Von der Wasserkuppe in den Laden
Stollen-Abtrieb im Nebel: Hessens höchster Stollen ist zurück im Tal
Fotos: Marvin Hucke
19.10.2026 / GERSFELD (RHÖN) -
Dichter Nebel hüllte die Wasserkuppe ein, doch das Radom platzte vor Andrang: Beim Stollen-Abtrieb am Sonntag holte das Eichenzeller Unternehmen Papperts seinen "Hessens höchsten Stollen" nach vierwöchiger Reifezeit wieder ins Tal. Jung und Alt kamen, um das streng limitierte Gebäck zu probieren und zu erleben, wie ein Stollen zu seinem Höhenflug kommt.
Nebel, Andrang und ein Handwagen
Wer am Sonntag zur Wasserkuppe hinaufkam, sah zunächst vor allem eines: Nebel. Die Laune verdarb er niemandem. Im Radom drängten sich die Besucher, alle Altersklassen waren vertreten, und die Stollen wurden auf einem Handwagen herbeigerollt. Das erinnerte ein wenig an einen Almabtrieb, nur dass diesmal Stollen statt Kühe ins Tal kamen.Die einstige Radarkuppel der Amerikaner aus Zeiten des Kalten Krieges ist 24 Meter hoch und wird heute für Veranstaltungen aller Art genutzt. Der Stollen hatte dort seit dem 18. September gelagert, auf rund 950 Metern Höhe.
Vier Wochen Höhenluft
Wie man auf die Idee kommt, einen Stollen auf einem Berggipfel reifen zu lassen, erklärt Thomas Bertz von Papperts: "Wir wollten ein ganz besonderes Produkt machen, das es so nur bei uns gibt. Wir haben lange überlegt und sind dann darauf gekommen: Ein Teil der Rezeptur ist die Höhenluft hier auf der Wasserkuppe." Seit 2020 geht das Unternehmen so vor. Vier Wochen lang reift der Stollen am höchsten Punkt Hessens, "das gibt es sonst nirgends".Dort bekommt er nach Angaben des Unternehmens, was gutes Handwerk braucht: Ruhe und Zeit. Die klare Rhöner Luft lasse die feinen Aromen voll zur Geltung kommen und die Konsistenz zart werden.
Rezeptur mit Apfel, Nüssen und Sherry
Entwickelt hat das Rezept der Brot-Sommelier des Hauses, Bernd Müller. "Auch das ist etwas ganz Besonderes, und wir wollen damit zeigen, wie wichtig uns als Unternehmen Qualität ist", sagt Bertz. Verkostung, Verkauf und Preis
Vor Ort durften die Besucher probieren. "Wir haben den Stollen aus dem Radom geholt und stellen ihn jetzt der Öffentlichkeit vor", so Bertz. "Jeder kann hier ein bisschen kosten." Auf dem Programm standen außerdem der Verkauf für die rund 100 Besucher.Die Auflage ist streng auf 2.000 Exemplare limitiert, verpackt in einer Holzbox. Ab Mittwoch, 21. Oktober, soll der Stollen auch in den Fachgeschäften erhältlich sein, nach Bertz' Angaben für 23,50 Euro. So wird aus Höhenluft, Handwerk und regionalen Zutaten ein Stück Rhön zum Genießen. (Marvin Hucke) +++