✕

Finanzielle Dimension hat sich verändert

Kindergarten-Neubau: CDU fordert angesichts neuer Zahlen Neubewertung

Die Diskussion um den geplanten Neubau des Kindergartens in Lautertal bekommt durch die nun vorliegenden Zahlen neuen Zündstoff.
Fotos: CDU Lautertal

27.09.2026 / LAUTERTAL - Die Diskussion um den geplanten Neubau des Kindergartens in Lautertal bekommt durch die nun vorliegenden Zahlen neuen Zündstoff. Während die Gemeindevertretung im November 2025 auf Basis der damaligen Kostenschätzungen grünes Licht gegeben hatte, zeigt die aktuelle Finanzierungsbetrachtung ein deutlich anderes Bild: Rund 7,5 Millionen Euro müssten demnach gestemmt werden.



Für die CDU‑Fraktion ist klar, dass die Entscheidung unter diesen Voraussetzungen nicht einfach fortgeschrieben werden kann. Angesichts der neuen Zahlen müsse die damalige Beschlusslage erneut geprüft und bewertet werden – eine Rückkehr an den Anfang der Debatte scheint damit unausweichlich.

Ursprüngliche Berechnung mit erheblicher Förderung

Die CDU hatte dem Neubau im November 2025 einstimmig zugestimmt. Grundlage war seinerzeit eine Kostenschätzung von rund 3,1 Millionen Euro. Die damals ebenfalls betrachtete Variante einer Sanierung und Erweiterung des bestehenden Kindergartens lag nach den vorliegenden Berechnungen in einer vergleichbaren Größenordnung und wurde lediglich mit rund 200.000 Euro höheren Kosten dargestellt.

In die damalige Betrachtung des Neubaus floss zudem ein angenommener Landeszuschuss von rund 1,41 Millionen Euro beziehungsweise 30 Prozent der förderfähigen Kosten ein. Zwischenzeitlich hat sich herausgestellt, dass diese Förderannahme nicht durch einen verbindlichen Förderbescheid abgesichert war. "Wir haben der damaligen Entscheidung auf Grundlage der Zahlen zugestimmt, die uns seinerzeit vorgelegt wurden. Wenn sich die finanzielle Größenordnung inzwischen so deutlich verändert hat, muss auch die Entscheidungsgrundlage erneut betrachtet werden.", erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Patrick Heil.

Bereits im Herbst 2025 hatte die CDU im Haupt- und Finanzausschuss angeregt, den bestehenden Kindergarten durch eine detaillierte architektonische Untersuchung hinsichtlich Sanierung und möglicher Erweiterung prüfen zu lassen. Diese Forderung wurde seinerzeit durch die SPD nicht mitgetragen. Aus Sicht der CDU wurde deshalb die Möglichkeit der Sanierung des Altbestandes nicht in der erforderlichen Tiefe untersucht. "Bei uns ist der Eindruck entstanden, dass die Sanierung des Bestandsgebäudes nicht mit derselben Konsequenz untersucht wurde wie der Neubau. Deshalb brauchen wir jetzt eine wirklich ergebnisoffene Betrachtung und belastbare Zahlen.", sagt Nadine Ruppel, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion und Mitglied im Kindergartenausschuss.

Die CDU betont zugleich, dass sie ausdrücklich für eine hochwertige und zukunftsfähige Betreuung der Kinder in Lautertal steht und eine gute bauliche Lösung für die Kinder, die Beschäftigten und die Familien unterstützt. "Wir wollen für unsere Kinder eine moderne, hochwertige und zukunftsfähige Kindertagesstätte. Das steht für uns außer Frage. Aber eine gute Lösung muss auch langfristig finanzierbar sein. Beides gehört zusammen.", betont Nadine Ruppel.

Hinzu kommt die Frage, welche Auswirkungen die Finanzierung des Kindergartenneubaus auf die übrigen Aufgaben der Gemeinde hat. Nach den derzeitigen Planungen soll auch das der Gemeinde aus dem Sondervermögen des Bundes zur Verfügung stehende Geld in das Kindergartenprojekt einfließen. Damit steht dieses Geld für andere dringend erforderliche Investitionen nicht mehr zur Verfügung. Dazu zählen aus Sicht der CDU unter anderem marode Straßen, die Sanierung von Hochbehältern und Trinkwasserleitungen, mögliche Investitionen in Kläranlagen sowie weitere Maßnahmen zur Erhaltung der kommunalen Infrastruktur.

