"Keine Frage des Alters"
20 Jahre "Schule für Erwachsene - Osthessen": Bildung öffnet neue Lebenswege
Fotos: Hannes Mayer
29.09.2026 / FULDA -
"Die Schule hat wirklich mein Leben verändert" - das ist nicht irgendein Werbespruch, sondern die ehrliche Meinung einer Absolventin der "Schule für Erwachsene - Osthessen". Was vermutlich bei nicht sehr vielen bekannt ist, hat das Leben der ehemaligen Absolventin Karoline Klaus, Mitglied des Fördervereins VEFF, nachhaltig geprägt. Das betonte sie auch am Dienstagvormittag zu 20 Jahren "Schule für Erwachsene - Osthessen" auf der Bühne.
Der Festakt in der Daimler-Benz-Straße in Fulda beinhaltete einen detaillierten Rückblick in die Schulgeschichte von Thomas Bös, früherem Schulleiter, und Michael Friedrich, langjährigem Leiter der Volkshochschule des Landkreises - jetzt ebenfalls im Ruhestand. "Die Idee war hauptsächlich, die Lücke in nordosthessischen Regionen zu schließen", erklärten die beiden. Klaus Rampold, Leiter der Volkshochschule Bad Hersfeld, fungierte dabei als "Erfinder" und sorgte für den ersten Standort in Bad Hersfeld. Nach zahlreichen Abendkursen wurde dann klar: Das muss ein eigenes Schulkonzept werden. So folgte nach Bad Hersfeld schließlich auch der Standort in Fulda.
Individualität steht an erster Stelle
Erwachsene können hier Schulabschlüsse nachholen - von Hauptschulabschluss über den Realschulabschluss und die Fachhochschulreife bis hin zum Abitur - sowie berufliche und persönliche Perspektiven gewinnen. Das lobte auch Timo List, Referatsleiter im Hessischen Kultusministerium, in seiner Ansprache: "Bildung darf nicht auf die ersten Lebensjahre und auf einen geradlinigen Weg beschränkt sein. Jeder Lebensweg verläuft unterschiedlich - seien es persönliche oder familiäre Umstände, berufliche Entscheidungen oder neue Ziele. Als das kann dazu führen, dass ein Schulabschluss generell oder ein höherer Abschluss erst später in den Mittelpunkt rückt." So sei es für ihn besonders entscheidend, dass Menschen auch dann die Möglichkeit bekommen, ihre Bildung weiter voranzubringen. "Lernen ist keine Frage des Alters"
Schließlich trat Karoline Klaus nach vorne - als ehemalige Schülerin und jetziges Mitglied des Fördervereins VEFF kennt sie die Schule von beiden Seiten - und hat die Entscheidung für ihren nachgeholten Abschluss nie bereut. "Das hier ist nicht nur ein Gebäude - hier treffen Menschen mit unterschiedlichen Geschichten aufeinander. Die Schule verändert wirklich etwas im Leben, denn Lernen ist keine Frage des Alters." Auch für die Schule selbst haben die Absolventen einen hohen Stellenwert, weshalb die Ehrung ehemaliger Schüler mehr als verdient war. Einen Blick in die Gegenwart richtete abschließend Dr. Bernd Wiegand, Oberstudiendirektor und Schulleiter der "Schule für Erwachsene - Osthessen". Unter dem Motto "Unentgeltlich - aber nicht umsonst!" machte er deutlich, dass das Angebot zwar kostenfrei sei, die Studierenden jedoch eine wichtige Investition leisten: Zeit, Engagement und die Bereitschaft, die eigene Zukunft aktiv zu gestalten. Diese Investition lohne sich nicht nur für den Einzelnen, sondern strahle weit darüber hinaus - persönliche Entwicklung treffe berufliche Perspektiven, und beides wirke in Familien, Betrieben und in die gesamte Region hinein.