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"Jetzt geht die Party richtig los!"

Lolls-Rock: The Porridges bringen den Linggplatz zum Beben

Beim "Lolls-Rock" ging es am Linggplatz richtig rund!
Fotos: Bernd Vogt

16.10.2026 / BAD HERSFELD - Zwischen kreischenden Gitarren, dicht an dicht tanzenden Fans, Riesenrad und Wiedersehen am Lolls-Feuer wurde der Donnerstagabend zum rockenden Heimspiel einer ganzen Region.



Bad Hersfeld drehte den Regler hoch, und zwar bis zum Anschlag. Die Gitarren kreischten, der Bass wummerte durch die Innenstadt, die Drums trieben den Rhythmus nach vorn. Vor der Bühne auf dem Linggplatz gab es kaum noch ein Durchkommen. Schulter an Schulter, Hände in der Luft, Füße im Takt: Der Linggplatz verwandelte sich in einen einzigen großen Dancefloor. Wer hier stillstehen wollte, musste schon sehr gute Gründe haben. Oder zwei linke Füße.

Lolls-Rock war angesagt! Diesmal lieferten The Porridges aus Leipzig den Soundtrack für einen Abend, an dem Bad Hersfeld bewies, dass die Festspielstadt durchaus rocken kann. Der traditionelle Donnerstagabend des Lullusfestes wurde zur ausgelassenen Open-Air-Party. Tausende feierten, sangen, tanzten und ließen sich von der Live-Musik mitreißen. Die Luft vibrierte, die Stimmung kochte und spätestens beim nächsten vertrauten Refrain wurde aus der Menge ein gewaltiger Chor.

Vielseitiges Repertoire und pure Energie

The Porridges sind eine Coverband, die sich nicht auf eine musikalische Schublade festlegen lässt. Ihr Repertoire reicht von Jazz über die Hits der 80er-Jahre bis zu Rock, Pop und aktuellen Chartstürmern. Songs aus mehreren Jahrzehnten bekommen ihren eigenen Sound, werden neu interpretiert und mit mitreißender Energie auf die Bühne gebracht. Mal groovig, mal gefühlvoll, mal mit ordentlich Gitarrendruck und immer mit dem Gespür dafür, was das Publikum auf die Beine bringt. Genau die richtige Mischung, um aus einem gewöhnlichen Donnerstag einen ausgewachsenen Lolls-Rock-Abend zu machen.

Tradition trifft auf Rock’n’Roll

Dann dieser Moment: Als auf dem Linggplatz zum ersten Mal der Lolls-Ruf ertönte, war klar, dass die Musiker an diesem Abend nicht einfach vor irgendeinem Publikum standen. Sie waren mitten in einer Hersfelder Tradition gelandet. "Enner, zwoon, dräi, Bruder Lolls!" schallte es über den Platz. Ein Schlachtruf, der hier keiner Erklärung bedarf. Wer ihn kennt, stimmt ein. Wer ihn noch nicht kennt, lernt ihn spätestens jetzt.

Für die Band war Bad Hersfeld Neuland. "Wir sind neu in der Stadt", lautete die Ansage. Von Berührungsängsten war auf dem Linggplatz allerdings wenig zu spüren. Die Musiker legten los, das Publikum zog mit, und aus der Begegnung zwischen einer Band aus Sachsen und einer feierfreudigen Festspielstadt wurde eine musikalische Liaison, die schnell Fahrt aufnahm. Die Bühne gab den Takt vor, der Linggplatz antwortete. Hier wurde nicht lange gefragt, ob man tanzen durfte. Hier wurde getanzt.

Wiedersehen am Lolls-Feuer

Rundherum spielte Lolls sein ganz eigenes Programm. Das Riesenrad lieferte das blinkende Gegenlicht zum Gitarrengewitter, irgendwo mischten sich Gelächter und Gesprächsfetzen in den Sound der Nacht. Am Lolls-Feuer wurden alte Bekanntschaften aufgefrischt, neue Gesichter begrüßt und Geschichten ausgetauscht, die vermutlich ein wenig länger dauerten als geplant. Ein kurzer Abstecher wurde zum ausgedehnten Wiedersehen, ein Getränk zur Verabredung für später, und plötzlich war der Abend viel zu kurz.

Denn Lolls ist mehr als Rummel, Fahrgeschäfte und Festbier. Lolls ist das große Heimspiel einer ganzen Region.

Ob heute in Köln oder Katar, in Mengshausen oder New York zu Hause: Wenn Lolls ruft, zieht es die Hersfelder zurück in die Heimat. In dieser Woche und ganz besonders an diesem Wochenende lautet die gemeinsame Botschaft: "Wir kommen nach Hause, wir feiern Lolls!"

Begegnungen von Angesicht zu Angesicht

Dann stehen sie wieder beieinander: Menschen, die sich vielleicht ein ganzes Jahr nicht gesehen haben. Ehemalige Klassenkameraden, alte Freunde, Nachbarn von früher und Bekannte, deren Namen einem erst nach dem dritten Satz wieder einfallen. Am "Fierche" trifft man sich nicht bloß auf WhatsApp, sondern von Angesicht zu Angesicht. Aus einem "Na, wie geht’s?" wird ein Gespräch, aus dem Gespräch ein gemeinsamer Abend und aus dem Vorsatz, nur mal kurz vorbeizuschauen, nicht selten eine ausgewachsene Lolls-Nacht.

Während auf dem Linggplatz die Gitarren weiterfeuerten und die Linggplatz-Arena dicht an dicht gefüllt blieb, zeigte sich einmal mehr, was dieses Fest so besonders macht: die Mischung aus Tradition und Gegenwart, aus Wiedersehen und Neuanfang, aus Kirmesgefühl und Festivalstimmung. Hier traf das alte Hersfeld auf das junge, die Erinnerung auf den Augenblick. Beide konnten verdammt gut feiern.

Ein geglückter Auftakt ins Wochenende

Hersfeld kann Festspiele, Fachwerk und Geschichte. Hersfeld kann Begegnungen, Lebensfreude und lange Nächte. Als The Porridges den Linggplatz zum Beben brachten, bewies die Stadt vor allem eines: Sie kann Rock’n’Roll, mit Lolls im Herzen, dem "Enner, zwoon, dräi" auf den Lippen und ordentlich Druck auf den Boxen.

Der Donnerstag eröffnete die Party. Jetzt durfte das Wochenende kommen. Wer noch behauptet, in Bad Hersfeld sei nichts los, war vermutlich am falschen Ort. Oder einfach zu früh zu Hause. (Jürgen Böthig) +++

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