Im Krankenhaus gestorben
Norwegen trauert um König Harald - und begrüßt König Haakon
Archivfoto: Thomas Fure/NTB/dpa
28.08.2026 / OSLO -
In tiefer Trauer gedenken die Norwegerinnen und Norweger auf dem Schlossplatz ihres Königs. Viele haben Tränen in den Augen, als sie nach der Nachricht vom Tod Haralds V. Blumen niederlegen. Um 6.35 Uhr war der 89-Jährige im Reichskrankenhaus friedlich und für immer eingeschlafen, wie das Königshaus mitteilte. Den Thron erbt Haralds Sohn Haakon, der wie weitere Familienmitglieder am Krankenbett gewacht hatte.
Am Mittag wählte der 53-Jährige den Leitspruch "Alt for Norge", also "Alles für Norwegen" - wie schon sein Vater und Großvater. Seine Ehefrau Mette-Marit (53) ist die neue Königin. Die gemeinsame Tochter Ingrid Alexandra (22) führt den Titel der Kronprinzessin als erste Thronfolgerin. Gemeinsam mit ihr begrüßte Haakon am Mittag die Mitglieder der norwegischen Regierung, die sich im Anschluss in ein Kondolenzbuch eintrugen und auch Blumen niederlegten. Der Übergang zwischen der vergangenen Königsära und der neuen erfolgte fließend.
Harald V. schlief friedlich ein
Die Nachricht über den Tod des Königs traf die Norweger um halb neun am Morgen. Um 6.35 Uhr war der 89-Jährige im Reichskrankenhaus friedlich und für immer eingeschlafen, wie das Königshaus mitteilte. Eine Passantin erzählte der Deutschen Presse-Agentur, sie habe davon im Bus im Radio erfahren. Sie sprach von einem "Schock" und davon, sofort geweint zu haben. Darauf sei niemand vorbereitet, sagte sie. Am Abend sollte der Sarg mit dem Monarchen zum Schloss gefahren werden.Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut - war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.
Trauer auch in anderen Monarchien
"Eine ganze Nation trauert, und das norwegische Volk ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben im Dienste Norwegens", sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre. "Mehr als drei Jahrzehnte lang demonstrierte Harald V. als Monarch ein unerschütterliches Vertrauen in das norwegische Volk. Er half uns, das Beste in uns selbst und ineinander zu sehen."Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Seit 2024 war er etwa dauerhaft auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Außerdem hatte er häufig mit Atemwegs-Erkrankungen zu tun. Im Februar war der Monarch während eines Urlaubs auf Teneriffa mit Sonja wegen einer Infektion ins Krankenhaus gekommen. Auch das Gehen fiel ihm seit längerer Zeit schwer.
Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt. "König Haralds Lebensgeschichte ist außergewöhnlich", sagte der schwedische König Carl XVI. Gustaf. "Über all die Jahre war der König für mich, meine Familie und für Schweden ein guter Freund."
Beliebt bei den Norwegern
Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art - und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Nach der Flüchtlingskrise positionierte er sich mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner. Beliebt war der Monarch auch wegen seines trockenen Humors. Er galt als begeisterter Segler und Wintersportler.Unsichere Zukunft für die norwegische Monarchie
Ohne Harald V. ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie steuert. Denn während der König in seinem Land enormen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Kronprinzenfamilie zuletzt stark erschüttert. Kronprinzessin Mette-Marit war wegen ihrer engen Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik geraten. Nach dem Tod des Königs wird die 53-Jährige laut Aussagen von Verfassungsrechtlern nicht automatisch Königin - die Entscheidung über ihre Rolle obliegt dem neuen König Haakon.
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