Wird hier bald Kerosin hergestellt?
Millionen-Chance oder Risiko? Technologiezentrum sorgt für Wirbel
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02.09.2026 / GROßENLÜDER -
Ein geplantes Technologiezentrum sorgt derzeit in Großenlüder (Kreis Fulda) für Kritik. Auf dem Gelände der Lüdertaler Bioenergie "Am Witteroth" will das Unternehmen Hydro-Source TEC GmbH aus Seligenstadt ein Innovations- und Technologiezentrum errichten. Bei einer Sitzung der Gemeindevertretung wurde nun die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens beschlossen.
"Damit ist weder eine abschließende Zustimmung zum Vorhaben noch eine Baugenehmigung verbunden. Vielmehr wird nun der rechtliche und planerische Rahmen geschaffen, in dem das konkrete Projekt umfassend geprüft werden kann", heißt es von Bürgermeister Florian Fritzsch. Auf der Anlage soll eine Technologie zum Einsatz kommen, bei der CO2 aus Industrieabgasen genutzt und daraus synthetische Kraftstoffe hergestellt werden können - wie unter anderem Kerosin.
Bis zu 240.000 Tonnen synthetische Kraftstoffe könnten hier einmal produziert werden. Neben Kerosin kann mit der neuen Technologie auch Biodiesel und Wasserstoff produziert werden. Der Schwerpunkt liege aufgrund der Wirtschaftlichkeit aber auf synthetischem Kerosin.
Die Gemeinde will dabei innovative Technologien und neue gewerbliche Entwicklungen grundsätzlich ermöglichen, zugleich aber sicherstellen, dass die Belange der Bevölkerung, der Umwelt, der Verkehrsinfrastruktur und weiterer Schutzgüter angemessen berücksichtigt werden. "Die Gemeinde ist Möglichmacherin und nicht Verhinderin. Möglich wird ein solches Vorhaben aber nur auf einem rechtssicheren Weg und unter klaren Bedingungen", erklärt Bürgermeister Fritzsch. "Unser oberster Auftrag ist es, die Bürgerinnen und Bürger zu schützen und eine verträgliche Entwicklung des Standorts sicherzustellen."
"Die Bauleitplanung ist kein Umweg, sondern der sachgerechte und rechtlich erforderliche Weg", so Bürgermeister Fritzsch. "Sie ermöglicht eine konkrete, auf das Vorhaben zugeschnittene Prüfung. Ein pauschales Durchwinken über einen einfachen Bauantrag wird der Dimension und den offenen Fragen des Projekts nicht gerecht."
Von besonderer Bedeutung ist die verkehrliche Erschließung. Die bisher vorliegenden Angaben enthalten unterschiedliche Größenordnungen zum erwarteten Verkehrsaufkommen. In einer ersten Projektskizze ist von bis zu zwölf Lkw für die Anlieferung und bis zu 15 Tanklastzügen für den Abtransport pro Arbeitstag die Rede. Im Positions- und Informationspapier Anfang August 2026 werden demgegenüber unter anderem 150 Lkw-Fahrten pro Woche beziehungsweise 300 Fahrbewegungen genannt. Das muss nun in einem Gutachten geprüft werden.
Für Großenlüder wäre das Projekt verlockend. Neben Arbeitsplätzen könnte die Gemeinde auch Millionen an Gewerbesteuern einnehmen. Bislang ist aber unklar, ob die Technologie in dieser Größenordnung funktioniert – das sollen nun auch Gutachten klären. Vom Bau und einer tatsächlichen Realisierung ist man aber noch weit entfernt. (Moritz Pappert) +++
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