"Dann kam der riesige Knall"

Nach Brand im Istanbul Grill Haus: Fatih Polat spricht über Neuanfang

Innerhalb weniger Augenblicke wird aus einem gewöhnlichen Tag im Istanbul Grill Haus in der Alten Ziegelei in Petersberg. Fatih Polat ist selbst im Restaurant, als das Ende August Feuer ausbricht.
Fotos: Mathias Schmidt

21.09.2026 / PETERSBERG - "Ein Funke hat gereicht, dann plötzlich Flammen. Als wir den Knall gehört haben, wussten wir: Jetzt ist etwas Schlimmes passiert." Innerhalb weniger Augenblicke wird aus einem gewöhnlichen Tag im Istanbul Grill Haus in der Alten Ziegelei in Petersberg (Landkreis Fulda) eine Katastrophe. Geschäftsführer Fatih Polat ist selbst im Restaurant, als das Ende August Feuer ausbricht (OSTHESSEN|NEWS berichtete damals). Er und sein Cousin tun alles, um die Flammen einzudämmen.



Heute steht der 34-Jährige wieder an genau diesem Ort. Doch wo normalerweise Fleisch auf dem Holzkohlengrill brutzelt, Bestellungen durch die Küche gerufen werden und Gäste ein und aus gehen, herrscht Stille. Die Spuren des Brandes sind deutlich sichtbar. Mit OSTHESSEN|NEWS spricht Polat über die dramatischen Minuten, die Zeit danach - und darüber, wie es mit dem Grillhaus weitergehen soll.

"Ich war hier", erinnert sich Polat. Nach seiner Schilderung nahm das Feuer im Bereich des Holzkohlengrills und der darüberliegenden Abzugshaube seinen Anfang. Eine Stichflamme sei hochgeschlagen und habe die Dunstabzugshaube sofort in Brand gesetzt. Kurz darauf habe es einen gewaltigen Knall gegeben. "In dem Moment haben wir gar nicht überlegt, sondern sind direkt aufs Dach hochgerannt, wo der Abzug ist. Uns war klar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste." Oben angekommen, bestätigt sich die Befürchtung: "Dann haben wir gesehen, wie das Abzugsrohr dort einfach Flammen gespuckt hat."

Polat und sein Cousin greifen zu den Feuerlöschern. Über eine Leiter gelangen sie nach oben aufs Dach und versuchen, das Feuer einzudämmen. Vier oder fünf Löscher setzten sie ein. Doch der Bereich entzündet sich immer wieder. "Das waren die einzigen Hilfsmittel, die wir hatten", sagt der Geschäftsführer. Für ihn steht fest: "Wenn wir nicht oben gewesen wären, wäre das hier ganz bestimmt anders geendet." Kurz darauf treffen die Einsatzkräfte ein und übernehmen die Brandbekämpfung. Die Feuerwehr arbeitet sich zu den betroffenen Bereichen vor und öffnet dafür auch Bauteile. Zwölf Menschen wurden damals wegen des Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung untersucht. Schwer verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Die Spuren des Feuers sind noch überall zu sehen

Heute führt Polat durch die Räume seines Restaurants. Vieles befindet sich noch in dem Zustand, den die Einsatzkräfte hinterlassen haben. In der Küche zeigt er auf den Holzkohlengrill und die Abzugshaube. An Decke und Dach musste sich die Feuerwehr Platz verschaffen, um an die betroffenen Stellen zu gelangen. "Die Einsatzkräfte kämpfen in so einem Moment gegen die Zeit. Da muss es schnell gehen", sagt Polat.

Einfach aufräumen und wieder öffnen, kann er nicht. Sachverständige und Schadensregulierer hätten die Schäden inzwischen begutachtet, Firmen für die anstehenden Arbeiten stünden bereit. Nun wartet Polat auf das endgültige grüne Licht der Versicherung. "Da fehlen noch ein paar Sachen. Ein bisschen Bürokratie - und das kann leider dauern." Wie teuer die Sanierung nach dem Brand am Ende wird, kann er noch nicht beziffern. "Wir reden hier von einem Großschaden." Weite Teile des Restaurants müssten grundlegend erneuert werden. Theken, Bauteile und Inventar seien in Mitleidenschaft gezogen worden, auch am Dach seien voraussichtlich umfangreiche Arbeiten notwendig.

