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Fachtagung in der Mainmetropole

Zwischen Fachkräftemangel und Spiritual Care: Altenpflege im Umbruch

Fachtagung diskutiert Zukunft der Seelsorge in der Altenpflege.
Fotos: Altenheimseelsorge Bistum Fulda

04.10.2026 / FULDA - Die Seelsorge in der Altenpflege steht vor tiefgreifenden Veränderungen, weshalb das Bistum Fulda und der Diözesancaritasverband künftig verstärkt auf neue, flexible Strukturen im Sozialraum setzen. Angesichts dieser veränderten gesellschaftlichen Realität befasste sich das diesjährige bundesweite Vernetzungstreffen der AltenPflegePastoral (APP) im Frankfurter Haus am Dom mit den drängendsten Zukunftsfragen der kirchlichen Begleitung. Zu den Teilnehmern der Fachtagung gehörten auch Oliver Krah vom Caritasverband Fulda sowie Diakon Dr. mult. Meins G.S. Coetsier vom Bistum Fulda.



Das bereits zum dritten Mal stattfindende, jährliche Treffen unter dem Leitmotiv "Seelsorge und neue Realitäten" wurde vom Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) organisiert und von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) unterstützt. Zur Eröffnung führten Claudia Stein (Referentin VKAD) und Julia Brümmer (Referentin DBK) in die Thematik ein. Ziel des Austausches war es, Akteure aus Bistümern, Diözesancaritasverbänden und Pflegeeinrichtungen bundesweit zu vernetzen.

Wandel durch ambulante Pflege und Bilanz nach 1,5 Jahren

Hintergrund des Umdenkens sind gesellschaftliche Entwicklungen wie die zunehmende Ambulantisierung der Pflege. Die moderne AltenPflegePastoral öffnet die klassische Heimseelsorge hin zu einem sozialräumlichen Ansatz, der die "soziale Frage des 21. Jahrhunderts" aktiv in den Blick nimmt. Dabei müssen das System der professionellen Pflege und das der kirchlichen Seelsorge kompatibel gemacht werden. Ein zentraler Schwerpunkt der Konferenz war die Bilanzierung des DBK-Papiers "Mitsorgend bei den Menschen sein", das vor eineinhalb Jahren veröffentlicht wurde.

Dr. Sonja Sailer-Pfister (Hauptreferentin und Bistumsbeauftragte für Hospizseelsorge im Bistum Limburg) und Gundekar Fürsich (Geschäftsführer der CTE Erfurt gGmbH) gaben hierzu wichtige Impulse und hinterfragten die bisherige Wirkung der Richtlinie in den Diözesen. "Die Menschen werden heute anders alt als noch vor wenigen Jahrzehnten. Wir müssen als Kirche dorthin gehen, wo die Betroffenen und ihre Angehörigen in ihrem Alltag stehen – das erfordert Mut zu neuen, flexiblen Strukturen im Sozialraum", betonte Diakon Dr. Coetsier aus Fulda am Rande der Veranstaltung.

Pflegekräfte und Angehörige rücken in den Fokus

Ein Kerngedanke der Tagung war die radikale Erweiterung der Zielgruppen. Seelsorgliche Angebote richten sich längst nicht mehr exklusiv an Heimbewohner, sondern umfassen das gesamte System der Altenpflege: von den (pflegenden) Angehörigen über die Pflege- und Betreuungskräfte bis hin zu allen Mitarbeitenden in den Einrichtungen. Oliver Krah von der regionalen Caritas ergänzte mit Blick auf die Praxis: "Pflegekräfte und pflegende Angehörige leisten tagtäglich Enormes. Sie in die seelsorgliche Begleitung einzubinden und eine Kultur von "begleitender Seelsorge" in Verbindung mit "Spiritual Care" im System zu verankern, ist eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre." Dieser interprofessionelle Ansatz betrachtet die spirituelle und existenzielle Begleitung als gemeinsame Aufgabe aller Berufsgruppen.

Blickwinkel auf die Praxis und Umgang mit Suizidassistenz

Die konkreten Anforderungen an das Anforderungsprofil der seelsorglichen Begleitung wurden aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet: Für die Caritasverbände sprach Dr. Gwendolin Wanderer (Referentin Caritasprofil und Ethik, Caritasverband für die Diözese Limburg e. V.). Die Sichtweise der Einrichtungsträger brachten Werner Fusenig (Caritas-Seniorenheime Betriebsführungs- und Trägergesellschaft gGmbH) und Bernd Trost (Einrichtungsleitung, Franziska Schervier Altenhilfe GmbH) in die Debatte ein. Zudem widmete sich ein praxisnaher Workshop dem sensiblen Thema des Umgangs mit dem Wunsch nach Suizidassistenz in den Einrichtungen und Diensten – eine neue Realität und wachsende Herausforderung, die von den Mitarbeitenden in der Pflege und Seelsorge zunehmend eine klare ethische Haltung und intensive Kleingruppenarbeit verlangt.

Das neue "SpECi"-Modell gegen den Fachkräftemangel

Als konkrete Empfehlung für die Zukunft wurde das integrative Modell "SpECi" (Spiritual / Existential Care interprofessionell) vorgestellt, das seelsorgliche Begleitung fest in die christliche Unternehmenskultur einbettet und Betroffene ins Zentrum eines dichten Netzes stellt. Um den Ansprüchen trotz des herrschenden Fachkräftemangels gerecht zu werden, umfasst das künftige Aufgabenprofil ein breites Spektrum. Neben klassischen Aufgaben wie Gesprächen, Gottesdiensten und Sakramentenspenden gehören dazu künftig auch systematische Sozialraum- und Situationsanalysen sowie die verstärkte Gewinnung, Schulung und Begleitung von ehrenamtlichen Mitarbeitenden. (js/pm)+++

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