Bischof Gerber würdigt deren Bedeutung

Große Jubiläumsfeier: 400 Jahre Benediktinerinnen-Abtei zur Heiligen Maria

Beim Festgottesdienst in der Klosterkirche der Abtei. Vorne links Äbtissin Benedikta Kranz
Fotos: Felix Weigel

09.09.2026 / FULDA - Eine der ältesten Institutionen mitten in der Fuldaer Innenstadt kennen viele Touristen und Einheimische nur von außen. Die Benediktinerinnenabtei zur Heiligen Maria ist hinter hohen Klostermauern verborgen und doch herrscht bei den neun dort wohnenden Ordensschwestern ein zugewandter und offener Geist. Am kirchlichen Gedenktag für den Geburtstag der Gottesmutter Maria, dem 8. September, kann das 1626 gegründete Kloster sein 400-jähriges Bestehen feiern und hat zu diesem großen Tag Gäste in die Abtei eingeladen, um das Jubiläum festlich zu begehen. Der Tag begann mit einem festlichen Gottesdienst in der Klosterkirche.



Der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber zelebrierte den Gottesdienst und würdigte die geistliche und kulturelle Bedeutung der Benediktinerinnen-Abtei zur Heiligen Maria. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand dabei ein besonderer Ort des Konvents: der Brunnen im Kreuzgarten, den die Künstlerin und Ordensfrau Lioba Munz kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltet hat. "Können wir zu Ihrem Brunnen kommen?" Diese Frage hatten Besucherinnen und Besucher der Ausstellung zum Werk von Sr. Lioba Munz im Fuldaer Vonderau Museum gestellt. Ein Hinweis in der Ausstellung hatte auf den Brunnen im Kreuzgarten der Abtei verwiesen. Für Bischof Dr. Michael Gerber wurde die Frage zum Ausgangspunkt seiner Predigt und zu einem Bild für die Bedeutung der Abtei.

Ein Ort, der Leben ermöglicht

Für den Bischof weist der Brunnen im Kreuzgarten über seine profane Bedeutung als Wasserspender hinaus. Die biblischen Darstellungen auf den Tonreliefs von Lioba Munz zeigten Begegnungen und die Suche nach dem, was dem Leben Sinn gibt. "Sie, liebe Schwestern, sind nicht selbst der Brunnen. Dafür steht ein anderer – Christus selbst", sagte der Bischof. Die Abtei könne ein Ort sein, an dem Menschen geistlich geformt und geprägt werden. "Alle Lebensvollzüge unserer Gemeinschaft sollen so geschehen, dass dadurch unser Brunnen tiefer wird, dass wir dadurch mit dem Wasser des Lebens, das Jesus einst der Samariterin verheißen hat, tiefer in Berührung kommen."

Über die Klostermauern hinaus

Diese geistliche Tiefe könne auch für die Gesellschaft außerhalb des Klosters Bedeutung gewinnen. Klöster hätten in der benediktinischen Tradition immer auch Kultur geprägt. Gerade Erfahrungen von Grenzen und Zerbrechlichkeit könnten dabei helfen, sensibler und behutsamer miteinander umzugehen.

Gerber verband damit auch die Zukunft der Abtei. Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibe ihr Auftrag bestehen. "Wo in unseren Klöstern heute – im Bild gesprochen – diese Kultur des Brunnengrabens erfahrbar wird, da kann dies auch die Kultur außerhalb der Klostermauern prägen."

Ausstellung zur Klostergeschichte im Kreuzgang

Nach dem Festgottesdienst konnten die Gäste eine Ausstellung über die Geschichte des Klosters im Kreuzgang anschauen, die die Archivarin der Abtei, Franziska Ihle-Wirth, mit den Schwestern gestaltet hatte. Die Exponate aus dem Kloster-Archiv bebilderten die lange und wechselvolle Geschichte der Ordensfrauen in der Abtei.

