AfD kratzt an der absoluten Mehrheit

Reaktionen zur Landtagswahl - Das sagen die Parteien zum Erdrutschsieg

Bei der Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD ein Rekordergebnis eingeholt. Zahlreiche Politiker haben sich kurz nach den ersten Ergebnissen geäußert.
Foto:picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto / Xrx

06.09.2026 / MAGDEBURG - Es ist ein Erdrutsch. "Die Menschen haben ein Zeichen gesetzt", sagt der noch amtierende Regierungschef von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze von der CDU. Die AfD ist nach den Wahlen am Sonntag klar stärkste Kraft, das Land erlebt einen Rechts-Knall. Und: die AfD kratzt an der absoluten Mehrheit. Unmittelbar nach 18 Uhr kommen die ersten Reaktionen aus ganz Deutschland.


Alice Weidel: "Wir haben den Regierungsauftrag erhalten"

In der ARD-Wahlarena bezeichnete die Bundesvorsitzende der AfD Alice Weidel den Wahlabend in Sachsen-Anhalt als "historisches Ergebnis". "Wir haben hier einen ganz klaren Regierungsauftrag erhalten und wir werden sehen, wo sich das noch hinentwickeln wird."

Trotz des deutlichen Wahlsieges kann derzeit noch nicht gesagt werden, ob es für die AfD für eine Alleinregierung reicht. Alice Weidel betonte in der ARD-Sendung, dass Ulrich Siegmund klar gemacht hätte, dass er auch mit den konstruktiven Kräften sprechen würde. "Die Hand ist ausgestreckt zu allen, die Sachsen-Anhalt besser machen wollen und in Deutschland was bewegen wollen", so Alice Weidel weiter.

Welche Parteien für eine mögliche Koalition in Frage kämen, ließ Weidel zunächst offen. "Ich denke natürlich allen voran an die CDU oder Teile der CDU, aber da an dieser Stelle schon rumzudeuten, wäre zu früh", so die AfD-Bundesvorsitzende.

Ministerpräsident Schulze räumt Wahlniederlage ein

Mit 18,5 Prozent fuhr die CDU ein historisch schlechtes Ergebnis ein. Als direkte Reaktion auf den Wahlabend räumte der noch amtierende Ministerpräsident Schulze die Niederlage ein. Auf der Wahlparty in Magdeburg machte der erst seit acht Monaten im Amt befindliche Regierungschef deutlich, dass man sich ein besseres Ergebnis erhofft hatte.

"Diese erste Prognose muss man nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern sie sagt einiges aus. Zuallererst möchte ich dem Wahlsieger der AfD gratulieren, die jetzt stärkste Kraft ist im Landtag von Sachsen-Anhalt. Wir von der CDU werden mit diesem Ergebnis umgehen müssen. Ich möchte aber auch den Wählern der CDU danken, dass sie uns ihre Unterstützung und ihre Stimme gegeben haben. Manche sagen, es ist ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Ich sage, es ist Demokratie", so Sven Schulze.

Weiterhin betonte der Noch-MP, dass die hohe Wahlbeteiligung ein deutliches Zeichen der Wähler gewesen sei. Neben dem eigenen schwachen Ergebnis verlor die CDU mit der FDP ein aktuelles Koalitionsmitglied, das mit derzeit 2 Prozent den Einzug in den Landtag wahrscheinlich verpassen wird.

BSW-Kandidatin Claudia Wittig schließt Koalition nicht aus

Für das BSW ist derweil weiter zittern angesagt. Mit derzeit fünf Prozent der Hochrechnungen bangt die Partei noch um den Einzug in den Landtag in Sachsen-Anhalt. Im ARD-Livestudio schloss die BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig eine Regierungsbeteiligung in Zusammenarbeit mit der AfD derweil nicht aus.

"Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir in der Sache entscheiden werden, mit welchen Parteien wir zusammenarbeiten möchten. Natürlich gibt es Projekte, bei denen wir uns gut vorstellen können, diese mit der AfD zusammen zu machen, etwa die Energiepreisproblematik. Gleichzeitig gibt es Punkte, wo wir weniger Schnittmengen mit der AfD haben. Wir bleiben dabei, immer inhaltlich einzeln zu entscheiden", so die BSW-Kandidatin im TV-Interview.

Alice Weidel begrüßte die Anmerkung von Wittig mit den Worten: "Sehen sie, so geht Politik." Wittig betonte weiter, dass eine Nichtbeteiligung der AfD an der Regierung "völlig undemokratisch" sei, angesichts der deutlichen Stimmanteile nach dem Wahlabend.

Bärbel Bas schließt Koalitionsgespräche aus - Heidi Reichinnek kritisiert Bundesregierung

Die SPD-Bundesvorsitzende Bärbel Bas betonte im ZDF-Hauptstadtstudio, dass die SPD ihr Ergebnis halten konnte und lobte den Wahlkampf der eigenen Partei, die "bundesweit mobilisiert" habe, um die AfD-Regierung zu verhindern. Gleichzeitig machte Bas klar, dass die SPD keine Gesprächsangebote der AfD für eine mögliche Regierungskoalition annehmen würde und verwies auf die Tatsache, dass die AfD Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.

Auch die Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke Heidi Reichinnek, schloss eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Im ARD-Livestudio betonte, dass die Mehrheit die AfD nicht gewählt hätte und verknüpfte deren Wahlerfolg mit der Politik auf Bundesebene. "Die Menschen haben die AfD gewählt, weil sie frustriert sind. Was hat die Regierung auf Bundesebene getan, um das Leben der Menschen besser zu machen", so Heidi Reichinnek im Interview. (kru) +++





X