Boxybag an Boxybag am Stichtag 5.0
Über 1.400 bunte Unikate: "Nähdels" greifen nach dem fünften Weltrekord
Fotos: Mathias Schmidt
05.09.2026 / HÜNFELD -
Bunt, kreativ und vor allem außergewöhnlich lang sollte es werden: Auf dem Hünfelder Rathausplatz (Landkreis Fulda) nahm die "Nähdels"-Community am Freitagnachmittag ihren mittlerweile fünften Weltrekord ins Visier. Beim "STICHTAG 5.0" sollte die längste Boxybag-Schlange der Welt entstehen. Sandra Kanther und Tanja Hahner zeigten sich vorab im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS zuversichtlich: "Wir sind uns sicher: Wir schaffen das!"
1.249 Taschen gilt es zu übertreffen
Die Marke für den diesjährigen Versuch stand fest: Mehr als 1.249 Boxybags mussten zusammenkommen. Die Community organisierte sich dafür unter anderem über einen eigenen Telegram-Kanal. "Da tauschen sie sich aus, wie viel jeder schon genäht hat", erzählten die beiden "Nähdels". Kurz vor dem Rekordversuch lag die Zahl bereits deutlich über der benötigten Marke: "Wir sind jetzt, glaube ich, schon bei 1.400 insgesamt." 1.400 Taschen bedeuten allerdings nicht ebenso viele Menschen auf dem Rathausplatz. Viele Mitglieder nähten gleich mehrere Exemplare, andere ließen ihre Boxybags von Bekannten mitbringen. "Die organisieren sich untereinander, dass die eine für die anderen Boxybags mitnimmt." "Wenn ihr wüsstet, wie es bei uns im Hirn aussieht"
Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, Hunderte selbst genähte Taschen quer über einen Rathausplatz aneinanderzureihen? Bei dieser Frage mussten die beiden lachen. "Wenn ihr wüsstet, wie es bei uns im Hirn aussieht, dann kommen eigentlich nur die normalen Ideen noch raus - die vertretbaren", verriet Kanther augenzwinkernd. Irgendwann habe die Frage im Raum gestanden: "Was kann man noch so machen? Wohin mit unserer Langeweile?" "Der Stichtag verbindet über den Stichtag hinaus"
Denn für Kanther und Hahner geht es beim Stichtag um weit mehr als Rekorde. "Was den Stichtag ausmacht, ist die Community, weil es ein ganz besonderer Spirit ist", betonten sie. Mit einer klassischen Verkaufsmesse habe die Veranstaltung wenig zu tun. "Wenn irgendjemand dieses Schimpfwort "Messe" in den Mund nimmt, dann denke ich: Nein, überhaupt nicht." Wie schnell beim Stichtag Verbindungen entstehen, zeigt eine Geschichte aus dem ersten Veranstaltungsjahr: Eine Teilnehmerin war mit dem Zug von Dresden nach Hünfeld unterwegs und erkannte bei einer Mitreisenden eine Tasche nach einem Schnittmuster der "Nähdels". "Du gehst doch auch zum Stichtag", sprach sie die Fremde an - und schon ging die Reise gemeinsam weiter. Hoffnung auf einen Eintrag ins Goldene Buch
Mit dem Rekordversuch war der "STICHTAG 5.0" noch lange nicht vorbei. Im Erfolgsfall hofften die beiden "Nähdels" auf eine besondere Würdigung: "Wir hoffen, dass wir noch ins Goldene Buch der Stadt kommen. Das wäre schön." Am Freitagabend steht zudem eine "Notfall-SOS-Party" am Lokschuppen auf dem Programm. Am Samstag geht es mit dem regulären Stichtag-Programm weiter. Über Hünfeld verteilt warten Mitmachbereiche, Workshops im Rathaus und Intensiv-Workshops auf die Besucher. Auch im Lokschuppen präsentieren sich zahlreiche Aussteller. Dort soll es unter anderem Kollektionen geben, "die es noch überhaupt nicht auf dem Markt gibt".