Heimische Vogelarten vor Ort erleben
Rund 40 Teilnehmer: Erste Tour führt durch die Duttelswiesen bei Bermuthshain
Foto: Joachim Schönfeld/Vogelsbergkreis
10.09.2026 / KREIS VB -
Bei der ersten Tour der Veranstaltungsreihe "Heimische Vogelarten vor Ort erleben" standen die Vogelwelt der Wiesen und die praktische Naturschutzarbeit im Mittelpunkt. Geleitet wurde der Rundgang von Ulla Heckert aus dem Sachgebiet Landschaftspflege beim Vogelsberger Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum. Sie hob dabei die Bedeutung der Landwirtschaft für die Schaffung und den Erhalt der Lebensräume für Wiesenvögel und andere Tier- und Pflanzenarten heraus.
Während der Tour beobachteten die Teilnehmer verschiedene Vogelarten in ihrem natürlichen Lebensraum. Dazu gehörten unter anderem mehrere Braunkehlchen auf ihren Ansitzwarten, Schwarzkehlchen, Neuntöter, Turmfalken und Rotmilane. Die Beobachtungen vermittelten einen direkten Eindruck von der Vielfalt der Vogelwelt in der Region.
Bürgermeister Simon Seibert betonte: "Ich bin stolz, dass wir in Grebenhain einen stabilen Bestand dieser seltenen Vogelarten haben. Es zeigt, dass wir gemeinsam mit Landwirten und den Verantwortlichen in den Ämtern vieles richtig machen."
Herausforderungen im Wiesenvogelschutz
Sachgebietsleiter Joachim Schönfeld wies auf die Herausforderungen im Wiesenvogelschutz hin: "Wichtig ist, dass alle zusammenarbeiten, um die zum Teil schwierigen Absprachen zu treffen. Mit den Landwirten werden beispielsweise späte Mahdtermine vereinbart, damit die Bruten der Vögel geschützt werden. Die späte Mahd kann jedoch zu Einbußen bei der Futterqualität führen. Nur in Zusammenarbeit mit den Akteuren aus der Landwirtschaft können wir Erfolge im Schutz der Offenlandarten erzielen."Johannes Euler, Geschäftsführer des Naturschutzgroßprojekts, berichtete über den Ankauf von Flächen in Wiesenbrütergebieten. Außerdem stellte er weitere Maßnahmen vor. Dazu zählen der Bau von Weidezäunen, die Anlage von Altgrasstreifen und die Entbuschung geeigneter Flächen.
Vorstellung der Vogelschutzwarte
Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung der Bioakustik-Stationen der Vogelschutzwarte. Ulla Heckert erläuterte, wie die Technik dabei hilft, heimische Vögel zu erfassen und ihre Entwicklung zu beobachten. An einer Station in der Lüderaue wurden besonders häufig die Zielarten Wiesenpieper und Braunkehlchen registriert. Außerdem erfasste die Station fast durchgängig Rohrammer, Feldlerche und Eisvogel. Mehrere Monate lang wurde auch die Bekassine nachgewiesen. Die Ergebnisse müssen noch verifiziert werden. Sie weisen jedoch bereits auf die hohe Bedeutung des Vogelschutzgebiets Vogelsberg hin. Die Bioakustik eröffnet neue Möglichkeiten für ein kontinuierliches Biodiversitätsmonitoring und hilft dabei, große Vogelschutzgebiete wie das im Vogelsberg zu beurteilen. Zugleich bleiben die Beobachtungen und das Engagement der örtlichen Vogelschützer, Naturschutzverbände und Vereine eine wichtige Grundlage für den Schutz der Vogelwelt, betonte Ulla Heckert.Trotz wechselhaften Wetters zeigte sich die Gruppe mit dem Verlauf der Tour zufrieden. Viele Teilnehmer äußerten sich interessiert und begeistert von den fachlichen Informationen und den Beobachtungen vor Ort. Zum Abschluss fand in der Feierscheune der Vereinsgemeinschaft Bermuthshain ein reger Austausch statt.
Die Veranstaltungsreihe "Heimische Vogelarten vor Ort erleben" wird vom Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum fortgesetzt. (mkr/pm) +++
Foto: Johannes Euler/Vogelsbergkreis