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Im Wortlaut: "Seien wir stolz"

Lollsrede von Anke Hofmann: "Spüren Sie es auch, dieses besondere Gefühl?"

Sie gehört zur guten Tradition zum Start des Lullusfestes: Die Rede aus dem Rathaus. Bevor die Fackel ins Feuer fliegt und das Entzünden des von den Hersfeldern liebevoll "Fierche" genannten vollzogen wird, spricht die Bürgermeisterin Anke Hofmann. Sie nimmt dabei Stellung zu den Themen, welche die Stadt bewegt.
Fotos: Moritz Rös

12.10.2026 / BAD HERSFELD - Sie gehört zur guten Tradition zum Start des Lullusfestes: Die Rede aus dem Rathaus. Bevor die Fackel ins Feuer fliegt und das Entzünden des von den Hersfeldern liebevoll "Fierche" genannten vollzogen wird, spricht die Bürgermeisterin Anke Hofmann. Sie nimmt dabei Stellung zu den Themen, welche die Stadt bewegt.



Lesen Sie nachfolgend die Rede von Anke Hofmann im Wortlaut:

"Werter Herr Feuermeister, sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Gäste aus unseren Partnerstädten Šumperk, L’Haÿ-les-Roses und Malmesbury, liebe Bad Hersfelderinnen und Bad Hersfelder, liebe Kastanienmeisterin Krümel, liebe Gäste aus nah und fern,

endlich ist es wieder so weit!

Die Fahrgeschäfte sind aufgebaut, Musik zieht durch unsere Stadt, und der Duft von gebrannten Mandeln liegt in der Luft. Spüren Sie es auch? Dieses besondere Gefühl, wenn Bad Hersfeld zusammenkommt und unser Lullusfest beginnt?

Es ist eine Zeit voller Begegnungen, voller Erinnerungen und voller Lebensfreude. Denn das Lullusfest ist weit mehr als ein Volksfest. Es ist ein Teil unserer Geschichte, ein Teil unserer Identität – und vor allem ein Fest der Gemeinschaft.

Seit über 1.100 Jahren kommen Menschen hier zusammen, um an den heiligen Lullus zu erinnern. Mehr als elf Jahrhunderte! Generationen vor uns haben hier gefeiert, gelacht, miteinander gesprochen und am Feuer gestanden. Und heute stehen wir hier und führen diese Tradition weiter.

Das ist etwas Besonderes. Es verbindet uns mit den Menschen, die vor uns waren, und erinnert uns zugleich daran, Verantwortung für die Zukunft unserer Stadt zu übernehmen.

Das Lullesfeuer ist dafür ein wunderbares Symbol. Ein Feuer braucht Wärme, Licht und Menschen, die es am Brennen halten. Auch unsere Gemeinschaft braucht Menschen, die sich einbringen, die füreinander da sind und die nicht nur fragen, was andere für sie tun können, sondern auch, was sie selbst beitragen können. Denn eine Stadt lebt nicht allein von ihren Gebäuden, Straßen und Plätzen. Sie lebt von den Menschen, die sie mit Leben füllen. Und sie lebt davon, wie wir miteinander umgehen.

Wir erleben, dass der Ton in unserer Gesellschaft manchmal rauer wird. Dass Meinungsverschiedenheiten schnell zu Gegensätzen werden und zuweilen mehr übereinander als miteinander gesprochen wird. Dabei gehören unterschiedliche Meinungen zu einer lebendigen Demokratie. Kritik ist wichtig. Und natürlich dürfen wir auch leidenschaftlich darüber streiten, welcher Weg der richtige ist. Aber bei allem, was uns unterscheidet, sollten wir eines nicht vergessen: Wir begegnen einander als Menschen.

Wir müssen nicht alle gleich denken, um gemeinsam etwas erreichen zu können. Wir müssen einander zuhören, andere Sichtweisen ernst nehmen und respektvoll miteinander umgehen. Das gilt in der Politik, im Verein, in der Nachbarschaft und im Alltag. Und es gilt ganz besonders auch hier, auf unserem Lullusfest.

Denn schauen wir uns um: Hier kommen Jung und Alt, Alteingesessene und Hergeloffene, Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Überzeugungen zusammen. Wir müssen nicht alle gleich sein, um gemeinsam feiern zu können. Unsere Vielfalt ist unsere Stärke. Und darauf dürfen wir stolz sein.

