Hohe Erwartungen, hohes Niveau

Galakonzert in der Konzerthalle begeisterte mehr als 800 Gäste

Von der Schweiz bis Italien: Galakonzert reißt Publikum mit.
Fotos: Privat

21.09.2026 / BAD ORB - Drei Blicke in den Theatersaal der Konzerthalle Bad Orb, ein Bild: Strahlende Musikerinnen und Musikern mit glänzenden Instrumenten, die Musik wippend, federnd, fast tanzend zelebrierende Dirigenten, vollbesetzte Stuhlreihen mit hingerissenen Gästen. Das Galakonzert im Rahmen des Blasmusikfestivals sorgte am zurückliegenden Samstag für Entzücken.



Dreieinhalb Stunden feuerten die beiden Orchester Sinfonics St. Gallen (Schweiz) und Filarmonica Sestrese Genua (Italien), die das abendliche Programm bestritten, ein Feuerwerk unterhaltsamer, anspruchsvoller, herausragender Stücke ab. Hohe Erwartungen und ein hohes Niveau gaben sich dabei die Hand. Mit auf der Bühne und sogar am Taktstock: Dirigent Jacob de Haan. Zum achten Mal innerhalb der zurückliegenden 16 Jahre übernahm er die Schirmherrschaft für das "Festival für die Jugend". "Du feierst mit uns, Du isst und trinkst mit uns, Du bist einer von uns", wie Moderator Elmar Egold – als Mitbegründer unter dem Spitznamen "Papa des Blasmusikfestivals" bekannt - unter dem stürmischen Applaus der Gäste lobte.

Junges Orchester begeistert zum Auftakt

Angekündigt von Egold, der gleich eingangs von "einem Galakonzert der Extraklasse" sprach, sorgten die Jugendblasmusiker aus St. Gallen unter der Leitung von Michael Wachter für den Auftakt des dreieinhalbstündigen Konzerts. Der Auftritt der 50 jungen Musikerinnen und Musiker, die in Harmoniebesetzung spielten, verband symphonische Blasmusik mit traditionellem Schweizer Trommeln und Majoretten-Choreografien. Die Spielfreude und Leidenschaft der jungen Musikerinnen und Musiker war spürbar, das Programm kombinierte Tradition und Moderne und sorgte immer wieder für Jubel und Begeisterungsstürme im voll besetzten Saal.

Den Startschuss setzte die "Elegy I "Jealousy", die nach dem gleichnamigen Gedicht von John Donne benannt wurde, wie Egold in seinen Zwischenmoderationen wissen ließ. Neben dem Gedicht wurde Jacob de Haan zu seinem Konzertwerk auch von Edvard Munchs Gemälde "Eifersucht" inspiriert. Ein anspruchsvolles Konzertwerk, das unter "Schwierigkeitsstufe 5" als sehr schwierig gilt. "Ich bin so stolz auf mein Orchester", zeigte sich Michael Wachter nach dem Stück unter dem Jubel, dem Johlen und dem Pfeiforchester der Gästeschar regelrecht bewegt und begeistert, der das Spielen des Werks mit dem Besteigen eines Achttausenders verglich und seinen Kollegen zurief: "Wagen Sie es. Wagen Sie. Es könnte auch in die Hose gehen. Aber wenn es dann gelingt, ist es wunderbar."

Wachter, der sich der Weiterbildung verschrieben hat, ist seit 30 Jahren Trompetenlehrer an der Musikschule St. Gallen und Bürge für einen hohen Leistungsstand.

Schweizer Präzision begeistert das Publikum

"Wunderbar", lautete auch das Urteil der Musikliebhaber im Saal zu den Auftritten der Tambouren der Jugendmusik Sinfonics St.Gallen unter Leitung von Urs Brunschwiler, selbst Mitglied der Tambourenformation der Swiss Army Central Band. Diese verbinden traditionelle Trommelmusik mit moderner Perkussion. Traditionelle Trommelkompositionen und moderne Perkussions-Vorträge wechselten sich auch am Samstag bei den wiederholten Darbietungen ab. Die Trommler, von Egold für ihre Präzision "wie ein Schweizer Uhrwerk" gelobt, begleiten die Blasmusiker bei allen Konzerten – ebenso wie die Majoretten mit ihrem Stabtanz unter Leitung von Chava Diem.

