Doktorarbeit aus Fulda und Kiel
Vitamin B12 Durchbruch an der Hochschule: Dr. Lu Gao erhält Stockmeyer‑Preis
Foto: Hochschule Fulda
07.10.2026 / FULDA -
Dr. Lu Gao ist für ihre Forschung zur Anreicherung pflanzlicher Lebensmittel mit Vitamin B12 mit dem Heinrich‑Stockmeyer‑Wissenschaftspreis ausgezeichnet worden. Die Heinrich‑Stockmeyer‑Stiftung würdigt damit eine Arbeit, die nicht nur wissenschaftlich herausragend ist, sondern auch einen klaren praktischen Nutzen hat: Sie stärkt Lebensmittelsicherheit, Verbraucherschutz und das Vertrauen in die Qualität moderner Lebensmittel.
Die in diesem Jahr prämierte Dissertation entstand in Kooperation zwischen dem Max-Rubner-Institut in Kiel und der Hochschule Fulda. Betreut wurde die Arbeit unter anderem von der Fuldaer Professorin Dr. Rohtraud Pichner. Für die Wissenschaftlerin ist es bereits das zweite Mal, dass eine von ihr begleitete wissenschaftliche Arbeit den Stockmeyer-Wissenschaftspreis erhält.
"Die Arbeit liefert wichtige Grundlagen für die Entwicklung pflanzlicher Lebensmittel", ordnet Professorin Pichner die Ergebnisse ein. Und von der Stockmeyer-Stiftung heißt es, dass sich auf Grundlage dieser Erkenntnisse Lebensmittel über eine gezielte Fermentation mit relativ geringem Aufwand mit Vitamin B12 anreichern lassen. Verbraucherinnen und Verbraucher mit vegetarischer oder veganer Ernährungsweise könnten so vor einem Vitanin-B12-Mangel geschützt werden.
Produktion von Vitamin B12 auf natürliche Weise
Vitamin B12 ist unter anderem für die Blutbildung, das Nervensystem und den Energiestoffwechsel wichtig. In nennenswerten Mengen kommt es vor allem in tierischen Lebensmitteln vor. Pflanzlichen Produkten wird es häufig nachträglich zugesetzt, um eine ausreichende Versorgung mit dem Vitamin auch für all jene sicherzustellen, die kein oder wenig Fleisch essen. Nach geltendem EU-Recht dürfen angereicherte Produkte jedoch nicht als Bio-Produkte gekennzeichnet werden – selbst dann nicht, wenn sie ansonsten ökologisch hergestellt wurden.Hier setzte Dr. Gao an. Sie untersuchte, ob sich pflanzliche Lebensmittel durch Fermentation bereits während der Herstellung, also auf natürliche Weise mit Vitamin B12 anreichern lassen. Im Mittelpunkt stand der als Milchalternative verbreitete Haferdrink. Bei einer Fermentation wandeln Mikroorganismen Bestandteile des Lebensmittels um. Bekannt ist das Verfahren beispielsweise aus
Co-Fermentation: Zusammenspiel verschiedener Bakterien
Für ihre Untersuchungen nahm Dr. Gao zunächst Milchsäurebakterien der Gattung Lactobacillus in den Blick. Diese Bakterien beeinflussen den Säuregrad, den Geschmack und die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Anschließend kombinierte sie ausgewählte Stämme mit Propionsäurebakterien. Diese werden unter anderem bei der Herstellung von Schweizer Hartkäse eingesetzt. Einige Arten können Vitamin B12 bilden.Die Untersuchungen zeigten, dass bestimmte Lactobacillus-Stämme zwar über Gene verfügen, die grundsätzlich für die Bildung von Vitamin B12 erforderlich sind. Dennoch produzierten sie nur sehr geringe Mengen des Vitamins. Bei einigen Stämmen ließ sich trotz entsprechender genetischer Ausstattung überhaupt keine Vitamin-B12-Bildung nachweisen.
Sehr viel besser waren die Ergebnisse, wenn beide Bakteriengruppen gemeinsam eingesetzt wurden. Bei dieser sogenannten Co-Fermentation entstand wesentlich mehr biologisch aktives Vitamin B12 als bei der Verwendung nur einer Bakterienart. Biologisch aktiv bedeutet hier, dass der menschliche Körper das Vitamin verwerten kann.
"Die Ergebnisse der Co-Fermentation sind sehr eindrucksvoll und für den Transfer in die Praxis von besonderer Bedeutung", sagt Professorin Pichner. Denn eine Monokultur-Fermentation mit Propionsäurebakterien könne nicht nur negative sensorische Eigenschaften zur Folge haben, sondern auch zu höheren pH-Werten führen, was aus Sicht der Lebensmittelsicherheit vermieden werden sollte.
Präzise Analyse des Vitamin-B12-Gehalts
Um zuverlässig bewerten zu können, wie viel biologisch aktives Vitamin B12 in den Proben enthalten war, entwickelte und optimierte Dr. Gao eine präzise und vergleichsweise kostengünstige Methode. Dies war notwendig, weil handelsübliche Schnelltests auch biologisch unwirksame Varianten erfassen. Dadurch hätte der Gehalt an nutzbarem Vitamin B12 überschätzt werden können.Bis zu einer praktischen Anwendung in der Lebensmittelproduktion sind noch weitere Untersuchungen erforderlich. Dazu gehören insbesondere Prüfungen zu Geschmack, Haltbarkeit, Lebensmittelsicherheit und zur Übertragung des Verfahrens auf größere Produktionsmengen. (mis/pm) +++