Er soll 1,4 Mio. Brandschützer vertreten
Ein Hesse! Christoph Weltecke vor Wahl zum Deutschen Feuerwehrpräsidenten
Fotos: Mathias Schmidt
15.10.2026 / KORBACH - Für Dr. Christoph Weltecke steht ein besonderer Moment seiner jahrzehntelangen Feuerwehrlaufbahn bevor: Am 17. Oktober stellt sich der 50-jährige Rechtsanwalt aus Nordhessen in Berlin zur Wahl zum Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV). Als einziger Kandidat gilt der derzeitige Vizepräsident des Bundesverbands und des Landesfeuerwehrverbands Hessen als designierter Nachfolger von Karl-Heinz Banse.
Obwohl Christoph Weltecke ohne Gegenkandidaten antritt, ist die bevorstehende Entscheidung für ihn keine Selbstverständlichkeit. "Die Anspannung ist spürbar und sie steigt", gesteht er wenige Tage vor der Wahl. Als erster Hesse das höchste Amt des Deutschen Feuerwehrverbands zu übernehmen, wäre für ihn eine große Ehre und Verantwortung zugleich. Seine Kandidatur war nicht geplant.
Vom Jugendfeuerwehrmann zum Präsidentschaftskandidaten
Seine Feuerwehrgeschichte begann dabei im April 1989. Damals trat Weltecke im Alter von zwölf Jahren in die Jugendfeuerwehr ein. Aufgewachsen ist er in Neerdar, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Willingen (Upland) mit seinerzeit rund 150 Einwohnern. Sein erster Jugendfeuerwehrwart begeisterte ihn für das Ehrenamt. "Aus der anfänglichen Begeisterung entwickelte sich eine lebenslange Verbundenheit", erzählt der Feuerwehrmann. Er wechselte in die Einsatzabteilung, blieb während seines Studiums aktiv und engagierte sich zunehmend in der Jugend- und Verbandsarbeit. Diese Erfahrungen sieht er heute als wichtige Grundlage für seine mögliche neue Aufgabe.
Ehrenamt stärken und Feuerwehr zukunftsfest machen
Sollte Weltecke gewählt werden, möchte er drei Schwerpunkte setzen: das Ehrenamt stärken, technische Neuerungen fördern und die Bedeutung der Feuerwehrverbände stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. "Deutschland verfügt über ein nahezu weltweit einzigartiges Feuerwehrsystem, dessen Leistungsfähigkeit langfristig gesichert werden muss." Dabei sieht er auch die Politik in der Verantwortung. Zwar genieße die Feuerwehr gesellschaftlich eine hohe Wertschätzung, doch müsse sich diese in konkreter Unterstützung widerspiegeln. "Die fachliche Expertise der Feuerwehrverbände muss bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden."Auch der menschengemachte Klimawandel stellt die Feuerwehren vor neue Herausforderungen. Extremwetterereignisse und veränderte Einsatzlagen erforderten eine kontinuierliche Anpassung von Technik und Einsatztaktik. "Die Feuerwehren sind dazu in der Lage. Voraussetzung sind jedoch ausreichende finanzielle Mittel und politische Unterstützung. Wo Ausstattung fehlt, muss sie beschafft werden", betont er.
Familie gibt Rückhalt - Sohn entdeckt die Kinderfeuerwehr
Mit dem neuen Amt würde sich auch Welteckes Alltag verändern. Der hauptberufliche Rechtsanwalt weiß, dass zahlreiche bundesweite Termine und politische Gespräche künftig viel Zeit beanspruchen werden. Den notwendigen Rückhalt erhält er sowohl beruflich als auch privat. "Meine Familie steht hinter mir. Das ist das Wichtigste für ein solches Amt", betont er im Gespräch mit O|N. Besonders freut ihn, dass inzwischen auch sein sechsjähriger Sohn Interesse an der Feuerwehr zeigt. Kürzlich besuchte dieser erstmals einen Schnuppertag bei der Kinderfeuerwehr und möchte im kommenden Monat wiederkommen. Wahl in Berlin - erste Amtshandlung steht bereits fest
Die Wahl findet am 17. Oktober im Roten Rathaus in Berlin im Rahmen der 73. Delegiertenversammlung des DFW statt. Sie ist eingebettet in den Deutschen Feuerwehrtag anlässlich des 175-jährigen Bestehens der Berliner Feuerwehr. Welteckes Familie wird ihn an diesem besonderen Tag begleiten. Was er nach einer erfolgreichen Wahl als Erstes tun würde, weiß der 50-Jährige bereits: "Meine Familie in den Arm nehmen."