In welcher Gesellschaft wollen wir leben?
Startschuss für großes Medien-Schulprojekt von antonius und Fuldaer Akteuren
Fotos: Roman Herget
05.09.2026 / FULDA -
Für manche war es eine ganz neue Erfahrung: Bei antonius lernten sich am Mittwoch, dem 2. September rund 90 Jugendliche mit und ohne Behinderung kennen. Sie gaben den Startschuss für ein gemeinsames Medienprojekt, das die Bürgerstiftung zum 125. Jubiläum im kommenden Jahr auf die Beine stellt – zusammen mit Theaterpädagoge Shaggy Schwarz, Inklusionsexpertin Michelle Kedmenec und Fotograf Johannes Ruppel.
"In meiner Familie gibt es Kinder mit Autismus oder starkem ADHS. Aber die meisten meiner Mitschüler haben sich noch nie mit Behinderung beschäftigt", berichtet eine Zehntklässlerin, die am Projekt teilnimmt. Das sollte sich an diesem Tag ändern:
Die Bürgerstiftung "antonius : gemeinsam Mensch" hatte Jugendliche von sechs Schulen aus dem Landkreis Fulda zum Pilottag für ein gemeinsames Projekt eingeladen – darunter Förder- und Regelschulen, also Schülerinnen und Schüler mit und ohne Förderbedarf. Es gab Theaterübungen mit Shaggy Schwarz, eine Fragerunde mit Michelle Kedmenec und eine Entdeckungstour durch das antonius Quartier.
Auftakt für mehr Miteinander
Im Mittelpunkt des Pilottages stand die erste Begegnung zwischen den Schülerinnen und Schülern aus den Klassen 8 bis 10. Improvisationstrainer Shaggy Schwarz leitete den Prozess mit einem Warm-Up und einer Hinführung zum Thema ein: "Ich mache schon lange Projekte mit antonius, weil mir die Themen Inklusion und Vielfalt am Herzen liegen. Die Projektwochen werden sicher intensiv, und für einige Jugendliche wird sich eine völlig neue Welt eröffnen. Ich hoffe, sie erkennen, dass jeder Mensch einzigartig ist – unabhängig von Behinderungen oder Beeinträchtigungen." Das genaue Thema und der Entstehungsprozess der Filme richte sich nach den Interessen der Jugendlichen und habe etwas "Improvisiertes wie beim Improtheater", erklärt Shaggy Schwarz.Projekt richtet Blick auf Verbindendes
Begegnung mit einer echten Mutmacherin
Ein besonders eindrucksvolles Element des Pilottages war die Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit Michelle Kedmenec. Die Fuldaerin wurde durch eine Erkrankung mit 27 Jahren inkomplett querschnittgelähmt und lud die Jugendlichen ein, ihr Fragen zu ihrer Lebenssituation zu stellen. Ihr Resümee: "Das Leben ist nicht vorbei, wenn man eine Behinderung hat. Das hat viele Jugendliche überrascht. Ich würde sogar sagen: Ich bin heute glücklicher als früher, weil mich die Erkrankung so viel gelehrt hat. Zugleich erlebe ich Anfeindungen und errege immer Aufmerksamkeit – das ist manchmal schwieriger, als die Behinderung selbst." Michelle Kedmenec arbeitet für die "Potenzial Pioniere", ein Unternehmen aus Wiesbaden, das durch inklusive und emotionale Erlebnisse neue Perspektiven für Gesellschaft und Wirtschaft sichtbar macht. Dabei sollen vor allem die Barrieren in den Köpfen der Menschen fallen.Beteiligt am Projekt sind die Geschwister-Scholl-Schule, die Pestalozzischule, die Rabanus-Maurus-Schule (Domgymnasium), die Lichtbergschule Eiterfeld sowie die Arbeitsschule Startbahn und die Antonius-von-Padua-Schule. (pg/pm) +++