Jahreshauptversammlung
Feuerwehr zieht Bilanz: Mehr Mitglieder, 50 Einsätze und offene Worte
Fotos: Feuerwehr Romrod
12.09.2026 / ROMROD -
Nach einem erfolgreichen Stadtfeuerwehrtag kamen die Feuerwehren der Stadt Romrod am Samstag, 5. September 2026, um 17 Uhr zu ihrer gemeinsamen Jahreshauptversammlung im Bürgerhaus Romrod zusammen. Neben den Angehörigen der Einsatzabteilungen, der Ehren und Altersabteilungen sowie der Kinder und Jugendfeuerwehren nahmen zahlreiche Gäste aus Feuerwehr, Politik und Verwaltung an der Versammlung teil.
Stadtbrandinspektor Björn Müller führte durch den Abend. Zu Beginn gedachten die Anwesenden der seit der vergangenen Jahreshauptversammlung verstorbenen Feuerwehrangehörigen. Stellvertretend erinnerte Müller an Klaus Wingefeld, der am 2. Mai 2026 nach schwerer Krankheit verstorben war. Wingefeld war rund 44 Jahre in der Einsatzabteilung aktiv und hatte sich unter anderem auch bei Katastrophenschutzeinsätzen engagiert.
15 Monate voller Aufgaben, Veränderungen und Einsätze
Den gemeinsamen Jahresbericht des Stadtbrandinspektorenteams stellte der 2. stellvertretende Stadtbrandinspektor Volker Schwenzfeier vor. Der Berichtszeitraum umfasste die Zeit vom 1. Juni 2025 bis zum 5. September 2026 und damit die ersten 15 Monate des neu gewählten Führungsteams.Stadtbrandinspektor Björn Müller sowie seine Stellvertreter Steffen Brassel und Volker Schwenzfeier werden bei ihrer Aufgabenverteilung von Kevin Weiß unterstützt. Die Arbeit ist so auf mehrere Schultern verteilt, gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Stadtteilen weiter in den Mittelpunkt gerückt.
Zu den großen Arbeitsschwerpunkten gehörten die Fortschreibung des Bedarfs und Entwicklungsplans, die Überarbeitung der Alarmierungspläne, der Digitalfunk, die Datenpflege in FLORIX und die weitere Zusammenarbeit der fünf Stadtteile.
Feuerwehr besteht aus Menschen
Zum 1. September 2026 waren in den fünf Einsatzabteilungen 134 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner als Hauptmitglieder aktiv. Weitere neun unterstützen die Feuerwehren über eine Zweitmitgliedschaft. Damit konnte gegenüber dem Beginn des Berichtszeitraums ein Zuwachs verzeichnet werden.Trotz dieser positiven Entwicklung wurden auch die Herausforderungen offen angesprochen. Die personelle Situation unterscheidet sich zwischen den einzelnen Stadtteilen deutlich. Besonders die Verfügbarkeit von Feuerwehrangehörigen während des Tages bleibt ein wichtiges Thema.
Gleichzeitig engagieren sich 23 Jugendliche in den Jugendfeuerwehren, zehn Kinder gehören der Kindergruppe an und 67 Kameradinnen und Kameraden sind Mitglieder der Ehren und Altersabteilungen.
Dabei wurde eine Botschaft des Abends immer wieder deutlich: Feuerwehr besteht aus ganz unterschiedlichen Menschen und bietet viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Ob als langjähriger Feuerwehrangehöriger, Quereinsteiger, Jugendbetreuer, Gerätewart, in einem Fachbereich oder als Unterstützer im Hintergrund – die Gemeinschaft lebt davon, dass Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten Verantwortung übernehmen.
Nachwuchsarbeit braucht Menschen, die sie tragen
Einen besonderen Stellenwert nahm deshalb die Nachwuchsarbeit ein. Markus Schwegler, der die Aufgaben des Stadtjugendfeuerwehrwartes bisher kommissarisch als Beauftragter wahrgenommen hatte, berichtete über die Arbeit der Jugendfeuerwehren.Janina Kister gab als Leiterin der Bambini Feuerwehr einen Einblick in die Arbeit mit den jüngsten Feuerwehrmitgliedern. Sie berichtete über die regelmäßigen Treffen und die vielfältige Arbeit mit den Kindern und dankte dabei insbesondere dem Wehrführer von Nieder-Breidenbach für dessen Unterstützung.
Ihr Bericht fand in der Versammlung große Anerkennung. Auch Kreisbrandinspektor Marcell Büttner griff die Kinder und Jugendarbeit später ausdrücklich in seinem Grußwort auf. Die Resonanz auf den Bericht habe gezeigt, welchen Stellenwert diese Arbeit innerhalb der Feuerwehr habe und wie wichtig die entsprechende Anerkennung derjenigen sei, die sie leisten.
