O|N-Arzt Adrian Böhm klärt auf

Nach Malaria-Fällen: Müssen auch Ärzte bei unklarem Fieber umdenken?

Malaria ist eine Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht wird
Symbolbild: Pixabay

22.09.2026 / REGION - "Wenn du hinter dir Hufgetrappel hörst, erwarte ein Pferd und kein Zebra." Diese alte Weisheit ist in der Medizin weit verbreitet. Sie soll verdeutlichen, dass hinter Beschwerden meistens häufige Erkrankungen stecken und nicht die exotische Diagnose aus dem Lehrbuch. Doch manchmal steht eben doch ein Zebra vor der Tür.



Wie die BILD-Zeitung am Donnerstag berichtete, gibt es im Umfeld des Frankfurter Flughafens mittlerweile drei Todesfälle im Zusammenhang mit Malaria. Die aktuellen Ereignisse werfen daher eine Frage auf: Müssen auch Ärztinnen und Ärzte in Osthessen bei unklarem Fieber umdenken?

Malaria ist eine Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht und in der Regel durch den Stich weiblicher Anopheles-Mücken übertragen wird. Weltweit gehört Malaria zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten. Besonders gefürchtet ist die Malaria tropica, die überwiegend durch Plasmodium falciparum verursacht wird und unbehandelt innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich verlaufen kann. Daneben gibt es weitere Formen wie die Malaria tertiana und die Malaria quartana.

Die Reiseanamnese spielt bei der ärztlichen Abklärung von Fieber deshalb traditionell eine wichtige Rolle. Ärztinnen und Ärzte sollten bei unklarem Fieber immer auch nach Aufenthalten in Malaria-Endemiegebieten fragen. Die aktuellen Fälle aus Frankfurt zeigen allerdings, dass eine Fernreise nicht zwingend Voraussetzung für eine Malariaerkrankung sein muss. Sehr selten können infizierte Mücken beispielsweise mit Flugzeugen oder im Reisegepäck nach Deutschland gelangen. Man spricht dann von Flughafen- beziehungsweise "Airport-Malaria" oder von sogenannter Koffermalaria. Genau dieses Szenario wird derzeit im Umfeld des Frankfurter Flughafens untersucht.

Bei den aktuellen Infektionsfällen wurde Plasmodium falciparum nachgewiesen. Zwei Erkrankte aus Frankfurt-Schwanheim hatten zuvor weder ein Malaria-Endemiegebiet bereist noch am Flughafen gearbeitet. Wie genau sie sich infiziert haben, ist bislang nicht abschließend geklärt. Das Frankfurter Gesundheitsamt hat Ärztinnen und Ärzte deshalb dazu aufgerufen, bei unklarem Fieber eine Malaria auch ohne entsprechende Reiseanamnese in Betracht zu ziehen. Insbesondere bei Menschen, die am Flughafen oder in dessen Umgebung arbeiten, oder dort wohnen muss nun Malaria als Differenzialdiagnose mit abgeklärt werden.

Landkreis Fulda gibt auf Anfrage von OSTHESSEN|NEWS Entwarnung

Für Osthessen besteht derzeit allerdings kein Grund zur Beunruhigung. Der Landkreis Fulda bewertet die Situation aktuell als unkritisch. Auch in der Region werden zwar immer wieder einzelne Malariafälle diagnostiziert: Im Landkreis Fulda waren es 2023 ein Fall, 2024 drei und 2025 zwei Fälle. Nach Angaben des Landkreises standen diese Erkrankungen jedoch ausnahmslos mit Auslandsreisen in Verbindung. Mit den aktuellen Frankfurter Fällen in Verbindung stehende Erkrankungen sind in Osthessen bislang nicht bekannt. Der Nachweis von Plasmodien ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Seit Juli 2023 erfolgt die Meldung namentlich an das zuständige Gesundheitsamt.

Die Herausforderung besteht deshalb weniger darin, nun hinter jedem Fieber eine Malaria zu vermuten. Vielmehr müssen seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen im richtigen Moment mitgedacht werden. Gerade die Malaria tropica kann sich zunächst mit vergleichsweise unspezifischen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeinem Krankheitsgefühl bemerkbar machen und sich anschließend rasch verschlechtern. Bei entsprechendem Verdacht sind deshalb eine schnelle Diagnostik und Behandlung entscheidend.

Dass durch Mücken übertragene Erkrankungen auch in Deutschland grundsätzlich möglich sind, ist dabei nicht neu. Malaria kam bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland vor. Noch heute existieren hier Anopheles-Arten, die unter geeigneten Bedingungen Plasmodien übertragen können. Steigende Temperaturen können die Bedingungen für die Entwicklung und Übertragung bestimmter mückenübertragener Krankheitserreger grundsätzlich begünstigen. Die derzeitigen Frankfurter Malariafälle sind jedoch kein Beleg dafür, dass sich Malaria aufgrund des Klimawandels nun dauerhaft in Deutschland etabliert.

Die aktuellen Ereignisse erinnern vielmehr daran, dass Krankheitserreger in einer global vernetzten Welt große Entfernungen innerhalb weniger Stunden überwinden können. Und mit den Mücken kann manchmal ihr Überträger zum unerwünschten blinden Passagier werden. Eine infizierte Mücke kann theoretisch mit einem Flugzeug oder im Reisegepäck aus einem Malariagebiet nach Deutschland gelangen. Auch wenn das Risiko für die Bevölkerung weiterhin sehr gering ist, kann deshalb aus einem vermeintlich exotischen "Zebra" plötzlich eine Diagnose werden, die auch Ärztinnen und Ärzte in Osthessen im Hinterkopf behalten sollten. (Dr. med. Adrian Böhm) +++

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