Bewegung ist Leben

Tiere in Bewegung – Ausstellungseröffnung im Vonderau Museum

Ein Kuckucksjunges wird von einer Bachstelze, seinen Wirtseltern, gefüttert
Alle Fotos: Martin Engel

20.08.2026 / FULDA - Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Kuckuck. Das bedeutet: Sie sind ungesellig, haben wechselnde Partner, legen Ihre Eier in fremde Nester und kümmern sich nicht um die Aufzucht Ihres Nachwuchses. In Europa sind Sie damit singulär – denn außer Ihnen gibt es keinen anderen sogenannten Brutschmarotzer. Sie haben – falls Sie ein Männchen sind – einen wunderschönen Ruf, den bekannten Doppelruf "Kuckuck, Kuckuck". Falls Sie ein Weibchen sind, legen Sie Jahr für Jahr Eier in die Nester jener Vogelart, die Sie selbst einst aufgezogen hat. Und Ihre Eier sehen denen der Wirtsvögel erstaunlich ähnlich.


Wege, Barrieren, Chancen

Also alles bestens beim Kuckuck? Von wegen. Durch die vom Menschen verursachten Veränderungen seines Lebensraums geraten auch seine Wirtsvogelarten unter Druck. Hinzu kommt der Klimawandel. Anders als bei vielen seiner Wirtsvögel verschiebt sich der Zug des Kuckucks nicht einfach mit steigenden Temperaturen – und das bringt ihn mittlerweile in beträchtliche Schwierigkeiten. Wenn der Kuckuck im April und Mai aus seinem Winterquartier in Afrika zurückkommt, sind manche seiner Wirtsvögel bereits weiter im Brutgeschäft, denn die Brutzeiten haben sich durch den Klimawandel nach vorn verschoben.

Stellen Sie sich das einmal vor – da fliegen Sie Tausende von Kilometern, um dann womöglich zu spät für das passende Nest zu kommen. Es sind viele Faktoren, die zusammenwirken und dem Kuckuck das Leben schwer machen. In Deutschland wird er seit 2020 auf der Roten Liste der Brutvögel als "gefährdet" geführt.

Wer sich bewegt, überlebt

Der Kuckuck ist neben Erdkröte und Wolf eine von drei Tierarten, an denen die Ausstellung "Tiere in Bewegung" im Vonderau Museum zeigt, wie und warum Tiere unterwegs sind. Manche sind schnell, andere langsam, manche bewegen sich nur wenige Meter, andere überwinden Tausende von Kilometern. Sie suchen Nahrung oder Partner, wandern zu ihren Fortpflanzungsstätten oder erschließen neue Lebensräume. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt tierischer Wanderungen, ihre erstaunlichen Strategien – und die Hindernisse, denen Tiere in einer vom Menschen geprägten Landschaft begegnen.

In ihrer Einführung veranschaulichte Kuratorin Mona Hutter, welche Bedeutung Bewegung im Tierreich hat. Tiere sind ständig unterwegs, stoßen dabei an Grenzen, treffen auf unterbrochene Wanderwege oder verlieren Lebensräume. Umso wichtiger sind Anpassungsfähigkeit und Ausdauer. Und, so möchte man ergänzen, die Bereitschaft des Menschen, Tieren ihren Raum zu lassen.

Wie wenig es manchmal braucht, machte Hutter am Beispiel der Erdkröte deutlich. "Die paar Minuten mehr Fahrzeit wegen eines Krötenwanderwegs sind vergleichsweise wenig für Sie, verglichen damit, dass es für die Kröte um eine neue Generation geht."

Zart-wehmütige Gitarrenklänge

Musikalisch sorgte Lora Kinova für zarte, melancholische und manchmal wehmütige Gitarrenklänge. Sie spielte zwei Werke der Barockkomponisten Filippo Gragnani und Fernando Carulli sowie ein Andante con moto von Johann Kaspar Mertz, einem Komponisten der Romantik. Musik, die – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – sehr gut zur Stimmung der Ausstellung passte. Denn bei aller Faszination für die erstaunlichen Leistungen wandernder Tiere zeigt "Tiere in Bewegung" auch, wie schwierig ihre Wege inzwischen geworden sind. Manche Arten können sich an veränderte Bedingungen anpassen. Andere schaffen es nicht oder nicht schnell genug.

Ein wenig Wehmut lag an diesem Abend noch aus einem anderen Grund in der Luft. Für Mona Hutter endet mit der Ausstellung auch ihre Zeit im Vonderau Museum. Zwei Jahre lang war sie dort als Volontärin tätig, "Tiere in Bewegung" ist ihre letzte Arbeit im Haus. Vielleicht passt selbst das zum Thema dieser Ausstellung: Irgendwann ist es Zeit, sich auf den Weg zu machen. (Jutta Hamberger) +++

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