Liebe Gäste,

auch kulturell ist 2026 ein besonderes Jahr für Bad Hersfeld. Unsere Bad Hersfelder Festspiele haben ihren 75. Geburtstag gefeiert. Seit 75 Jahren stehen sie für große Kunst, für Leidenschaft und für unvergessliche Momente in unserer einzigartigen Stiftsruine. Wie viele Menschen haben dort schon gelacht, geweint, gestaunt und sich von einer Geschichte berühren lassen?

Kultur kann uns zum Nachdenken bringen. Sie kann neue Perspektiven eröffnen. Und sie kann Menschen miteinander verbinden, die sonst vielleicht wenig Berührungspunkte hätten. Neben den Festspielen feiern in diesem Jahr auch zahlreiche weitere Einrichtungen Jubiläen – darunter Schulen, das wortreich und unsere Jugendherberge. Hinter jedem dieser Jubiläen stehen Menschen, die Verantwortung übernommen, etwas aufgebaut und über viele Jahre mit Leben erfüllt haben. Ein ganz besonderes Jubiläum feiern unsere Feuermeister: Seit 100 Jahren sind sie Symbolfigur und Botschafter unseres Lullusfestes.

Unser Feuermeister Mark Baumgardt wurde erst vor wenigen Wochen im Schloss Biebrich vom hessischen Ministerpräsidenten empfangen. Und ich freue mich sehr, dass auch Feuermeister vergangener Jahre heute unter uns sind. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank. Sie tragen unsere Tradition mit Stolz, mit Leidenschaft und mit großer Verbundenheit zu unserer Stadt weiter. Was wäre unser Lullusfest ohne Sie?

Liebe Bad Hersfelderinnen und Bad Hersfelder,

Tradition gibt uns Halt. Aber eine lebendige Stadt braucht auch neue Ideen und den Mut, Dinge auszuprobieren. Mit der Sommerarena in der Breitenstraße haben wir in diesem Jahr etwas Neues gewagt. Nicht alles wurde so angenommen, wie wir es uns gewünscht hatten. Die Ferienzeit und Temperaturen von fast 40 Grad waren keine einfachen Voraussetzungen. Auch die Rollschuhbahn wurde kritisch gesehen. Das gehört dazu.

Nicht jede Idee funktioniert auf Anhieb. Entscheidend ist, dass wir zuhören, aus Erfahrungen lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Aber ich wünsche mir, dass wir uns den Mut bewahren, Neues auszuprobieren. Denn eine Stadt, die sich weiterentwickeln will, darf nicht aus Angst vor Kritik stehen bleiben. Bad Hersfeld soll seine Tradition bewahren und zugleich den Mut haben, seine Zukunft zu gestalten. Und dabei kommen wir voran.

Unser neuer Wohnmobilstellplatz ist fertiggestellt. Damit heißen wir weitere Gäste willkommen und stärken den Tourismus in unserer Stadt und der Region. Mit der Reprädikatisierung als Kurstadt für die nächsten zehn Jahre haben wir dafür ebenfalls ein wichtiges Zeichen gesetzt. In unserer Tourist-Information entstehen neue Angebote, etwa mit dem Stadtkrimi. Beim Stadtarchiv schreiten die Arbeiten voran; der Umzug ist für Anfang 2027 vorgesehen. Die Gestaltung des neuen Antonienplatzes ist beauftragt. Dort soll ein klimaangepasster Ort mit mehr Aufenthaltsqualität entstehen.

Auch das Wever-Gelände nimmt Gestalt an. Im Stiftsbezirk entsteht in den kommenden zwei Jahren das neue Festspielfunktionsgebäude. Der Abriss des ehemaligen Zollgebäudes läuft bereits. Und für unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger haben wir den Bürgerbus auf den Weg gebracht. Ich freue mich sehr über die positive Resonanz: Er ist ein Erfolg!

All diese Vorhaben zeigen, dass wir unsere Stadt Schritt für Schritt weiterentwickeln können, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Natürlich geht nicht alles sofort. Manche Projekte brauchen Geduld, manche Entscheidungen müssen sorgfältig abgewogen werden. Aber wir bleiben dran.