Der Theologe und Benediktiner, Dr. P. Elmar Salman stellte den Besuchern anschließend die bebilderte Jubiläumsfestschrift in einem launigen Vortrag unter der Überschrift "Heutige Annäherung an die Regel – impressionistische Tupfer zur Festschrift" vor. Sie sei "klein, putzig und appetitanregend", lobte er. Er beleuchtete das Leben im Konvent, den wunderbaren Klostergarten, die Kunst der Lioba Munz und schloss augenzwinkernd mit den Worten: "Stellen Sie sich mal vor, der Heilige Benedikt käme heute zu Besuch. Da würde er wohl sagen: ja, genau so habe ich mir das immer vorgestellt."

Kenntnisreicher Festvortrag von Dr. Thomas Heiler zur Klostergeschichte

Den langjährigen Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler hatte Äbtissin Benedikta Kranz um den Festvortrag zum Jubiläum gebeten und ihn als Freund des Klosters vorgestellt, dessen Unterstützung und Kenntnissen die Abtei viel zu verdanken habe. Dr. Heiler erklärte eingangs, dass sich der Beginn von Fuldas bis heute währender benediktinischer Tradition auf den Tag genau datieren lasse. "Am 12. März 744 schlug der Mönch Sturmius im Auftrag des Missionserzbischofs Bonifatius mit wenigen Gefährten seine Zelte hier auf, um ein Kloster zu errichten, das zu den bedeutendsten im Frankenreich werden sollte. Durch päpstliche und kaiserliche Privilegien wurde aus der kleinen Gründung fernab der Zivilisation ein Reichskloster, eine Fürstabtei und zuletzt ein Fürstbistum, das wie nahezu alle geistlichen Staaten durch die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgelöscht wurde."

Das Frauenkloster der Benediktinerinnen wurde im Zuge der Gegenreformation 1626 von Fürstabt Bernhard Schenk zu Schweinsberg gegründet. Immer wieder hatten sich der Orden in seiner wechselvollen Geschichte gegen politischen Widerstand, Vertreibung und Schließung zur Wehr setzen müssen. "Ihre Beharrungskraft und ihre Standfestigkeit zeigten die Schwestern auch ein weiteres Mal, als Bismarck 1875 mit seinem in Preußen geltenden Klostergesetz alle geistlichen Orden der katholischen Kirche bis auf jene, die der Krankenpflege dienten, verbot. Auch dies bedeutete nicht das Ende des Konvents, der sich nicht entmutigen ließ und trotz widriger Umstände im lothringischen Exil ausharrte, bis die Schwestern nach der Aufhebung des unsinnigen Gesetzes quasi in einem Triumphzug 1887 nach Fulda zurückkehren konnten. Und selbst die Nationalsozialisten, die 1940 die Franziskaner nach fadenscheinigen Anschuldigungen und Gerichtsverhandlungen vom Frauenberg vertrieben, wagten es nicht, die Abtei zu schließen", referierte der Historiker. Durch seine Archivrecherchen im Staatsarchiv in Marburg konnte er auch eine Geschichtskorrektur vornehmen: Die ersten vier Nonnen der Abtei waren - anders als bisher angenommen - demnach Anna Vogel aus Fulda, Magdalena Dreger, Angela Bodenfeld aus Paderborn und Katharina Vetter aus Volkmarsen im Stift Paderborn. Bei der Priorin handelte es sich um Angela Bodenfeld, die dieses Amt von 1640 bis zu ihrem Tod 1646 innehatte.

"Die unglaublich fabelhaften Nonnen aus Fulda"

Heiler zitierte zum Schluss seines Vortrags die Journalistin und Schriftstellerin Meli Kiyak, die seit Jahren eng mit dem Kloster verbunden ist, aus deren Nachwort zur Neuauflage ihres Buches 'Dieser Garten. Die unglaublich fabelhaften Nonnen aus Fulda und ihre genialen Erfindungen': "Dieses Kloster ist eine Schule des Sehens und Säens, ein Ort der Freundinnenschaft, ein Ort all jener Worte, die in politisch dunklen Zeiten kaum auszusprechen sind, weil sie so diskreditiert sind; Menschlichkeit und Toleranz sind zwei dieser Begriffe, die derzeit so rar sind in dieser Welt. Die Benediktinerinnen in Fulda sind tolerante Frauen, aufrichtige Demokratinnen, Weltbürgerinnen im Geist, die mit wachem Verstand die Welt sehen und kritisieren." (ci)+++

X