Der Stadtpfarrer bei O|N

Stefan Buß: "Kinder sind unsere Zukunft!" – Weltkindertag

Stadtpfarrer Stefan Buß.
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch

19.09.2026 / FULDA - "Kinder sind unsere Zukunft!" Diesen Satz hören wir oft. Und natürlich ist etwas Wahres daran. Die Kinder von heute werden einmal die Welt von morgen gestalten. Aber der morgige Weltkindertag erinnert uns an etwas, das genauso wichtig ist: Kinder sind nicht erst morgen wichtig. Sie sind es heute.



Jedes Kind hat seine eigene Würde. Jedes Kind hat seine Träume, seine Hoffnungen, seine Ängste und seine Fragen. Jedes Kind möchte geliebt werden, dazugehören und erfahren: Ich bin wichtig. Ich werde gesehen. Jemand hört mir zu.

Jesus hatte dafür einen besonderen Blick. Als die Jünger darüber stritten, wer von ihnen der Größte sei, stellte Jesus ein Kind in ihre Mitte (vgl. Mk 9,36). Damit sagte er ihnen: Schaut nicht immer nach oben, auf die Starken, Erfolgreichen und Mächtigen. Schaut auf die Kleinen. Auf diejenigen, die vielleicht nicht laut genug sind, um sich selbst Gehör zu verschaffen.

Und Jesus geht noch weiter: "Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf." Das ist ein hoher Anspruch. Denn wie wir mit Kindern umgehen, sagt etwas darüber aus, wie menschlich unsere Gesellschaft ist und wie ernst wir das Evangelium nehmen.

Der Weltkindertag erinnert uns deshalb auch daran, dass viele Kinder auf unserer Welt nicht unbeschwert aufwachsen können. Kinder leiden unter Krieg und Gewalt. Sie müssen ihre Heimat verlassen. Sie kennen Hunger und Armut. Manche Kinder erleben auch in ihrer eigenen Umgebung Angst, Einsamkeit oder das Gefühl, nicht verstanden zu werden.

Darum dürfen wir nicht nur fragen: Was wird einmal aus unseren Kindern? Wir sollten zuerst fragen: Wie geht es unseren Kindern heute? Was brauchen sie? Was beschäftigt sie? Wovor haben sie Angst? Und was macht sie glücklich?

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Aufgaben von Eltern, Großeltern, Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern, Seelsorgerinnen und Seelsorger: Kindern zuzuhören. Ihnen Zeit zu schenken. Sie ernst zu nehmen. Und ihnen zu zeigen: Du bist von Gott gewollt und geliebt.

Kinder brauchen nicht nur gute Schulen, Spielplätze und Möglichkeiten zur Entwicklung. Sie brauchen Menschen, die für sie da sind. Menschen, die sie begleiten und ihnen Halt geben. Und sie brauchen Erwachsene, die für sie da sind.

Jedes Kind ist einzigartig. Kein Kind muss erst etwas leisten, um wertvoll zu sein. Bevor ein Kind etwas kann, etwas erreicht oder erfolgreich ist, ist es bereits ein geliebter Mensch.

Vielleicht können wir Erwachsenen sogar von Kindern lernen. Kinder können staunen. Sie können sich freuen über die kleinen Dinge. Sie können Fragen stellen, die wir längst nicht mehr zu stellen wagen. Und manchmal erinnern sie uns daran, dass Vertrauen wichtiger ist als ständige Kontrolle.

Der Weltkindertag ruft uns deshalb auf: Stellen wir die Kinder in die Mitte – so wie Jesus es getan hat. Nicht nur an einem besonderen Tag im Jahr, sondern in unserem Alltag. (Stefan Buß)+++

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