Musikalisches Erbe neu entdeckt
Ausstellung und Konzert: Stadt würdigt Hofkapellmeister Giovanni Battista Pauli
Fotos: HLSB Fulda
23.09.2026 / FULDA -
In feierlichem Rahmen wurde Fulda ein Stück seiner Musikgeschichte zurückgegeben: Mit neuen Erkenntnissen über das Wirken des Hofkapellmeisters Giovanni Battista Pauli und einem Programm aus Cembalo, Geige und Gesang erinnerten Musiker und Fachleute an den bedeutenden Künstler des 18. Jahrhunderts. Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Bischöflichen Kirchenmusikinstitut und fand in der Hochschul‑, Landes‑ und Stadtbibliothek (HLSB) statt – ein Ort, der dem historischen Thema einen passenden Rahmen bot.
Bei seiner Begrüßung dankte Alexander Maul, Leiter der Abteilung Kulturerbe und Kulturgutschutz in der HLSB, allen Kollegen, die an der Planung und Durchführung der Veranstaltung sowie vor allem an der Umsetzung der Sonderausstellung "Sammlung und Transfer von musikalischem Wissen im barocken Fulda" beteiligt waren. Sein besonderer Dank galt Ulrich Moormann, der als Regionalkantor die Idee zu dieser Kooperation hatte und maßgeblich die Ausstellung konzipierte. Gastredner war der aus Fulda stammende Musikpädagoge Harald Kraus, der am Wirsberg-Gymnasium in Würzburg tätig ist.
Er hat sich in der Vergangenheit mehrfach mit Pauli beschäftigt. So war es für ihn ein Leichtes, das anwesende Publikum mit seiner unterhaltsamen Art zu fesseln und teils komplexe musikalische Zusammenhänge verständlich darzustellen. Kraus stellte hierbei die These auf, dass der gebürtig aus Rom stammende Giovanni Battista Pauli von Fürstabt Constantin von Buttlar um 1720 nach Fulda geholt wurde, da dieser anlässlich seiner Bestrebungen, Fulda in den Rang eines Bistums erheben zu lassen, in vielen Bereichen seine Hofhaltung ausbaute. So wurden ab dem Jahr 1720 systematisch Instrumente und Noten für Fulda angeschafft. Gleichwohl erfolgte die Erhebung zum Bistum erst 1752.
Bemerkenswerter Transfer eines musikalischen Meisterwerks
Harald Kraus konnte anhand entsprechender Rechnungen aufzeigen, dass Pauli mit einem Jahresgehalt von 250 Gulden eine stattliche Vergütung erhielt. Anhand zweier unlängst entdeckter Briefe wurde der Beginn der Hofmusik unter Constantin von Buttlar und Adolph von Dalberg aufgezeigt. Pauli hatte zeitlebens weiter gute Kontakte nach Italien und war mit wichtigen Personen seiner Zeit vernetzt.Für den musikalischen Rahmen sorgte am Cembalo Vittorio Vanini, der Regionalkantor des Bistums Fulda für Hanau. Harald Kraus musizierte selber Ausschnitte aus Paulis Kantate "Goder potremo", dem einzigen noch erhaltenen Werk neben seiner Messe von 1728. Im Anschluss wurde die Ausstellung, in der auch der Erstdruck des "Musikalischen Opfers" zu sehen ist, feierlich eröffnet. Neben Pauli, Martini und Bach werden in der Ausstellung auch die beiden in Fulda tätigen Johann Heinrich Fischer und Fructuosus Röder beleuchtet, die ebenfalls an der Rezeption des Protestanten Bach im katholischen Fulda eine Rolle spielten. Die Ausstellung ist noch bis zum 09. Oktober in der HLSB Fulda am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz zu sehen. (mis/pm) +++