Eine große Herausforderung bleibt dabei unsere finanzielle Lage. Die Aufgaben wachsen, die Anforderungen steigen, und die finanziellen Möglichkeiten halten damit nicht Schritt. Das ist keine abstrakte Frage des Haushalts. Es geht um unseren Alltag: um Straßen, Kinderbetreuung, Sicherheit, Kultur, Sport, soziale Angebote und die Zukunft unserer Innenstadt. Wir werden verantwortungsvoll mit den uns anvertrauten Mitteln umgehen, Prioritäten setzen und sorgfältig entscheiden.

Gleichzeitig brauchen unsere Städte eine verlässliche Finanzierung, weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielräume. Denn die Aufgaben, die wir vor Ort erfüllen, können wir auf Dauer nicht allein schultern. Unsere Stadt muss handlungsfähig bleiben – damit wir auch in Zukunft das gestalten können, was das Leben hier lebenswert macht. Und dafür brauchen wir mehr als gute Pläne und politische Entscheidungen. Wir brauchen Menschen, die sich einbringen.

Menschen, die im Verein Verantwortung übernehmen, die in der Feuerwehr helfen, die Kinder und Jugendliche begleiten, die Kultur ermöglichen oder in der Nachbarschaft für andere da sind. Oft geschieht das ganz selbstverständlich, ohne große Worte und ohne dass jemand hinschaut. Aber genau das macht unsere Gemeinschaft stark. Deshalb möchte ich heute Danke sagen.

Danke unseren politischen Gremien, unseren Vereinen, Organisationen und Initiativen. Danke unseren Sicherheits- und Rettungskräften, der Feuerwehr und dem THW. Danke allen Helferinnen und Helfern, die unser Lullusfest möglich und unser Leben reicher machen. Und ganz besonders danke ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Stadtverwaltung. Vieles, was gelingt, nehmen wir im Alltag als selbstverständlich wahr. Doch hinter jedem gelungenen Projekt stehen Menschen, die planen, organisieren, Lösungen finden und oft weit mehr leisten, als von außen sichtbar ist. Dafür danke ich euch von Herzen.

Liebe Gäste,

bei allen Herausforderungen gibt es guten Grund zur Zuversicht. Nicht, weil alles einfach wäre. Sondern weil wir immer wieder zeigen, dass wir gemeinsam etwas bewegen können. Was wäre Bad Hersfeld ohne die Menschen, die sich einbringen? Was wäre unsere Stadt ohne diejenigen, die Verantwortung übernehmen? Und was wäre unser Lullusfest ohne uns alle? Unsere Stadt, das sind nicht nur Gebäude, Straßen und Plätze. Unsere Stadt, das sind wir. Jede und jeder Einzelne. Und zugleich wir alle gemeinsam.

Das Lullusfeuer erinnert uns daran: Ein einzelner Funke ist klein. Viele Funken aber können Wärme und Licht schenken. Lassen Sie uns dieses Licht mitnehmen – auf den Festplatz, in unsere Gespräche und in unseren Alltag. Lassen Sie uns feiern. Lassen Sie uns lachen. Lassen Sie uns miteinander ins Gespräch kommen. Und lassen Sie uns bei allem, was uns unterscheidet, nie vergessen, was uns verbindet. Feiern wir ausgelassen, aber achten wir aufeinander. Diskutieren wir leidenschaftlich, aber bleiben wir respektvoll. Seien wir offen für die Menschen neben uns.

Und seien wir stolz auf diese Stadt. Auf ihre Geschichte. Auf ihre Menschen. Auf ihre Zukunft. Ich wünsche uns allen friedliche, fröhliche und unvergessliche Festtage. Auf unsere Stadt. Auf unsere Gemeinschaft. Auf unser Lullusfest. Herzlich willkommen zum Lullusfest 2026!

Und nun, Herr Feuermeister, hören Sie:

Bürgermeisterin:

Wir zünden an uralten Brand,
Was soll er künden dem deutschen Land?

Feuermeister:

Am guten Alten woll’n fest wir halten!

Bürgermeisterin:Und warum hüten in treuer Hut
Wir Tag und Nacht des Feuers Glut?

Feuermeister:

Wie die Väter in Ehren
Woll’n wir uns bewähren!

Bürgermeisterin:

Das Feuer brennt mit hellem Schein,
Was soll der Bürger Losung sein?Bürgermeisterin und Feuermeister:Feuermeister: Hersfeld, die Stadt, sie trägt im Schild,

Anke: Ein Kreuz und einen Löwen wild.

Feuermeister: In Kreuz und Leid hab’ Löwenmut

Anke: Und trau auf Gott, es wird wohl gut. (pm/hhb) +++

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