Janina Kister neue Stadtjugendfeuerwehrwartin
Passend dazu konnten bei den anschließenden Wahlen wichtige Ämter für die Nachwuchsarbeit neu besetzt werden. Janina Kister wurde einstimmig zur neuen Stadtjugendfeuerwehrwartin gewählt. Bei den Feuerwehren der Stadt Romrod zeigte man sich froh darüber, dieses wichtige Amt wieder regulär und mit einer engagierten Feuerwehrfrau besetzen zu können, die bereits Erfahrung in der Nachwuchsarbeit mitbringt.Für das Amt des stellvertretenden Stadtjugendfeuerwehrwartes kandidierten Johannes Wiegand und Tristan Siebert. Siebert setzte sich mehrheitlich durch und wurde zum neuen stellvertretenden Stadtjugendfeuerwehrwart gewählt. Damit ist die Führung der Stadtjugendfeuerwehr für die kommenden Aufgaben neu aufgestellt.
19 abgeschlossene Lehrgänge – aber auch klare Kritik
Im Berichtszeitraum wurden 19 Lehrgänge und Seminare erfolgreich abgeschlossen. Hinter dieser Zahl stehen zahlreiche Abende, Wochenenden, Vorbereitungsstunden und Prüfungen, die Feuerwehrangehörige zusätzlich zu Beruf, Familie und dem normalen Feuerwehrdienst auf sich nehmen.Schwenzfeier machte deutlich, dass Kritik und Leistungsanforderungen selbstverständlich zur Ausbildung gehören. Menschen, die ihre Freizeit freiwillig in die Feuerwehr und ihre Weiterbildung investieren, hätten aber Anspruch auf einen respektvollen, sachlichen und fairen Umgang. Die deutliche Zustimmung und der langanhaltende Applaus aus der Versammlung zeigten, dass dieses Thema viele Feuerwehrangehörige beschäftigt.
Kreisbrandinspektor Marcell Büttner griff die Kritik in seinem späteren Grußwort ausdrücklich auf. Die Reaktion der Versammlung zeige, dass das Thema tief sitze. Ihm seien die geschilderten Vorgänge bekannt und es habe bereits Gespräche gegeben. Büttner machte deutlich, dass auch ein solcher Umgang nicht seinem Verständnis von Feuerwehr und Ausbildung entspreche und kündigte an, entsprechend deutlich gegenzusteuern.
Damit zeigte die Versammlung auch: Probleme werden innerhalb der Feuerwehren nicht verschwiegen. Sie werden angesprochen, diskutiert und gemeinsam angegangen.
50 Einsätze und sechs Menschen aus Notlagen gerettet
Die Einsatzstatistik verdeutlichte zugleich, wofür Ausbildung, Ausstattung und funktionierende Zusammenarbeit notwendig sind. Seit dem 1. Juni 2025 wurden die Feuerwehren der Stadt Romrod zu 50 Einsätzen alarmiert. Dabei konnten sechs Menschen gerettet oder aus einer Notlage befreit werden.Besonders in Erinnerung blieb der schwere Verkehrsunfall am 8. April 2026 auf der B49. Mehrere Fahrzeuge waren beteiligt, eines davon stand in Vollbrand. In einem weiteren Fahrzeug waren drei Menschen eingeschlossen, darunter ein Kind. Die Feuerwehr musste gleichzeitig den Fahrzeugbrand bekämpfen und die eingeschlossenen Personen retten. Mehrere Rettungswagen und zwei Rettungshubschrauber waren ebenfalls im Einsatz. Die Arbeiten dauerten rund vier Stunden.
Eine weitere außergewöhnliche Belastung waren die beiden Waldbrände am 1. Mai 2026 zwischen Romrod und Alsfeld. Bereits am Nachmittag waren rund 60 Feuerwehrangehörige im Einsatz. Nur wenige Stunden später erfolgte erneut die Alarmierung zu einem Brand nahezu an derselben Stelle. Beim zweiten Einsatz waren schließlich deutlich über 100 Kräfte aus mehreren Städten und Gemeinden beteiligt. Die Arbeiten dauerten bis in die Morgenstunden.
Auch die trockene Witterung im August führte zu mehreren Vegetationsbränden. Dabei wurde erneut deutlich, wie entscheidend eine ausreichende Löschwasserversorgung ist. Beim Brand im Stadtteil Zell unterstützten beispielsweise zwei örtliche Landwirte die Feuerwehr mit insgesamt rund 50.000 Litern Wasser.
