Großer Polizeieinsatz
Maskierte befreien Häftling aus Arztpraxis
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14.10.2026 / ESSEN -
Aus einem Besuch beim Arzt ist in Essen eine spektakuläre Gefangenenbefreiung geworden: Maskierte überwältigten die Bewacher und verhalfen einem 34-Jährigen zur Flucht.
Maskierte haben in einer Arztpraxis in der Essener Innenstadt zwei Justizbeamte überwältigt und einen Häftling befreit. Der 34-jährige Gefangene und seine beiden Helfer konnten entkommen - die Beamten blieben gefesselt am Tatort zurück. Laut dem NRW-Justizministerium saß der 34-Jährige wegen Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. Nach dpa-Informationen ordnen ihn die Behörden dem Bereich Clankriminalität zu.
Gefangener sollte aus JVA in Arztpraxis gebracht werden
Die Aktion ereignete sich am Mittwoch gegen 12.45 Uhr am Kennedyplatz, dem größten Platz in der Essener Innenstadt. Die Arztpraxis ist umgeben von Restaurants und Cafés, die dort mit ihrem Mittagstisch um diese Zeit immer gut besucht sind.Die beiden Justizbeamten sollten den Gefangenen aus der JVA Essen zur Behandlung in die Arztpraxis bringen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Doch im Hausflur wurden sie nach dpa-Informationen plötzlich von zwei maskierten Männern überfallen.
Polizei: Täter könnten bewaffnet sein
Die Polizei bestätigte zunächst keine Details zum Ablauf der Gefangenenbefreiung. Sicher sei aber, dass der Häftling und seine beiden Helfer anschließend in unterschiedliche Richtungen geflüchtet seien, sagte eine Sprecherin. Der Häftling selbst sei auf einem E-Scooter entkommen, hieß es später. Die Polizei startete eine Öffentlichkeitsfahndung nach ihm.Zeuge findet in der Nähe eine Handgranate aus Holz
Die Gefangenenbefreiung war noch nicht lange her, da entdeckte ein Zeuge ganz in der Nähe plötzlich einen Gegenstand, der aussah wie eine Handgranate. Einsatzkräfte sperrten den Bereich weiträumig an, ein Entschärfer-Team des Landeskriminalamts rückte an. Doch die Experten konnten schnell Entwarnung geben: Die Handgranate war eine Attrappe aus Holz. Wer sie dort abgelegt haben könnte und ob sie womöglich bei der Gefangenenbefreiung eine Rolle gespielt hat, sagte die Polizei zunächst nicht.Essen gilt als Hochburg der Clankriminalität
Sollte sich die Einschätzung der Behörden bestätigen, dass der 34-Jährige dem Bereich Clankriminalität zuzuordnen ist, wäre die Gefangenenbefreiung eine weitere Eskalation in diesem Bereich. Als Clankriminalität bezeichnen die Behörden Straftaten, die sich aus ethnisch abgeschotteten Subkulturen heraus entwickeln. Meist stammen die Täter in Nordrhein-Westfalen aus türkisch-arabischstämmigen Großfamilien.Begriff Clankriminalität ist umstritten
Die Polizei hat ihre Arbeit in diesem Bereich deshalb in den vergangenen Jahren massiv verstärkt. In Essen wurde sogar eine eigene Organisationseinheit ins Leben gerufen, die verhindern sollte, dass Clans ihre kriminellen Strukturen in der Stadt festigen können.Allerdings ist der Begriff Clankriminalität umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund alleine aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. (dpa)+++
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