Nach der Babypause nun der Meistertitel
Nach Comeback und schwerem Sturz: Ronja Billich ist Champion
Fotos: Privat
19.10.2026 / ALSFELD/OSCHERSLEBEN -
Im Mai haben wir vom Comeback der ehemaligen Alsfelderin Ronja Billich geb. Mahl berichtet, die nach der Babypause wieder in den Beiwagen der internationalen Motorrad-Rennsportszene einstieg. Nun endete Ronjas triumphale Bilderbuch-Saison im Beiwagen ihres Piloten Enrico Wirth (Aschersleben) und dem 600er F1-Adolf-RS-Gespann, allerdings nicht ganz ohne Drama und Spannung: Sie wurden nach 16 Rennen auf sieben Rennstrecken in fünf Ländern Champion der Internationalen Sidecar-Trophy-Saison.
Damit steht die 31-Jährige, die mit ihrem Mann und dem zweijährigen Sohn in Schwanenstadt, Oberösterreich, lebt, zum ersten Mal in der Meisterschaftswertung ganz oben. Überglücklich ist natürlich auch ihr Papa Erwin Mahl, der nicht nur seinen Platz im Team-Rennstall hat, sondern auch in der F2-Classic-Wertung nach wie vor selbst am Gashahn dreht. Gerne auch mit Doppelstarterin Ronja im Sidecar, wie in Rijeka, am Red Bull Ring in Salzburg oder beim Grand-Prix in Schotten.
Glück im Unglück nach schwerem Crash
Drei Ausfall-Rennen ohne Punkte konnten die Saison-Triumphfahrt von Ronja Billich und Enrico Wirth nicht verhindern. Bis zum vorletzten Rennwochenende am knapp sechs Kilometer langen Slovakiaring hatten sie von elf Rennen zehn gewonnen, nur einmal streikte vor dem Start die Maschine. Doch ohne Drama sollte die Meisterschaft in der Slowakei dann doch (noch) nicht eingetütet werden, erzählt Ronja mit etwas Abstand gelassen: "Nach dem Start drehte sich das Gespann und überschlug sich, wir hatten wirklich Glück im Unglück. Enrico ist mit ein paar Blessuren davongekommen, ich erlitt eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma, aber außer ein paar Kratzern äußerlich keine weiteren Verletzungen, ich musste auch nicht ins Krankenhaus." Mit cleverer Strategie souverän zum Titel
Enricos Rennstrategie war klar: diesmal keine Bestzeitenjagd, sondern mit einem ausreichenden zweiten Platz den Vorsprung verwalten und die Meisterschaft nach Hause fahren. Geschafft, dreimal Zweiter, schon vor dem allerletzten Rennen stand der Meisterschaftssieg fest. "Wir haben wirklich eine dominante Saison hinter uns", sagt eine stolze und selbstbewusste Ronja nach ihrem ersten Titel – für Enrico war es bereits der sechste in der Trophy-Serie. "Wir wussten schon nach der Vorbereitung in Frankreich, dass wir verdammt schnell sein werden, weil einfach alles richtig gut gepasst hat. Dass wir aber so souverän durch die Serie kommen und selbst drei Ausfälle noch kompensieren konnten, das ist schon megaschön." Nach dem Titelgewinn richtet sich der Blick nach vorn
Den Sturz hat die ehemalige TVA-Handballerin psychisch und inzwischen auch physisch längst abgehakt. "Vor den Starts der kommenden Saison habe ich absolut keine Angst." In welcher Teamzusammensetzung man sich dann organisieren wird, dies sei derzeit noch völlig offen, sagt sie. Mit Pilot Enrico und Papa Erwin darf sie nun erstmal mächtig stolz auf den Siegerpokal sein. Apropos Papa Erwin: Auch dem fiel in Oschersleben in der Classic-Wertung seine immer mal wieder doppelstartende Ronja durch ihre Verletzung aus. Ihren Platz in Erwins Beiwagen nahm Ronjas Mann Markus ein. Bei einer der schnellsten Familien der Rennsportszene ist das ja kein Problem. (goa)+++