landgericht

"Wie eine Viagra-Tablette": Stiefvater soll Mädchen jahrelang missbraucht haben

Einem heute 56-Jährigen wird vorgeworfen, in der Zeit vom Juli 2020 bis Mai 2024 in Fulda seine beiden Stieftöchter sexuell missbraucht und von seinen Missbrauchshandlungen Fotos und Videos erstellt zu haben.
Fotos: Mia Schmitt

20.10.2026 / FULDA - Als Stiefvater sollte er sich um sie kümmern und sie vor Gefahren beschützen, doch stattdessen wurde er für die beiden kleinen Mädchen - heute 14 und zwölf - selbst zur Gefahr. Er missbrauchte die beiden Kinder und hielt seine grausamen Taten sowohl in Form von Fotos als auch Videos fest. Diese Taten gab der Angeklagte beim Prozessauftakt am Montag bereits zu.



Dem heute 56-Jährigen wird vorgeworfen, in der Zeit vom Juli 2020 bis Mai 2024 in Fulda seine beiden Stieftöchter sexuell missbraucht und von seinen Missbrauchshandlungen zahlreiche Fotos und Videos erstellt zu haben. Er wurde deswegen im Dezember 2025 festgenommen und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Am Montagmorgen startete der Prozess vor der zweiten Großen Strafkammer am Landgericht in Fulda.

Heute 14- und Zwölfjährige jahrelang missbraucht

Dem Mann werden insgesamt zwölf Missbrauchshandlungen an Kindern vorgeworfen - dazu gehören auch das Verletzen seiner Pflicht an Schutzbefohlenen sowie das Erstellen von kinderpornografischen Inhalten. Wie die Staatsanwältin bei der Anklageverlesung vortrug, begannen die Taten des Angeklagten am 4. Juli 2020. Damals soll er seine sechsjährige Stieftochter "mit Aussicht auf sexuelle Handlungen" in der Öffentlichkeit geküsst und das Szenario von Dritten fotografieren lassen haben. Das Szenario soll sich mit dem Kind wiederholt haben. Zu dem Zeitpunkt war das Mädchen sieben Jahre alt.

Als seine Stieftochter acht Jahre alt war, soll er ihr Anweisungen gegeben haben, sich zu entblößen und ihren Intimbereich zu präsentieren. Wie aus der Anklage hervorgeht, waren dabei die kindlichen Züge des Mädchens klar zu erkennen. Dabei sollen dem Angeklagten "aufreizende Fotos" wie mit gespreizten Beinen besonders wichtig gewesen sein. 2023 sollen ihn demnach die damals Elfjährige und die damals Neunjährige auf seinen Befehl hin oral befriedigt haben - die beiden Mädchen seien gleichzeitig anwesend gewesen. Auch davon machte der Stiefvater Bilder.

Anhand der Informationen der erstellten Bilder und Videos lässt sich erkennen, dass viele seiner Taten abends oder nachts stattgefunden haben. So gab er im Oktober 2023 der damals Neunjährigen Anweisungen, ihn erst per Hand und dann oral zu befriedigen. Anschließend soll er mit dem Kind gegen dessen Willen Sex gehabt haben.

Ein ähnliches Szenario soll sich auch mit der elfjährigen Stieftochter abgespielt haben. Auch sie habe ihn oral befriedigt und auf seinen Befehl hin mit ihm Geschlechtsverkehr gehabt. Dabei soll er das Kind als Nutte und Hure beschimpft haben. Auch weitere sexuelle Beschimpfungen seien gefallen. Die letzten Bilder seien schließlich im Mai 2024 von der damals Zehnjährigen entstanden. Wie schon oft zuvor habe er sie zu sexuellen Stellungen aufgefordert und ihren kindlichen Intimbereich auf Bildern in den Fokus gestellt.

Angeklagter wirft Mitschuld der Mutter und des Bruders der Kinder in den Raum

Als schließlich der jetzt 56-Jährige befragt wurde und ausschweifende Antworten lieferte, wurden die komplexen Familienbeziehungen deutlich. Die Mutter der Kinder - die insgesamt drei Töchter und einen Sohn hatte - habe er 2020 kennengelernt und in Fulda im gleichen Gebäude, aber in unterschiedlichen Wohnungen gelebt. Während der Verlobung sollen die Kinder auch öfter bei dem Angeklagten geschlafen haben. In dieser Zeit habe er über die heute 14-Jährige gegenüber der Mutter gesagt: "Sie ist wie eine Viagra-Tablette für mich".

Laut Aussagen des Angeklagten seien auch die Mutter und der Bruder der kleinen Mädchen in all das involviert gewesen. Seiner Aussage nach habe der jetzt 56-Jährige die Vaterrolle eingenommen, während sich die Mutter mit seinem Geld vergnügt hätte. Sie habe ihn auch öfter in intimen Momenten gefragt, ob er sich mit ihr oder den Töchtern wohler fühle. Außerdem habe auch der ältere Bruder der Mädchen sie missbraucht. "Ich gebe meine Schuld zu. Ich habe nur das gemacht, was auch der Bruder gemacht hat", so der Angeklagte am Montag. In einer Situation sei es zwischen dem Bruder - seinem Stiefsohn - und dem Angeklagten wohl eskaliert, und dem Mann wurden Finger gebrochen. Die Bilder der Mädchen habe er dann aus Rache heraus angefertigt und sie sich selbst wohl nicht mehr angeschaut. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden die Bilder und Videos gesichtet. Inwieweit die Anschuldigungen des Angeklagten zutreffen, ist derzeit noch unklar.

Zum Ende hin wurden zwei Themen erneut aufgegriffen: das Verständnis des Angeklagten und sein Alkoholkonsum. Er habe zwar bis zu zweimal wöchentlich Alkohol konsumiert, das habe laut ihm aber keine Auswirkungen auf das Verhältnis zu den Kindern gehabt. Er verneinte auch die Frage, ob er Kinder schon immer "erregend" gefunden hätte - "Nein, die Erregung kommt nicht von allein." Auf die Frage "Ist Ihnen bewusst, dass man keinen Sex mit Kindern haben darf, selbst wenn die Mutter zustimmen würde?" antwortete er: "Nein, aber jetzt weiß ich, dass es falsch ist."

Der Prozess wird am 4. November um 9:30 Uhr im Fuldaer Landgericht fortgesetzt. (mis) +++

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