"Lautertal hat nicht nur beim Kindergarten einen erheblichen Investitionsbedarf. Wir müssen deshalb darauf achten, dass wir mit einer einzelnen Großinvestition nicht gleichzeitig den finanziellen Spielraum für Straßen, Wasser, Abwasser und andere notwendige Infrastrukturmaßnahmen verlieren.", so Heil. Die Finanzierungssumme von rund 7,5 Millionen Euro bildet zudem noch nicht die vollständige finanzielle Belastung ab. Über eine Laufzeit von 30 Jahren kommen Finanzierungskosten und Zinsen hinzu. Je nach tatsächlichem Zinssatz kann sich daraus eine Gesamtzahlung von deutlich über 10 Millionen Euro ergeben; bei einem Zinssatz von 3,5 Prozent läge sie bereits bei mehr als 12 Millionen Euro.

Gleichzeitig ist nach der derzeit im Raum stehenden Berechnung mit einer zusätzlichen Belastung des Gemeindehaushalts von durchschnittlich rund 450.000 Euro jährlich zu rechnen. Rechnerisch entspricht diese Summe bei der Einwohnerzahl Lautertals mehr als 200 Euro je Einwohner und Jahr. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine konkrete zusätzliche Grundsteuer pro Person, sondern um die Größenordnung, die jährlich zusätzlich im Gemeindehaushalt erwirtschaftet werden müsste.

Sollten sich keine weiteren Finanzierungsmöglichkeiten, Fördermittel oder zusätzlichen Einnahmequellen erschließen, dürfte dies den Druck auf die kommunalen Steuern erheblich erhöhen. Eine weitere deutliche Anhebung der Grundsteuer wäre dann zu erwarten; eine mehr als doppelte Belastung gegenüber dem heutigen Niveau kann für die kommenden Jahre nicht ausgeschlossen werden. Auch das SPD-Wahlprogramm zur Kommunalwahl 2026 stellt einen Zusammenhang zwischen dem Kindergartenneubau und künftigen Einnahmen aus der Windkraft her. Dort wird ausgeführt, dass ein großer Teil der Kosten durch Einnahmen aus dem geplanten Repowering von Windkraftanlagen gedeckt werden solle. Zugleich wird von spürbaren Einnahmen für die Gemeinde ab 2030 ausgegangen.

Die CDU hält es für erforderlich, solche erwarteten Einnahmen bei einer langfristigen Finanzierung entsprechend vorsichtig zu bewerten. Windkraftprojekte müssen zunächst genehmigt und tatsächlich realisiert werden; zudem können sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern. "Künftige Einnahmen aus Windkraft können für Lautertal eine wichtige Einnahmequelle sein. Sie dürfen aber nicht die einzige Grundlage dafür sein, eine langfristige finanzielle Verpflichtung einzugehen. Wir brauchen eine Finanzierung, die auch dann tragfähig bleibt, wenn sich einzelne Einnahmeerwartungen anders entwickeln als heute angenommen.", erklärt Heil.

Für die CDU steht damit fest: Eine hochwertige Lösung für die Kinder ist notwendig – gleichzeitig muss Lautertal finanziell handlungsfähig bleiben. Die Gemeinde muss auch in den kommenden Jahrzehnten in der Lage sein, die Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorg zu bedienen. "Bei einer Finanzierungssumme von rund 7,5 Millionen Euro sprechen wir nicht nur über 7,5 Millionen Euro. Durch Zinsen und weitere Finanzierungskosten wird daraus über 30 Jahre eine Gesamtbelastung von deutlich über 10 Millionen Euro. Gleichzeitig brauchen wir in Lautertal weiterhin Geld für Straßen, Wasser, Abwasser und andere Infrastruktur. Wir müssen deshalb sehr genau hinschauen, wie wir unsere finanziellen Spielräume über Jahrzehnte binden.", fasst Patrick Heil die Position der CDU zusammen.

Die CDU sieht daher die Notwendigkeit, die verschiedenen Möglichkeiten auf Grundlage aktueller, belastbarer und miteinander vergleichbarer Zahlen zu betrachten. Es gehe nicht darum, eine hochwertige Lösung für die Kinder infrage zu stellen, sondern darum, diese qualitativ und finanziell nachhaltig für die Gemeinde zu gestalten.

X