Infoveranstaltung der IHK
"Weniger Bürokratie, mehr Wohnraum" - Müller stellt neues Baurecht vor
Fotos: Carina Jirsch
29.09.2026 / FULDA -
Wie verändert sich das Bauen in Hessen? Welche neuen Möglichkeiten bietet die novellierte Hessische Bauordnung – und was könnte mit dem geplanten Baupaket II noch hinzukommen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Informationsveranstaltung der IHK Fulda. Der Landtagsabgeordnete Sebastian Müller (CDU) informierte über die wesentlichen Änderungen des seit Oktober 2025 geltenden Baupakets I und gab zugleich einen Einblick in die aktuellen Beratungen zum Baupaket II. Rund 50 Bauherren, Architekten, kommunale Vertreterinnen und Vertreter sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen an dem rund 90-minütigen Austausch teil.
Sebastian Müller ist Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum und beschäftigt sich dort mit den politischen und fachlichen Fragen rund um die Weiterentwicklung des Baurechts. "Wir müssen vorhandene Potenziale besser nutzen und das Bauen dort erleichtern, wo es heute noch unnötig kompliziert ist. Gerade im Bestand, in unseren Ortskernen und beim Ausbau vorhandener Gebäude liegt noch viel Potenzial für zusätzlichen Wohnraum", erklärte der hessische Landtagsabgeordnete der CDU.
Baupaket I schafft neue Möglichkeiten
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Dachgeschossausbau und der Aufstockung bestehender Gebäude. Erleichterungen bei der Umnutzung von Dachräumen zu Wohnzwecken, der Wegfall zusätzlicher Kfz-Stellplätze in bestimmten Fällen und weitere Erleichterungen sollen helfen, vorhandene Flächen besser zu nutzen. "Mehr Wohnraum im Bestand bedeutet auch: weniger neue Flächenversiegelung. Das ist gerade für unsere gewachsenen Städte und Gemeinden ein wichtiger Ansatz", so Müller.
Baupaket II: Weitere Erleichterungen in der Beratung
Mit Blick auf das Baupaket II machte Müller deutlich, dass sich mehrere weitere Änderungen derzeit noch in der politischen Beratung befinden. Dazu gehören unter anderem die geplante zeitweise Aussetzung zahlreicher technischer Baubestimmungen, Erleichterungen für Gebäude in Holzbauweise bis zu einer Höhe von 13 Metern sowie eine frühere Erteilung von Baugenehmigungen, wenn Grundstücksteile noch zusammengelegt werden müssen. Vorgesehen sind außerdem reduzierte Schallschutzanforderungen bei Dachgeschossausbauten und Aufstockungen sowie flexiblere Lösungen bei der Barrierefreiheit. Auch die Liste der genehmigungsfreien Vorhaben soll erweitert werden – beispielsweise bei Wintergärten, Containern, Einkaufswagenunterständen, Hofläden und bestimmten Behältern."Baupaket I war ein wichtiger Schritt. Jetzt kommt es darauf an, die Erfahrungen aus der Praxis ernst zu nehmen und bei Baupaket II dort weiter zu vereinfachen, wo Vorschriften heute noch unnötige Kosten und Verzögerungen verursachen", sagte Müller.
Weitere Reformen: Denkmalschutz und Bauturbo
Neben den beiden Baupaketen ging Müller auch kurz auf weitere aktuelle Veränderungen im Baurecht ein. Mit dem neuen Hessischen Denkmalschutzgesetz, das zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll, sind unter anderem mehr Tempo und eine stärkere Entscheidungskompetenz der unteren Denkmalschutzbehörden vor Ort vorgesehen. Genehmigungsverfahren sollen innerhalb klarer Fristen abgeschlossen werden.Austausch mit der Praxis
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine intensive Diskussion. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, konkrete Fragen und Erfahrungen aus ihrer täglichen Arbeit einzubringen. Dabei wurde deutlich, dass die Tragweite mancher bereits beschlossener Änderungen in der Praxis noch nicht überall bekannt ist. Gleichzeitig wurden zahlreiche Anregungen für die weitere Beratung des Baupakets II vorgetragen. Müller kündigte an, diese Erfahrungen und Anliegen aus der Region mit in die weitere politische Diskussion nach Wiesbaden zu nehmen.Die Veranstaltung bot damit nicht nur einen Überblick über die bereits geltenden neuen Regelungen, sondern auch Gelegenheit, die praktischen Auswirkungen und den weiteren Reformbedarf gemeinsam mit Fachleuten und Betroffenen zu diskutieren. (pm/jk) +++