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Handballer bleiben ungeschlagen

Irre Aufholjagd: TVG trotzt Tabellenführer Krefeld einen Punkt ab

Sieg für den TV Gelnhausen.
Foto: Verein

19.10.2026 / GELNHAUSEN - Was für ein Handballabend in der Hölle Süd: Der TV Gelnhausen hat dem Tabellenführer HSG Krefeld Niederrhein am achten Spieltag der 3. Liga Süd-West ein 30:30 (11:15) abgetrotzt. Vor 1.300 Zuschauern in der Rudi-Lechleidner-Halle lagen die Barbarossastädter gegen den großen Favoriten zwischenzeitlich mit sieben Toren zurück, kämpften sich mit einer beeindruckenden Energieleistung aber zurück. Damit bleiben die beiden einzigen bislang ungeschlagenen Mannschaften der Staffel auch nach dem direkten Duell ohne Niederlage.



Schon die Ausgangslage versprach einen besonderen Abend. Der Tabellenzweite empfing den verlustpunktfreien Spitzenreiter und der TVG wollte seine beeindruckende Heimserie fortsetzen. Seit November 2024 (25:40 gegen den Longericher SC) hat Gelnhausen kein Drittliga-Heimspiel der Süd-West-Staffel mehr verloren. Gleichzeitig musste die Mannschaft erneut einige Rückschläge verkraften. Max Bechert (Mittelhandbruch), Alexander Bechert (Knieprobleme), Benjamin Wörner (leichte Handverletzung) und Finn Trinczek (leichte Fußverletzung) fehlten verletzt. Dafür feierte Jonas Dambach nach seinen Fußproblemen sein Saisondebüt und meldete sich mit fünf Treffern und einer starken Leistung eindrucksvoll zurück.

Von Beginn an entwickelte sich das erwartete intensive Spitzenspiel. Beide Abwehrreihen standen kompakt, dazu setzten die Torhüter Bruno Minerva und Finn Rüspeler erste Akzente. Jonathan Malolepszy traf in der achten Minute per Siebenmeter zum 3:3 und sollte mit insgesamt sieben Treffern am Ende bester Gelnhäuser Torschütze sein. Auf Krefelder Seite war Jörn Persson mit acht Toren am erfolgreichsten. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase neigte sich das Pendel schnell auf die Seite der Gäste. Yannick Mocken sprang unglücklich in seinen Gegenspieler und sah die Rote Karte. Damit verlor Gelnhausen schon nach acht Minuten seinen einzigen gelernten Linksaußen im Kader.

Anschließend nutzte das Krefelder Starensemble einige Gelnhäuser Fehlwürfe. Der polnische Neuzugang Maciej Papina ausgestattet mit Erstliga- und Europapokalerfahrung traf dreimal in Folge und brachte den Tabellenführer mit 7:4 in Front. Nach einer Auszeit stabilisierte sich der TVG wieder. Kurz vor der Pause folgte jedoch der nächste personelle Rückschlag: Beim Stand von 10:14 sah auch Henrik Müller, der auf Linksaußen eingesprungen war, nach einem weiteren unglücklichen Foul Rot. Das veränderte gänzlich die Statik des Gelnhäuser Spiels, da fortan Jannik Geisler auf der ungewohnten Außenposition aushelfen musste und somit als Option für den Rückraum ausfiel.

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Mit 11:15 ging es anschließend in die Pause. "Wir haben in der ersten Hälfte einige hundertprozentige Chancen gegen einen sehr guten Krefelder Torhüter liegen lassen. Mit vier Toren Rückstand zur Halbzeit war aber noch alles in Ordnung", sagte TVG-Trainer Patrick Beer. "Wir hatten uns für den zweiten Durchgang fest vorgenommen, im Angriff etwas variabler zu spielen." Doch daraus wurde zunächst nichts. Nach der Pause erwischte Krefeld den deutlich besseren Start. Mit einem 4:1-Lauf zog der Tabellenführer auf 19:12 davon, beim 22:15 nach 41 Minuten schien die Partie gegen einen Gegner mit dieser Qualität eigentlich entschieden.

Doch genau dann passierte das, für das es keine echten Worte gibt und eben diese besondere Magie der Hölle Süd ausmacht. Angeführt von Jonathan Malolepszy, der fünf seiner sieben Treffer in den letzten zwölf Minuten erzielte, zeigte der TVG seine außergewöhnliche Mentalität. Gelnhausen verteidigte aggressiver und stellte offensiv auf vier Rückraumspieler ohne Kreisläufer um. Drei Tore in Folge brachten die Barbarossastädter beim 22:18 wieder auf vier Treffer heran. "Beim 12:19 waren wir fast tot. Und dann kommen die Jungs zurück, dann kommt diese Halle und diese verrückten Fans und pushen uns nach vorne. Das ist unglaublich", sagte Beer nach dem Spiel.

Die Aufholjagd nahm nun Fahrt auf. Malolepszy verkürzte in der 49. Minute auf 21:24 und nur zwei Minuten später auf 23:25. Zu diesem Zeitpunkt saß niemand mehr auf seinem Sitz, die Zuschauer peitschten ihr Jungs bedingungslos nach vorne, das Hallendach schien wegzufliegen, während Minerva mit starken Paraden immer wieder die Grundlage für den nächsten Angriff legte. Krefeld hielt dagegen und führte fünf Minuten vor Schluss noch mit 29:26.

Doch der TVG glaubte weiter an seine Chance. Dambach und Malolepszy brachten Gelnhausen auf 28:29 heran. Als Krefeld noch einmal zum 30:28 vorlegte, antwortete Simon Belter sofort zum 29:30. Dann parierte Minerva erneut und rund zwei Minuten vor Schluss traf Malolepszy aus dem Rückraum zum 30:30. Die Hölle Süd stand endgültig Kopf.

"Das war eine absolute Gemeinschaftsleistung"

Sogar die erste Gelnhäuser Führung war noch möglich. Dambach übernahm unter Zeitspieldruck Verantwortung, doch Rüspeler parierte seinen Versuch. Krefeld bekam anschließend den letzten Angriff, doch die TVG-Abwehr ließ keinen Abschluss mehr zu. Der direkte Freiwurf nach Ablauf der Zeit blieb im Block hängen und danach kannte der Gelnhäuser Jubel über den Punktgewinn keine Grenzen.

"Das war eine absolute Gemeinschaftsleistung. Ich bin unglaublich stolz darauf, diese Mannschaft trainieren zu dürfen", sagte Beer. Auch Gäste-Trainer Mark Schmetz zeigte sich beeindruckt: "Volle Halle und unglaublich viel Druck von den Rängen. Es hat richtig Spaß gemacht, hier zu spielen."

Krefeld bleibt mit 15:1 Punkten Tabellenführer, Gelnhausen folgt mit 14:2 Punkten direkt dahinter. Schon am kommenden Samstag wartet das nächste Heimspiel gegen Aufsteiger HV Vallendar. Tickets sind bereits online im Ticketshop des TV Gelnhausen erhältlich. (js/pm)+++

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