Millionen Daten geleakt
Hackerangriff könnte größere Folgen haben als bisher gedacht
Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
07.09.2026 / BERLIN -
Es ist von einem "echten Daten-Super-GAU", von einem Datenabfluss "von gravierendem Ausmaß" die Rede: Der Hackerangriff auf Teile der Berliner Verwaltung könnte viel weitreichendere Folgen haben als zunächst bekannt, weit über die Hauptstadt hinaus. Seit Freitag sind rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte im Darknet veröffentlicht. Ein Terabyte entspricht rund 1.000 Gigabyte.
Zunächst schienen nur personenbezogene Daten betroffen zu sein: gescannte Reisepässe, Arbeitsverträge, Bewerbungsunterlagen, Krankmeldungen. Laut mehreren Medienberichten und der Einschätzung von IT-Experten könnten allerdings auch hochsensible Daten geleakt worden sein, die für den Schutz kritischer Infrastruktur und die Sicherheit von Bund und Ländern relevant sind. Dabei geht es etwa um den Zivilschutz oder Rüstungsunternehmen.
Von einem echten Daten-Super-GAU sprach der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz im Handelsblatt. "Sollte sich herausstellen, dass Schutzmechanismen bewusst nicht eingehalten wurden und der dringend notwendige Geheimschutz nicht gewährleistet war, wären auch personelle Konsequenzen unausweichlich", sagte der Grünen-Politiker der Zeitung.
"Die Bundesregierung trifft eine direkte Mitschuld"
Seiner Einschätzung nach könnte es sich um den schwersten bislang bekanntgewordenen IT-Sicherheitsfall auf Landesebene handeln - mit möglicherweise erheblichen finanziellen Folgen, so von Notz: "Der jüngste Fall in Berlin wird die Steuerzahler Millionen kosten. Die Bundesregierung trifft eine direkte Mitschuld." CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte der Süddeutschen Zeitung: "Dieser Datenabfluss ist von gravierendem Ausmaß und gefährdet unsere nationale Sicherheit.""Ein vollständiger Überblick über die geleakten Daten ist wegen der gewaltigen Menge bislang kaum möglich. Außerdem könne man nicht einfach per STRG+F nach bestimmten Begriffen suchen", erklärte Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs. Seinen Recherchen zufolge sind unter den Dateien neben personenbezogenen Daten auch sensible Informationen über die Berliner Wasserversorgung zu finden. Dem Tagesspiegel zufolge sollen sich darunter zudem Daten zu Heizkraftwerken, Tanklagern, Notstromanlagen, Umspannwerken, Gefängnissen, Wasserwerken sowie Rüstungsunternehmen und der Bundeswehr befinden.
IT-Experte wirft Berlin grobe Fahrlässigkeit vor
Für Betroffene besteht die Gefahr von Identitätsdiebstahl und gezielten Phishing-Angriffen, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) informiert. Sicherheitsrelevante Informationen könnten zudem von fremden Mächten oder Terroristen missbraucht werden. Das BSI warnt, dass Angaben zu kritischen Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen je nach Sensibilität die Bedrohungslage erhöhen könnten.Betroffene sollen per Brief oder E-Mail kontaktiert werden
In Berlin koordiniert inzwischen eine zusätzliche Steuerungseinheit die Sichtung und Bewertung der Daten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) an der Aufarbeitung beteiligt. Im Gemeinsamen Cyberabwehrzentrum würden alle Erkenntnisse zusammengetragen und geteilt.Betroffene Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigte und Unternehmen sollen nach Angaben der Senatskanzlei risikobasiert per Brief oder E-Mail kontaktiert und beraten werden. Konkrete Angaben dazu, welche Daten genau veröffentlicht wurden, machte die Senatskanzlei zunächst nicht. Die forensischen Untersuchungen und Ermittlungen dauern an. Die Bundeswehr kündigte an, nach der Analyse möglicher Sicherheitsrisiken Maßnahmen zum Schutz der militärischen Sicherheit einzuleiten.
Auch die Berliner Landesregierung hat die Sicherheitsmaßnahmen nach eigenen Angaben erhöht. In zwei Wochen wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Die Wahlumgebung sei nach derzeitigem Stand nicht betroffen, sagte Landeswahlleiter Stephan Bröchler. (dpa) +++