Spinne, Crow, Gerum und tierisch gut!

Rundgang durch die Herbstausstellungen in der Kunststation Kleinsassen

In der Kunststation gint es derzeit drei große Herbstausstellungen sowie die kurzzeitigere Studioausstellung zu sehen.
Fotos: Hanswerner Kruse / Lothar Reichardt

12.09.2026 / HOFBIEBER - Am Wochenende eröffneten in der Kunststation drei große Herbstausstellungen sowie die kurzzeitigere Studioausstellung. Wir begannen den Rundgang im Saal "Die Spinne", in dem neun Kunstschaffende der gleichnamigen Künstlergruppe gemeinsam ihre Schau "Ansichtssache" präsentieren.



Zuerst ist man irritiert, weil die allerersten Arbeiten ähnlich wirken, die weiteren dann jedoch völlig anders sind. Bei einigen Bildern entdeckt man durchaus eine Verwandtschaft mit der kräftigen, expressiven Malweise ihres gemeinsamen Lehrers Markus Lüpertz: Figuren werden in starke Farbflächen zerlegt, Gegenständliches beginnt sich aufzulösen. Andere Beiträge entfernen sich davon völlig. Nach dem farbenprächtigen abstrakten Empfangsbild und freien düsteren Kompositionen mit Acryl und Pigmenten auf Leinwand (Miriam Saric) folgen abstrakt-geometrische Hochglanzbilder mit sinnlichen Titeln auf Alu-Dibond (Matthias Riecker): "In the Free Fall of Fantasy".

Erst dann nimmt man die Wand mit 27 kleineren, extrem unterschiedlichen Arbeiten in der Größe der Hüllen von Langspielplatten (30 x 30 cm) wahr. Alle Kunstschaffenden zeigen hier jeweils drei kleine Werke. Es sind nicht unbedingt reduzierte Abbildungen ihrer typischen Objekte, aber in Stil und Ausdruck verweisen einige durchaus auf ihre größeren Bilder. Die krassen Porträts von Draga Kuzmanovic, die eigenartigen Figuren von Daniel Sommergruber oder die Berglandschaften von Kerstin Stechl.

In der weiteren hervorragend kuratierten Schau kann man den Anspruch der Künstlergruppe nacherleben: Wie ein netzartiges Geflecht sind die Kunstschaffenden der Gruppe untereinander und mit der Kulturszene verbunden. Trotz ihrer unterschiedlichen Arbeitsweisen, Themen und Ansichten bleiben sie im Dialog miteinander, aus dem neue Impulse für die Einzelnen und die Gemeinschaft entstehen.

Reinhild Gerum nennt die Ausstellung in ihrer Halle "Geschichten des Lebens". Sie zeigt gleichgroße, farbenfrohe Gebilde, die vage an Landschaften erinnern und wie direkt an die Wände gemalt aussehen. Die Titel "Ortsbestimmungen", aufgekratzte Ölpastellbilder, die den eingefärbten Untergrund teilweise wieder freilegen, muten widersprüchlich an: aggressiv und doch energievoll. Sind es reale Orte oder symbolisch gestaltete Erlebnisse? Daneben flattern riesige "Erdflügel" – mit Acryl bemalte Stoff-Papiergebilde, in die gesammelte Erden eingearbeitet sind – und vermitteln Leichtigkeit. Schweben. Abheben.

Ruhig, klar und deutlich erscheinen dagegen ihre Gruppen von farbigen Ölpastellen – eingebettet in farbkräftige oder schwarze Rechtecke mit kräftigen Mittelpunkten. Sie wirken gesammelt, in sich ruhend, eben "Zentriert", wie die Künstlerin diese Arbeiten nennt. Drei eigenständige Werkgruppen bewahren Gerums Gefühle und Erlebnisse. Erzählen visuell ihre Geschichten.

Im kleinen Raum neben dem Saal hat sie die Leporello-Installation "Ich hatte unfassbares Glück" aufgebaut. Eine Wandzeitung fordert die Besucher und Besucherinnen auf, eine eigene persönliche Geschichte ihres Glücks aufzuschreiben. Einige hängen bereits zwischen den kleinen quadratischen Farbbildern an den im Zickzack gefalteten Pappwänden des Hüttchens. Weitere werden im Laufe der nächsten Wochen folgen.

Am Ende beider Ausstellungen erreicht man immer den Saal "Anima Mundi". Hochanspruchsvoll inszeniert hier der vielseitige Künstler Crow die "Seele der Welt", so der aus dem Lateinischen übersetzte Titel. Der Ausdruck bezeichnet ein naturphilosophisches, maßgeblich von Platon geprägtes Konzept: die Vorstellung des Universums als beseelten, lebendigen Organismus.

Doch Crows Installation in der Kunststation lebt und berührt auch ohne diesen philosophischen Hintergrund. Man betritt den düsteren Raum. In der Mitte eine weiße Männerfigur, umgeben von riesigen Bögen, deren Pfeile auf den Menschen zielen. Genauer auf einen winzigen Schmetterling in seiner Hand. An den Wänden überdimensional große Bilder, von denen zwei zunächst von ihren Schatten bedrohte Figuren zeigen. Die weiteren zehn Tafeln verweisen auf abwechselnde Lebenssituationen dieser Gestalten: Streit. Kämpfe. Verbindungen. Gemeinsame Tänze. Staunend geraten wir in eine fremde Welt und können die Fantasien des Künstlers fühlen.

Der Rundgang wird im Studio beschlossen. Hier haben sich verleihbare oder käufliche Objekte aus der Artothek unter dem Titel "TIERisch gut" versammelt. Neben der großen hölzernen Skulptur "Pfau" erfreuen wir uns am Dackel mit Hut, dem "Scheuenden Pferd", der "Hasenmutter" oder der "Ratte mit Vögeln". 25 Bilder verschiedenster Machart mit diversen Tiermotiven hat hier die Kunststation aus ihrem Bestand zusammengestellt. Eine wahre "Tierversammlung" zu meist annehmbaren Preisen.

Die großen Ausstellungen sind noch bis zum 22. November 2026 zu sehen, die Studioausstellung bis zum 2. Oktober 2026. Öffnungszeiten im Winter ab 24. Oktober: Do. – So. & Feiertage von 13 – 17 Uhr Sommer: Di. – So. & Feiertage von 13 – 18 Uhr. (Hanswerner Kruse)+++

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