800 Anrufe innerhalb einer Stunde
Unwetterchaos zeigte Herausforderungen - jetzt soll "Kein Notfall" 112 freihalten
Fotos: Andreas Bejm
23.09.2026 / GELNHAUSEN -
800 Anrufe innerhalb einer Stunde, 321 Einsätze und eine Leitstelle, in der trotzdem jederzeit ein lebensbedrohlicher Notfall eingehen kann. Eine schwere Unwetterlage im Juli 2024 hat gezeigt, vor welchen Herausforderungen die Einsatzkräfte im Main-Kinzig-Kreis bei solchen Ereignissen stehen. Mit der neuen Software "Kein Notfall" soll die Leitstelle künftig deutlich entlastet werden.
Die Idee dahinter ist einfach: Nicht jeder Feuerwehreinsatz ist gleichzeitig ein Fall für die 112. Ein umgestürzter Baum auf einem Radweg, eine überflutete Straße oder ein hochgedrückter Gullydeckel müssen möglicherweise beseitigt werden. Besteht jedoch keine unmittelbare Gefahr für Menschen, sollen solche Meldungen bei größeren Schadenslagen künftig digital übermittelt werden können.
Bestimmung der Einsatz-Prioritäten
Bei einer entsprechenden Warnlage kann das Portal "Kein Notfall" für das betroffene Gebiet freigeschaltet werden. Eine zusätzliche App benötigen die Bürger nicht. Das System funktioniert direkt über den Browser des Smartphones. Wer einen Schaden meldet, übermittelt dabei auch ein Foto. Standortdaten oder eine angegebene Adresse sorgen dafür, dass die Leitstelle weiß, wo sich das Ereignis befindet. Das Bild ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Die Disponenten können bereits vom Arbeitsplatz aus einschätzen, was sie vor Ort erwartet. Klare Trennung von hoher Bedeutung
Hintergrund sind die hohen Einsatzzahlen im Kreis. Mehr als 86.000 Rettungsdiensteinsätze und über 5.000 Feuerwehreinsätze wurden im vergangenen Jahr registriert. Gerade bei Unwetterlagen kommt innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl zusätzlicher Hilfeersuchen hinzu.Die Software selbst entstand bereits vor einigen Jahren aus vergleichbaren Erfahrungen im Oldenburger Land. Dort stellte sich bei Sturm und Hochwasser ebenfalls die Frage, wie sich Notrufleitungen von weniger dringenden Meldungen entlasten lassen. Nach Entwicklung und Tests wurde das System 2022 in Betrieb genommen. Inzwischen wird es auch in weiteren Regionen eingesetzt.