Sicherheitsprogramm wirkt
"Hünfeld ist sicher": Kompass zieht positive Bilanz nach fünf Jahren
Fotos: Bernd Vogt
28.08.2026 / HÜNFELD -
Fünf Jahre nach der Aufnahme in das hessische Sicherheitsprogramm Kompass hat die Stadt Hünfeld Bilanz gezogen. Bei einer Sicherheitskonferenz im Rathaussaal stellten die Verantwortlichen gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Osthessen die bisherigen Ergebnisse des Prozesses vor – darunter die Auswertung einer großangelegten Bürgerbefragung. Das zentrale Fazit fiel positiv aus, zugleich wurde deutlich, dass der Weg damit nicht endet.
Klares Fazit des Bürgermeisters
"Ich begrüße Sie alle herzlich zu unserer heutigen Kompass-Sicherheitskonferenz", eröffnete Bürgermeister Benjamin Tschesnok die Veranstaltung. Er verwies auf die Befragung, mit der erhoben wurde, ob sich die Menschen in Hünfeld sicher fühlen, welche Ängste bestehen und an welchen Stellen die Sicherheit möglicherweise verbessert werden könnte. Sein Fazit fiel eindeutig aus: "Hünfeld ist sicher – und die Menschen fühlen sich in Hünfeld auch sicher." Ein Thema, das aus der Befragung hervorging, war die Beleuchtung: Bessere Ausleuchtung nächtlicher Straßen kann das Sicherheitsgefühl spürbar erhöhen, auch unabhängig von der tatsächlichen Kriminalitätslage. Was hinter Kompass steckt
Die Stadt Hünfeld war 2021 in das Programm aufgenommen worden. Kompass steht für "KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel" und ist ein Angebot des Hessischen Innenministeriums an Städte und Gemeinden. Ziel ist es, die Sicherheitsarchitektur in den Kommunen individuell weiterzuentwickeln und passgenaue Lösungen für Probleme vor Ort zu erarbeiten. Bestehendes wird dabei auf den Prüfstand gestellt und eine detaillierte Maßnahmenliste entwickelt. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Prävention. Von grundlegender Bedeutung ist, dass alle Partner mit Sicherheitsaufgaben gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern an einen Tisch geholt werden. Das Besondere: Neben den objektiven Zahlen der Kriminalstatistik bilden die Sorgen und Ängste der Bevölkerung das Herzstück des Prozesses. Immer wieder zeige sich nämlich, dass Menschen Bedenken haben, bestimmte Bereiche ihrer Kommune – gerade abends oder nachts – zu betreten, ohne dass sich diese Sorge durch registrierte Straftaten belegen ließe. Am Ende des Prozesses kann das Land das Kompass-Sicherheitssiegel verleihen.
Die Bürgerbefragung: Repräsentativ und wissenschaftlich begleitet
Ein Kernstück des Hünfelder Prozesses stellten Polizeioberkommissar Dennis Metz und Bastian Bayer vor: die Bürgerbefragung, die in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt wurde. Die Hochschule begleitet das Kompass-Programm seit seinem Start wissenschaftlich. Grundgesamtheit war die Bevölkerung Hünfelds mit rund 15.000 Personen. Aus dieser wurde eine Zufallsstichprobe gezogen und angeschrieben. Die Rücklaufquote lag bei rund 23 Prozent – ein solider Wert für eine schriftliche Befragung. Die Zusammensetzung der Teilnehmenden erwies sich dabei als tragfähig: Männer und Frauen waren etwa zur Hälfte vertreten, und auch die Altersstruktur der Befragten deckte sich weitgehend mit derjenigen der Stadt insgesamt.
Kriminalität rangiert weit hinten
Aufschlussreich war bereits die Eingangsfrage der Erhebung. Sie zielte bewusst nicht sofort auf das Thema Sicherheit, sondern erfasste zunächst ganz allgemein, welche Probleme die Bürgerinnen und Bürger in ihrer Kommune sehen – um daraus eine Relation abzuleiten. Das Ergebnis: Im Themenkomplex Kriminalität und Sicherheit sahen lediglich 5,2 Prozent der Befragten ein vordringliches Problem. Andere Anliegen wurden deutlich häufiger genannt. Für die Verantwortlichen ist das ein aussagekräftiger Befund, der die positive Grundeinschätzung stützt. Von der Analyse zur Maßnahme
Dennis Metz erläuterte auch den grundsätzlichen Ablauf des Programms. Kommunen können sich als Kompass-Kommune oder als Kompass-Partner beteiligen. Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: Ein gemeinsames Gremium mit Vertretern aus Verwaltung, Polizei, Vereinen und weiteren gesellschaftlichen Gruppen kommt zusammen, um zu ermitteln, wo der Bevölkerung der Schuh drückt.Aus der Auswertung leiten sich anschließend konkrete Maßnahmen ab – von baulichen Verbesserungen wie Beleuchtung oder dem Rückschnitt von Bewuchs bis hin zu sozialen und präventiven Angeboten. Metz verwies darauf, dass der Prozess in Hünfeld wie andernorts durch die Corona-Jahre zeitweise ausgebremst wurde, inzwischen aber wieder deutlich an Fahrt aufnimmt.
Jasmin Hohmann wird "Schutzfrau vor Ort"
Ein sichtbares Ergebnis des Prozesses stellte sich an diesem Nachmittag persönlich vor: Polizeihauptkommissarin Jasmin Hohmann übernimmt künftig die Aufgabe der "Schutzfrau vor Ort" – ein Baustein, für den das Kompass-Programm ebenfalls steht. Auch auf dem Wochenmarkt will Hohmann regelmäßig präsent sein. "Das ist schon immer mein Beruf gewesen – aber nicht nur der Beruf, sondern die Berufung. Ich lebe das", sagte sie über ihre Arbeit. Für Gerechtigkeit zu sorgen, sei von Anfang an ihre Motivation gewesen.
Der Gedanke des Schutzmanns von früher
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, warum diese Stelle als so wertvoll gilt. Die Idee knüpft bewusst an ein älteres Bild an: den Polizisten, der auf dem Markt steht, mit den Menschen ins Gespräch kommt und ein Gesicht hat. Genau diese Ansprechbarkeit hebt das Sicherheitsgefühl – jemand ist da, jemand hört zu, jemand nimmt sich Zeit. Das unterscheidet die Aufgabe vom regulären Streifendienst, wo der nächste Einsatz jederzeit dazwischenkommen kann. Die Schutzfrau vor Ort hat dagegen ausdrücklich Zeitanteile für Prävention, Aufklärungsarbeit und Gespräche eingeplant. Gerade bei Themen wie Angst und Unsicherheit in bestimmten Bereichen der Stadt kann sie gezielt nachhaken: Wo genau bestehen Sorgen? Und was lässt sich dort konkret tun?
Gemeinsame Aufgabe, gemeinsamer Weg
Als roter Faden zog sich durch die Konferenz die Überzeugung, dass Sicherheit nur im Zusammenspiel entsteht – zwischen Kommune, Polizei, weiteren Akteuren und den Bürgerinnen und Bürgern. Die Sicherheitskonferenz diente dabei ausdrücklich als Zwischenstopp: ein Blick zurück auf das Erreichte, verbunden mit einem Ausblick darauf, was noch ansteht.