Kampf gegen Krebserkrankungen

"Je früher, desto besser" - Warum die HPV-Impfung für Jugendliche so wichtig ist

HPV-Impfung hilft! Mit einer neuen Kampagne soll die Impfung von Kindern und Jugendlichen stärker vorangetrieben werden.
Fotos: O|N/Nikolas Krudewig

21.08.2026 / FULDA - Jedes Jahr erkranken in Deutschland Tausende Menschen an Krebsarten, die mit Humanen Papillomviren (HPV) in Verbindung gebracht werden. Viele dieser Erkrankungen könnten durch eine rechtzeitige Impfung verhindert werden. Gemeinsam mit dem Gesundheitsnetz Osthessen hat der Förderverein für Krebsberatung Fulda eine neue Kampagne ins Leben gerufen, die vor allem Jugendliche über HPV-Impfungen aufklären soll.



"Die HPV-Impfung ist ein wichtiges Thema, das leider noch nicht im nötigen Ausmaß in der Gesellschaft angekommen ist. Der Weg für die Impfung bei Kindern und Jugendlichen muss frühzeitig begangen werden. Nur eine Steigerung der Impfquoten kann dafür sorgen, dass Inzidenzen sinken", sagt Professor Horst Feldmann, Vorsitzender des Fördervereins der Krebsberatungsstelle in Fulda.

"Die Möglichkeit, eine Krebsart fast komplett zu besiegen"

HPV gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Viren weltweit. Die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt und heilen von selbst aus. Bestimmte HPV-Typen können jedoch langfristig verschiedene Krebsarten, darunter Mund- und Rachenkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Penis- und Analkarzinome, verursachen. Die mittlerweile gut erforschte HPV-Impfung hilft, eine Erkrankung mit hoher Erfolgsquote zu verhindern. 2008 erhielt der deutsche Virologe Harald zur Hausen den Nobelpreis für Physiologie und Medizin für seine bahnbrechende Forschung und die Wegbereitung eines Impfstoffes.

Medizinisch ist die Impfung umfassend etabliert, in der Gesellschaft ist das Thema seither jedoch kaum präsent. "Zu Beginn unserer Bemühungen konnten wir die Impfquoten tatsächlich steigern, jedoch wurde der Fortschritt durch die Corona-Krise ausgebremst", wie Professor Feldmann auf einer Pressekonferenz erzählt. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsnetz Osthessen will der Förderverein der Krebsberatungsstelle das Thema HPV-Impfung wieder verstärkt in den gesellschaftlichen Fokus rücken.

Der Impfstoff ist besonders bei Kindern und Jugendlichen im Alter von neun bis 14-Jährigen effektiv. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) liegt die Erfolgsquote der Impfung bei der Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs im Zusammenhang mit HPV bei 95 Prozent. "Es ist von essenzieller Bedeutung, Menschen vor dem ersten Sexualkontakt zu impfen", wie Dr. Jörg Simon betont, Aufsichtsratsvorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen. "Das führt nicht nur dazu, die Personen selbst zu schützen, sondern die Verbreitung des Virus durch weitere Ansteckungen zu verhindern."

"Corona hat zu großer Skepsis geführt"

Trotz breiter wissenschaftlicher Erkenntnis ist die Impfquote sehr gering. "Die Auswertung der Zahlen zur Impfquote bei HPV war für uns sehr ernüchternd", wie Gabriele Bleul sagt, Geschäftsführender Vorstand beim Gesundheitsnetz Osthessen. Mit 52 Prozent im Jahr 2024 lag die Impfquote von Mädchen im Alter von 15 Jahren in Hessen knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Bei Jungs im gleichen Alter ist die Quote mit 36 Prozent noch wesentlich geringer.

Besonders die Corona-Krise hätte zu einer allgemeinen "Impfmüdigkeit" geführt, wie es auf der Pressekonferenz heißt. Besonders die Eltern hätten Vorbehalte, ihre Kinder in diesem Alter noch zusätzlich zu impfen. "Aufgrund der vielen Impfungen von Kindern in diesem Alter sind Eltern dann oft verschreckt, noch eine weitere Impfung vornehmen zu lassen", wie Gabriele Bleul weiter erklärt. Im Zuge der neuen Kampagne sollen nun Flyer verteilt werden, über die Eltern und Jugendliche über QR-Codes umfangreiche Informationen einholen können.

Auch Prof. Dr. Dirk Breitmeier unterstützt die neue Kampagne zur HPV-Impfung. Als Fachbereichsleiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Fulda sieht er die Skepsis gegenüber der Impfung als unberechtigt. "Die Impfreaktionen sind minimal bis verschwindend gering. Sie sind absolut nicht zu vergleichen mit den Reaktionen auf die Corona-Impfstoffe", betont Dirk Breitmeier und verweist ebenfalls auf die hohe Schutzwirkung. "Bis zum 26. Lebensjahr wird die Impfung auch komplett von den Krankenkassen bezahlt", fügt er hinzu.

Schweden als Vorbild

Als großes Vorbild für die Impfquote gilt derzeit Schweden. Dort werden Eltern vom Staat direkt angeschrieben und auf die HPV-Impfung hingewiesen. Schwedische Schulen bieten die Impfung kostenfrei an, was zu einer Impfquote jenseits der 80 Prozent geführt hat. "Davon sind wir in Deutschland meilenweit entfernt. Daher braucht es weiter kontinuierliche Aufklärung", wie Dr. Jörg Simon auf der Pressekonferenz sagt.

Genau diese Aufklärung versucht die Kampagne nun voranzutreiben. Doch auch mit Blick auf die deutschen Schulen gibt es in Deutschland Nachholbedarf. Ein flächendeckendes Informationsangebot fehlt und die Länder hinken bei der Umsetzung oft hinterher. Einzelne Projekte sind hier der erste Schritt, das Thema weiter in der Gesellschaft zu etablieren. Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser. Eltern sind dazu angeraten, sich frühzeitig mit der HPV-Impfung auseinanderzusetzen. (kru) +++

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