Neben dem Einsatzdienst spielt auch Prävention eine wichtige Rolle. Im Berichtszeitraum wurden bei der Brandschutzerziehung 85 Menschen erreicht, an Maßnahmen der Brandschutzaufklärung nahmen rund 380 Menschen teil.
Viele Aufgaben laufen im Hintergrund
Wie vielfältig Feuerwehrarbeit abseits von Blaulicht und Einsatzstellen ist, machten auch die Berichte der einzelnen Fachbereiche deutlich. Franziska Steuernagel gab als Fachbereichsleiterin Beschaffung einen Überblick über getätigte Beschaffungen und die damit verbundenen Aufgaben.Volker Schwenzfeier berichtete aus den Bereichen Digitalfunk sowie Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Neben der Vielzahl erarbeiteter und versandter Presseinformationen wurde auch hier ein bestehendes Problem deutlich angesprochen: Die Netzabdeckung des Digitalfunks ist im Bereich Romrod weiterhin nicht zufriedenstellend und beschäftigt die Feuerwehr bereits seit Jahren. Gleichzeitig stehen erneut notwendige Updates der Funkgeräte an, die zeitnah umgesetzt werden müssen.
Auch die übrigen Fachbereiche machten deutlich, wie viel Arbeit notwendig ist, damit Feuerwehr im entscheidenden Moment funktioniert. Vieles davon findet für die Öffentlichkeit kaum sichtbar im Hintergrund statt.
Bürgermeister dankt für Verlässlichkeit und Engagement
Bürgermeister Hauke Schmehl dankte den Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern für ihren Einsatz und ihre Bereitschaft, Verantwortung für Romrod zu übernehmen. Er hob die besondere gesellschaftliche Stellung der Feuerwehren in der Stadt hervor und machte deutlich, wie wichtig es sei, sich auf die Feuerwehr verlassen zu können, wenn Hilfe benötigt werde. Gleichzeitig bedankte er sich für das große Engagement rund um den zuvor durchgeführten Stadtfeuerwehrtag.Weitere Grußworte richteten unter anderem der Erste Kreisbeigeordnete, der Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes Vogelsberg sowie der Landtagsabgeordnete Maximilian Ziegler an die Versammlung.
Langjähriges Engagement gewürdigt
Auch zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen standen auf der Tagesordnung. Feuerwehrangehörige erhielten Anerkennungsprämien des Landes Hessen für langjährigen aktiven und pflichttreuen Dienst. Ein besonders bewegender Moment war die Ehrung von Reinhold Weitzel für 50 Jahre aktiven Feuerwehrdienst. Die Würdigung seines jahrzehntelangen Engagements wurde von langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen begleitet.Darüber hinaus erhielt die Hamel GmbH aus Zell die Plakette "Förderer der Feuerwehr" des Kreisfeuerwehrverbandes Vogelsberg. Stefan Bing wurde mit der Florian Medaille der Hessischen Jugendfeuerwehr in Silber ausgezeichnet. Tim Decher erhielt das bronzene Brandschutzverdienstzeichen und Björn Preuß-von Brincken das Deutsche Feuerwehr Ehrenkreuz in Silber.
Gemeinschaft heißt auch, Herausforderungen gemeinsam anzugehen
Nach einem langen Tag mit Stadtfeuerwehrtag, Jahresberichten, Wahlen, offenen Worten und zahlreichen Ehrungen endete die gemeinsame Jahreshauptversammlung in guter Atmosphäre. Zum Abschluss kamen die Feuerwehrangehörigen und Gäste zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen.Die Versammlung zeigte dabei sehr deutlich, was Feuerwehr in Romrod bedeutet: Menschen übernehmen Verantwortung füreinander und für ihre Stadt. Sie investieren Freizeit, bilden sich weiter, kümmern sich um Kinder und Jugendliche, halten Fahrzeuge und Technik einsatzbereit, organisieren, planen und stehen im Ernstfall gemeinsam an der Einsatzstelle.
Dabei ist nicht alles perfekt. Nachwuchsgewinnung, Tagesalarmverfügbarkeit, Digitalfunk und auch der Umgang miteinander in der Ausbildung sind Themen, die weitere Arbeit erfordern. Die Feuerwehren der Stadt Romrod wollen diese Probleme jedoch nicht verschweigen, sondern offen ansprechen und gemeinsam Lösungen finden.
Denn Feuerwehr lebt nicht davon, dass alle gleich sind. Sie lebt davon, dass Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Lebenswegen ihren Platz in einer starken Gemeinschaft finden und bereit sind, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. (js/pm)+++