Kommentar von Hans-Hubertus Braune
SG Barockstadt muss nun liefern: Reicht es, den Trainer rauszuschmeißen?
Daniyel Cimen musste den Platz als Chefcoach der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz räumen
Archivbilder: O|N/Martin Engel und Carina Jirsch
29.09.2026 / FULDA -
Es sind die "normalen" Mechanismen, die im Fußball zur Anwendung kommen, wenn es nicht rund läuft: Die klare 1:5-Klatsche am Samstag beim Aufsteiger VfR Mannheim hat die Verantwortlichen der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz dazu gezwungen, sportlich etwas zu verändern.
Der aktuell Tabellenvorletzte der Fußball-Regionalliga Südwest hat das getan, was das Schlusslicht SSV Ulm 1846 weniger Stunden zuvor auch getan hat: den Trainer entlassen. In Ulm hat es zudem Sportdirektor Murat Isik und Cheftrainer Daniel Jungwirth erwischt.
Bei beiden Klubs äußern sich die Führungskräfte wie in solchen Fällen üblich: Sie müssen einen Impuls setzen, haben sich die Entscheidung nicht leichtgemacht und danken dem ehemaligen Trainer. Was sollen sie auch anders sagen? Schauen wir auf die SGB: Daniyel Cimen war ziemlich genau zwei Jahre der Chef an der Seitenlinie, hat sich viel Respekt und Anerkennung erarbeitet. Seine freundliche, zuvorkommende Art bleibt im Gedächtnis. Ihm kann man sicher nicht vorwerfen, er hätte nicht alles probiert. Doch die Personalentscheidung hat sich angedeutet. Irgendwie ist schon die gesamte Saison der Wurm drin.
Reicht der Kader für die Regionalliga?
In der Vorbereitung tat sich das Team auch gegen klassentiefere Mannschaften schwer, gewann das erste Saisonspiel in Trier dann aber mit 1:0. Das war allerdings der bislang einzige Sieg. Es folgten knappe Niederlagen, zwei Unentschieden und immer war das Muster ähnlich. Kein großer Unterschied zum jeweiligen Kontrahenten, individuelle Fehler und die Ausgeglichenheit der Liga wurden als Gründe angeführt. Durchaus nachvollziehbar. Aber reicht das für die Regionalliga? Reicht der Kader für die Regionalliga?
Allen war klar, dass es eine immense Herausforderung wird, in dieser Liga mit vielen klangvollen Namen und vor allem wesentlich höheren Etas. Den Verantwortlichen in Osthessen sind finanziell die Hände gebunden. Sie können nicht auf dem Spielermarkt agieren, wie es andere Vereine selbst in dieser vierten Liga machen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Es geht nur mit Gemeinschaft, Zusammenhalt, mit positivem Willen und der daraus resultierenden Energie. Natürlich sind in erster Linie die Spieler auf dem Platz gefragt. Sie haben den Anspruch, Regionalliga zu spielen. Es reicht nicht, den Trainer zu entlassen, und zu glauben, nun wird alles automatisch gut. Dann geht es geradeaus in die Hessenliga. Ärmel hochkrempeln ist angesagt. Auf und neben dem Platz.
Personalentscheidung ein Weckruf?
Vielleicht ist die Personalentscheidung auch ein Weckruf: Alle müssen ein paar Prozentpunkte mehr geben. Schließlich ist höherklassiger Fußball auch ein Markenzeichen für die Stadt, für die Region. Und im Nachwuchs gehört die SGB sowieso zu den Topteams in Hessen. Die U15 gastiert am Sonntag beim VfB Stuttgart - zu einem Meisterschaftsspiel.
Wie es nun bei der ersten Mannschaft weitergeht? Co-Trainer Yasin Kocatepe hat diese Woche das Training interimsweise übernommen. Die bisher übliche Spieltagspressekonferenz im Onlineformat am Mittwochvormittag fällt aus. Dafür lädt der Verein am Donnerstag zu einer Pressekonferenz in Präsenz ein. Ob dort ein neuer Chefcoach vorgestellt wird? Die Spatzen pfeifen schon den einen oder anderen Namen von den Dächern. Auch das ist in Ulm nichts anderes. Hoffen wir, dass sich die SGB aus dem Tief befreien kann. Verdient haben es alle, die sich mit der SGB verbunden fühlen und engagieren. (Hans-Hubertus Braune) +++