Der Stadtpfarrer bei O|N
Stefan Buß: Der Schutzengelmonat September
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
02.09.2026 / FULDA -
Aber Engel sind heute längst nicht nur ein Thema der Kirche. Engel begegnen uns überall: auf Bildern, Schmuckstücken, in Büchern, in der Werbung. Es gibt Engelkalender, Engelsteine, Engelmeditationen und eine ganze Welt der Esoterik. Manchmal werden Engel dabei zu einer Art himmlischen Glücksbringer: "Mein Engel passt auf mich auf."
Da lohnt es sich zu fragen: Was bedeuten Engel eigentlich im christlichen Glauben? Was machen die Engel für uns Menschen aus?
Wenn der Engel Gabriel Maria erscheint, dann bringt er ihr eine Botschaft Gottes. Wenn die Engel den Hirten in Bethlehem die Geburt Jesu verkünden, dann zeigen sie auf Christus. Und wenn ein Engel Menschen begleitet, dann bedeutet das: Du bist nicht allein. Gott ist dir nahe.
Viele von uns haben als Kinder gelernt: "Heiliger Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein." Vielleicht haben wir dieses Gebet irgendwann vergessen. Aber der Gedanke dahinter ist wunderschön: Gott lässt uns nicht allein durch unser Leben gehen. Der Schutzengel ist ein Bild für die liebevolle Begleitung Gottes.
Wir kennen Situationen, in denen wir sagen: "Da hatte ich aber einen Schutzengel!" Vielleicht war es ein Unfall, dem wir gerade noch entkommen sind. Vielleicht eine Begegnung, die im richtigen Moment kam. Vielleicht ein Mensch, der uns etwas gesagt hat, was wir gerade dringend hören mussten.
Natürlich können wir nicht jede glückliche Fügung einfach einem Engel zuschreiben. Aber wir dürfen glauben: Gott begleitet mich. Gott lässt mich nicht fallen. Vielleicht ist das sogar eine der schönsten Botschaften des Schutzengelmonats: Gott schickt uns nicht nur unsichtbare Engel. Manchmal macht er Menschen zu Engeln füreinander.
Ein Mensch, der einem anderen zuhört, wenn dieser nicht mehr weiterweiß. Eine Mutter, die nachts am Bett ihres Kindes sitzt. Ein Vater, der seinem Kind Mut macht. Ein Freund, der bleibt, obwohl alle anderen gegangen sind. Eine Pflegekraft, die einen alten Menschen mit Würde behandelt. Ein Lehrer, der einem jungen Menschen etwas zutraut. Ein Nachbar, der einfach hilft, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Solche Menschen können für uns zu Engeln werden.
Wenn in der Bibel ein Engel erscheint, hören wir erstaunlich oft zuerst die Worte: "Fürchte dich nicht!" Auch wir kennen Ängste: Angst vor der Zukunft, vor Krankheit, vor Einsamkeit, vor dem Scheitern, vor dem Verlust eines Menschen. Der Engel sagt nicht: "Es wird niemals etwas Schlimmes passieren." Er sagt etwas Tieferes: "Fürchte dich nicht. Du bist nicht allein." Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft des Schutzengelmonats. (Stefan Buß) +++