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Gregor Staschs "Galerie & Kabinett"

Die leisen Töne eines sehr deutschen Lebens

Ein Riesenschuh als Puppen- und Mäusehaus – geschaffen im Rahmen eines Workshops an der Kinderakademie
Fotos: Jutta Hamberger

02.10.2026 / FULDA - Gregor Staschs "Galerie & Kabinett" eröffnete am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit eine Ausstellung, die sich dem Werk von Klaus Magnus widmet. Ein Zufall ist dieses Datum sicher nicht, denn Magnus’ Biografie ist im Grunde ein sehr deutsches Leben des 20. und 21. Jahrhunderts – mit Flucht und Vertreibung, DDR und Mauerfall, Aufbruch und Neuanfang.



Geboren wurde Klaus Magnus im ostpreußischen Gumbinnen. Nach der Vertreibung absolvierte er in Greifswald zunächst eine Ausbildung zum Schaufensterdekorateur, wechselte später an die Dresdner Akademie für berufliche Bildung und schließlich an die dortige Hochschule für Bildende Künste. Einige Jahre arbeitete er als freier Künstler im thüringischen Sonneberg, später in Ostberlin. 1989 verließ er die DDR und ging nach Bonn, seit 1995 lebt und arbeitet er in Fulda.

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von Johann Eisenmeier und seinem Schüler Jan Kutscher mit zwei Sätzen aus einer Cellosonate des französischen Barockkomponisten Jean-Baptiste Barrière, der als einer der großen Cellovirtuosen seiner Zeit dem Cello gegenüber der Gambe zum Durchbruch verhalf.

Jenseits der offiziellen Staatskunst

Dann führte Gregor Stasch kenntnisreich in Magnus’ Werk ein – und holte dafür weit aus. 1981 zeigte das Pariser "Musée d’Art Moderne" zeitgenössische deutsche Kunst. Eine eigenwillige Auswahl von Künstlern sei das gewesen, so Stasch, aber es seien alles Künstler gewesen, die die Kunst der folgenden Jahrzehnte maßgeblich prägen sollten: darunter Anselm Kiefer, Joseph Beuys, Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Ulrich Rückriem und A. R. Penck.

Im selben Jahr und im selben Museum folgte die Ausstellung "Malerei und Grafik der DDR". Im Zentrum standen prominente Vertreter des sozialistischen Realismus wie Willi Sitte, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke, oft auch "Viererbande" genannt. Aber auch weniger angepasste Künstler waren vertreten: Carlfriedrich Claus, Hermann Glöckner, Dagmar Ranft-Schinke, Max Uhlig, Willy Wolff – und eben Klaus Magnus.

Der Ausstellungskatalog verrät mindestens so viel über das Kunstverständnis der DDR wie über die ausgestellten Werke. Kunsthistoriker Lothar Lang hob den "bewussten politischen Einsatz für die Arbeiterklasse" und den "antiimperialistischen Befreiungskampf" der Künstler hervor und befand, nicht nur der "Grad der Realitätswiedergabe", sondern auch der "geistige Gehalt der Kunstwerke" sei bemerkenswert.

Melancholie und Vergänglichkeit

Klaus Magnus wurde nicht nur in dieser Ausstellung als Gegenpol zur offiziellen Staatskunst wahrgenommen. Über seinem Werk, ob Stadtansichten oder Stillleben, liegt eine sanfte Melancholie, immer wieder auch der Gedanke an Vergänglichkeit. Gregor Stasch zog eine Verbindung zu Caspar David Friedrich: Nicht die möglichst genaue Wiedergabe der Wirklichkeit steht im Mittelpunkt, sondern das, was Landschaft und Dinge beim Betrachter auslösen: "Das, was er malte, war nicht das, was er meinte" – so Stasch über Caspar David Friedrich, genau das nehme er auch in Magnus" Werk wahr.

Besonders deutlich wird das in Magnus’ Bildern von Berliner Abrisshäusern. Man meint, in seinen Grafiken den Charakter und Geist dieser alten Häuser noch einmal zu spüren, bevor sie verschwanden und vielerorts durch Plattenbauten ersetzt wurden. Mythologie und Märchenmotive faszinierten Magnus ebenso wie die Natur, insbesondere Berglandschaften. Ist sein Frühwerk häufig monochrom, wird es in den Fuldaer Jahren geradezu bunt. Es sei, so Gregor Stasch, als habe der Ortswechsel, der zugleich ein Wechsel von Gesellschaft, Kultur und Tradition war, eine Art Wiedergeburt ausgelöst. Magnus begann zu experimentieren – einiges davon lässt sich in der Ausstellung entdecken.

1997 widmete ihm das Vonderau Museum eine Ausstellung. Das damalige Plakat wurde zu einem ausgesprochen beliebten Motiv und ist heute nur noch schwer zu finden. In Fulda fand Magnus zudem ein ganz besonderes Betätigungsfeld: die Kinder-Akademie. Helen Bonzel ermöglichte ihm dort, Kindern Kunst nahezubringen und gemeinsam mit ihnen Spielzeug und Masken zu gestalten. Auch Beispiele dieser Arbeiten sind nun bei Stasch zu sehen.

Klaus Magnus, mittlerweile 90 Jahre alt, war bei der Eröffnung selbst dabei und freute sich sichtlich über das rege Interesse an ihm und seinem Werk. Die Ausstellung ist bis Anfang November zu sehen. Sie lohnt den Besuch nicht nur, weil sie einen vielseitigen Künstler zeigt. Sie erzählt zugleich davon, wie politische Systeme, Ortswechsel und Umbrüche ein Künstlerleben prägen – und davon, dass gerade die leisen Töne besonders lange und intensiv nachhallen. (Jutta Hamberger)+++

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