Von Musik aus dem Bereich Popmusik wie "No Roots" bis zum vielfach oskarprämierten "Under the sea" und dem Medley "Moment for Morricone", das fünf Themen aus den Italo-Western "Zwei glorreiche Halunken" und "Spiel mir das Lied vom Tod" verbindet, reichte das Repertoire der Schweizer Gäste, das mit dem 200 Jahre alten Schweizer Abendlied "Lueget, vo Bärgen und Tal" eine pompöse Zugabe erfuhr – das Schwenken der Vereinsfahne und der Aufmarsch aller Beteiligten inclusive. "Ein Gefühl, als würde man tatsächlich in der Schweiz auf einem Berg sitzen", wie eine Besucherin begeistert lobte. Stehender Beifall dankte den Musikern. Das dürfte nicht nur den Präsident der Jugendmusik, Flurin Cavelti, den Egold kurz auf der Bühne begrüßen durfte, bewegt haben. Bewegt war sicher auch die Oboistin Naomi Matt, der aus rund 900 Kehlen ein Geburtstagsständchen gesungen wurde. Dass Dirigent Wachter ihr seinen Blumenstrauß weiterreichte – für ihn offenbar Ehrensache.

Italienische Klangkunst begeistert das Publikum

Eine Ehrensache war es offenkundig auch für die Filarmonica Sestrese, wieder in Bad Orb mit dabei zu sein. Das traditionsreiche Orchester aus Genua kommt seit 31 Jahren zum Festival und bereicherte in diesem Jahr zum 13. Mal das Galakonzert – entsprechend viele Gäste waren mit dem hochkarätigen Sortiment "von Klassik bis symphonischer Blasmusik, Pop und Jazz zum Feinsten" bereits vertraut. Die Filarmonica Sestrese zählt zu den ältesten und renommiertesten Musikinstitutionen Italiens, das Orchester konzertierte in Bad Orb unter der Leitung des künstlerischen und musikalischen Leiters Maestro Matteo Bariani und wurde von den Gesangssolistinnen Marta Pennasilico und Elisabetta Isola begleitet. Dass bei der Qualität der Darbietungen die Frage laut wurde, ob das tatsächlich noch ein Laienorchester sei – eine verständliche Frage.

Da die Musiker sich hier jedoch im Verein engagieren, obwohl viele von ihnen tatsächlich auch beruflich Musiker sind, ist die Bezeichnung weiter korrekt. "Großartige Musik, die nur von einem großartigen Orchester gespielt werden kann", kündigte Egold das erste Stück an: Das spannungsgeladene "I vespri siciliani", dessen Aufführung am Samstag Egolds verstorbenem Bruder Peter gewidmet wurde. Die Bandbreite der präsentierten Stücke reichte in der Folge vom mitreißenden "Spain" bis hin zum fröhlich-hoffnungsvollen "Don´t you worry ´bout a thing" von Stevie Wonder. Beachtlich zudem: Viele der Arrangements wurden von Musikern geschrieben, die am Konzertabend mit auf der Bühne saßen. Für "Now´s the fucking time" von Kill Bill erarbeitete Gianpiero Lo Bello das Arrangement, "This is me" von "The greatest showman" wurde von Matteo Bariani arrangiert. "Spain" kam in einem Arrangement von Luca Ottonello auf die Bühne, und "Don´t you worry ´bout a thing" bearbeitete Matteo Bazzano.

Große Stimmen und große Gefühle

Farbtupfer brachte das fliederfarbene Kleid von Elisabetta Isola ins Bild, die den Sologesang zu "Now´s the fucking time" übernahm und dafür stürmischen Beifall erntete. Als Solistin auf der Bühne war zudem Marta Pennasilico, die alle mitriss mit "This is me" und – unterstützt von drei Background-Sängerinnen - "Don´t you worry ´bout a thing".

Als besonderes Highlight ergriff wie in den Vorjahren Jacob de Haan selbst zu einer seiner Kompositionen den Taktstock: "The fairy tail king" handelt von der historischen Figur Ludwig II., dem bayerischen "Märchenkönig". Und da dieser, wie de Haan zu berichten wusste, "ganz vernarrt in Richard Wagner" war, kombinierte er in diesem Konzertwerk märchenhafte Klänge mit dramatischen Passagen, in die auch Motive aus der Oper "Lohengrin" einflossen.

Mit dem energiegeladenen "Jazz-Police" als umjubelte Zugabe, mit zahlreichen Blumensträußen, mit stehenden Ovationen, mit der Mitteilung von der Turnvereinsvorsitzenden Lara Bangert, dass die Gäste aus Genua Sieger im Wettbewerb am Abend der Nationen wurden, endete der Abend in der Konzerthalle. Aber nicht der Abend für die Musiker: Jetzt ging es weiter ins Zelt, Schlafen war an diesem Wochenende kein Programmpunkt. Blasmusikfestival ist schließlich nur einmal – und das auch nur alle zwei Jahre. (js/pm)+++



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