650 Läufer für die Kinderkrebshilfe
Sturm wirbelt Strecke durcheinander - Burgenlauf bleibt ungebremst
Fotos: Christoph Blum
07.09.2026 / SCHLITZ -
Der furchtbare Sturm hat den Schlosspark verwüstet – den Burgenlauf aber nicht kleingekriegt. Am Sonntag gingen im Kulturviertel Hahnekiez rund 650 Läuferinnen und Läufer an den Start – auf einer Strecke, deren Verlauf vor drei Wochen noch niemand kannte. Jeder Euro Startgeld fließt an die Kinderkrebshilfe Schlitz – und die feierte den siebten Burgenlauf mit einem fulminanten Familienfest.
Traumtemperaturen, Bilderbuchwetter und überall Menschen, die sich stretchten und die Laufschuhe festzurrten: Als um zehn Uhr der Startschuss fiel, hatte die Trommeltruppe Banzai mit ihren heißen Rhythmen längst dafür gesorgt, dass sich ein nicht zu bremsender Bewegungsdrang endlich auf dem Asphalt entladen konnte. Andreas Hieke, Moderator der Hessenschau und seit Jahren Stimme des Burgenlaufs, schickte den Pulk auf die Reise – und die führte diesmal in eine ungewohnte Richtung. Denn der Schlosspark, seit dem furchtbaren Tornado vor zwei Wochen gesperrt, fiel als Kulisse aus.
"Ob es 1.000 Läufer sind oder 600, darauf kommt es nicht wirklich an"
550 Voranmeldungen lagen vor, rund 100 Nachmeldungen kamen am Morgen dazu. Das sind weniger als vor zwei Jahren, als 900 Starter gezählt wurden – womöglich auch, weil am selben Tag in Fulda der Marathon stattfand. Dieter Hämmelmann, Erster Vorsitzender der Kinderkrebshilfe, war dennoch entspannt: "Ob es heute 1.000 Läufer sind oder 600, darauf kommt es nicht wirklich an." Denn Tempo war ohnehin nicht das Kriterium: Zahlreiche Firmen aus Schlitz und Umgebung schickten ganze Teams ins Rennen, und neben den Läufern waren Alt und Jung mit Walkingstöcken oder im flotten Spazierschritt unterwegs. Ein weiteres Highlight war wenig später der Bambini-Lauf. Nervosität lag spürbar in der Luft – bei den kleinen Sportlern sowieso, gefühlt aber noch mehr bei deren Eltern. Pünktlich um 13 Uhr fiel dann für die knapp 100 Bambinis der Startschuss. Einmal für einen Kilometer um den Block, dann war auch das geschafft, bevor der Tag in ein Familienfest überging. Von 50 auf 80 Prozent Heilungsquote – was mit dem Geld passiert
Seit mehr als 35 Jahren sammelt die Kinderkrebshilfe Schlitz Spenden. Ein großer Teil davon geht an die Kinderkrebsstation Peiper der Uniklinik Gießen. Warum stetiges Spenden wichtig ist, erklärt Hämmelmann anhand von Zahlen: "Als ich angefangen habe, lag die Sterblichkeit bei 50 Prozent. Heute werden 80 Prozent der Kinder geheilt – und die restlichen 20 sind immer noch zu viel." Wie konkret die Hilfe wirkt, zeigte am Nachmittag ein Gast: Hockeyspielerin Annika Wein, die als Elfjährige an Knochenkrebs erkrankte, in Gießen behandelt wurde und heute mit Beinprothese für den 1. Hanauer THC auf dem Feld steht, wohlgemerkt mit ausschließlich nichtbehinderten Mitspielerinnen. "Wir wollen den Menschen wahre Geschichten erzählen", so Hämmelmann. Ein Kiez, der sich rausgeputzt hat
Rundherum versorgten TSG Schlitzerland, FSV Pfordt, Landfrauen und Peet's Coffee & Bar die Gäste und die Bands Just4Fun und Crazy Train sorgten für die musikalische Untermalung. Wo vor einem Jahr noch heruntergekommene Garagen standen, genossen Menschen heute ein Hausbier auf der Terrasse des Brauhaus Hahnekiez. Erst am vergangenen Wochenende hatte dieses eröffnet und stand nun mit dem Burgenlauf erneut im Zentrum eines Großereignisses. Seit dem Opening herrscht täglich reges Treiben im Kulturviertel und "das Areal hat sich rausgeputzt", sagt Siemon mit Blick auf den fast fertigen Parkplatz. "Wir haben die Infrastruktur da – Getränkewagen hinstellen, Strom anschließen, fertig." Für ihn ist der Tag ein Beleg dafür, dass sich die Investition ins ehemalige Brauereigelände trotz aktuell einiger rechtlicher Querelen auszahlt. Leider konnte er selbst allerdings diesmal nur zuschauen: Siemon, der 2024 noch mit Startnummer 1 vorneweg lief, hatte sich gerade erst von einer Erkrankung erholt. "Ich wäre gerne selbst mitgelaufen", bedauerte er – und versprach für 2028 die Rückkehr an die Startlinie. Und wenn die Strecke bis dahin wieder durch den malerischen Schlosspark führt – umso besser. (Christoph Blum) +++