"Wir möchten arbeiten, können es aber nicht"

Doch für Polat geht es nicht nur um den materiellen Schaden. Das Grill Haus ist seine Existenz - und der Arbeitsplatz seiner Mitarbeiter. Seit dem Brand steht der Betrieb still. "Momentan liegt hier alles komplett auf Eis. Wir können nicht arbeiten, obwohl wir arbeiten möchten", sagt er. Seit mehr als zehn Jahren sei er selbstständig und vor allem in der Gastronomie tätig. "Ich bin es nicht gewohnt, daheim auf der faulen Haut zu liegen. Die Arbeit fehlt uns definitiv." Umso mehr bedeutet ihm, dass sein Team trotz der ungewissen Situation zusammenhält. "Ich danke meinen Jungs, dass sie mir auch in dieser Zeit treu bleiben. Das macht nicht jeder." Bislang habe keiner seiner Mitarbeiter wegen der Schließung gekündigt. "Ich hoffe, wir schaffen diese schwere Zeit alle zusammen. Und danach greifen wir wieder an."

Mehr als nur eine Dönerbude

Ursprünglich kommt Polat aus Pforzheim (Nordwesten Baden-Württembergs), seit rund fünf Jahren lebt er in der Region Fulda. Das Istanbul Grill Haus führt er nach einer familieninternen Übergabe seit etwa zwei Jahren. Zuvor hatte sein Bruder den Betrieb. In Petersberg habe man sich etwas aufgebaut und Anerkennung erarbeitet. Wichtig sei ihm dabei, sich mit Qualität und Angebot abzuheben. Drei verschiedene Fleischsorten gehören für ihn beispielsweise dazu, außerdem setzt er nach eigenen Worten auf frische Produkte.

Doch für Polat gehört zu einem guten Gastronomiebetrieb mehr als das Essen auf dem Teller. Es geht ihm auch darum, wie man seinen Gästen begegnet. Wenn bei jemandem das Geld einmal knapp sei, werde nicht auf den letzten Euro geschaut. "Da gucken wir auch mal weg. Oder wir nehmen gar nichts." Schließlich werde er "mit einem Döner" weder reich noch arm. "Da mache ich doch lieber einem Menschen eine Freude."

Stammgäste machen Mut

Seit dem Feuer bekommt Polat viel davon zurück: durch Nachrichten, Kommentare und Zuspruch. Das Istanbul Grill Haus hat sich auch in den sozialen Medien eine Community aufgebaut. Es seien viele "liebe Kommentare" und aufmunternde Worte dabei gewesen - Worte, "die dich auch fit halten". Trotzdem stellt sich irgendwann die Frage, was eine wochenlange Schließung für den Betrieb bedeutet und ob die Gäste zurückkehren. Polat ist zuversichtlich: "Wenn wir in ein oder zwei Monaten wieder aufmachen können, weiß ich, dass es hier gut weitergehen wird." Vielleicht, sagt er mit einem Lächeln, würden sie den Menschen bis dahin sogar ein wenig fehlen - "mit unserem Essen und unserer Qualität".

Alles neu - und eine Überraschung für die Speisekarte

Wann genau die Türen wieder aufgehen, möchte der Geschäftsführer nicht versprechen. "Wenn ich jetzt vorher etwas sagen würde, wäre das gelogen." Nach seiner Einschätzung könne es mindestens noch einen Monat dauern. Entscheidend sei, wann die Freigaben vorliegen und die Sanierung beginnen kann. Fest steht: Wenn das Istanbul Grill Haus wieder öffnet, wird es nicht mehr so aussehen wie vor dem Brand. "Von A bis Z wird hier alles erneuert", kündigt Polat an. Neues Equipment soll kommen, beschädigte Bereiche werden saniert und auch optisch soll sich einiges verändern. Und es gibt eine Überraschung: "Wir haben einiges in Planung", verrät er O|N. Auch die Speisekarte soll erweitert werden. Was genau hinzukommt, will Polat noch nicht verraten. Nur so viel: "Es wird unseren Kunden definitiv schmecken."

Nach Wochen voller Ungewissheit, Versicherungsfragen und Warten richtet sich der Blick damit langsam nach vorne. "Sie sollen sich einfach wieder an das gute Essen bei uns erinnern - und sich auf den Neuanfang freuen", sagt Polat an seine Stammgäste gerichtet. Noch bleibt der Holzkohlengrill kalt, noch warten Polat und sein Team auf den Startschuss für die Sanierung. Doch irgendwann soll wieder das Bild zurückkehren, das viele Stammgäste kennen: Fatih Polat an der Kasse, ein Steakdöner geht über die Theke, dazu ein frisch gezapfter Ayran - und aus der Stille im Istanbul Grill Haus wird wieder der so geschätzte Alltag in der Alten Ziegelei. (Mathias Schmidt) +++

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