"Herkunft ist Zukunft"

20 Jahre angestellt, 40 Jahre bei Elektrobau Bellinger: Marco Schleicher erzählt

Marco Schleicher - vom ersten Auszubildenden zum Geschäftsführer der Unternehmensgruppe. Dieses Jahr feiert er sein 40. Betriebsjubiläum.
Fotos: Schleicher Gruppe

05.09.2026 / ANZEIGE - Er kam vor 40 Jahren als Azubi ins Unternehmen, leitet den Betrieb seit 20 Jahren, hat seitdem die Mitarbeiterzahl von 45 auf 275 vergrößert und denkt noch lange nicht ans Aufhören: Marco Schleicher feiert Firmenjubiläum.



Wie er dahin gekommen ist, wo er jetzt steht, woran er gerade arbeitet und wie er die Zukunft der Schleicher Gruppe sieht, erzählt er hier.

Die Anfänge

"Ich wollte immer schon Handwerker werden und einen nützlichen Beruf erlernen, etwas machen, das im Alltag immer gebraucht wird. Meine Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb. In der Scheune gab es nur eine einzige Lampe, mehr Licht war da nicht. Da kam bei mir der Gedanke: Hier muss mal Licht reinkommen und so kam ich zur Ausbildung als Elektroinstallateur! Einen langfristigen Plan hatte ich in Bezug auf meine berufliche Zukunft aber nicht. Ich war 16, kein übermäßig guter Schüler und eher froh, aus der Schule draußen zu sein. Die Ausbildung war einfach die logische Konsequenz."

Vom Azubi zum Chef

"Gerhard Bellinger, mein damaliger Chef und Unternehmensgründer, hat früh erkannt, dass man mir Verantwortung übertragen kann. Fördern und fordern war bei ihm ein starkes Thema. Je mehr Verantwortung ich bekam, desto mehr Spaß hatte ich."

Schon in der Ausbildung übernahm Marco Schleicher schnell die Verantwortung für Baustellen. Das war kurz vor der Öffnung der innerdeutschen Grenze, er nahm die geflüchteten Facharbeiter aus der ehemaligen DDR unter seine Fittiche und durfte mit ihnen Baustellen abwickeln. "Ich war damals selbst noch in der Ausbildung. Das hört sich heute verrückt an, aber das war so", erklärt Marco Schleicher.

Nach einer Station als Niederlassungsleiter in Hildburghausen übernahm er 2006 das Unternehmen von Gerhard Bellinger.

Heute und die Zukunft

Schleicher denkt nicht in Kategorien wie "angestellt" oder "Chef", sondern in Jahrzehnten. "Ich habe jetzt mein fünftes Kapitel aufgeschlagen. Hier liegt der Fokus auf Ausbildung, Qualifikation und Quereinsteigern. Für mich ist der Mensch mit seinem Potenzial, seinen Begabungen das Wichtigste, im Mittelpunkt steht nicht das Zertifikat oder die Qualifikation auf dem Papier. Die persönliche Stärke jedes Menschen muss mit den betrieblichen Anforderungen zusammenkommen."
"Ehrlich, loyal", antwortet er auf die Frage, welche Menschen zum Unternehmen passen. "Ich brauche Menschen, die ihre Meinung sagen, keine "Nicker". Die Mitarbeitenden sollen mitdenken."

"Mein Ziel ist es, eine Ausbildungsakademie zu gründen. Ich will eine fundierte Grundausbildung sicherstellen. Aktuell treffen fachlich gute, ältere Menschen, , auf eine junge Generation mit viel Potenzial, aber mit Bildungs- und Erziehungsdefiziten. Die finden nicht zusammen, das passt nicht mehr so gut. Also müssen wir Wege finden, diesen tollen Azubis die nötigen Kompetenzen anders zu vermitteln." Es geht Marco Schleicher dabei nicht nur um Wissen und Können, sondern insbesondere um das menschliche Miteinander. "Wir haben rund 30 Azubis, richtig tolle Menschen. Da bekomme ich Gänsehaut. Die möchte ich noch weiter fördern."

Ein Grundstück für das Ausbildungszentrum ist bereits gekauft. Dort soll auch ein Lehrlingswohnheim entstehen. Die Schleicher Gruppe verfügt über acht Standorte in drei Bundesländern, die bis zu 300 Kilometer voneinander entfernt sind. Im Wohnheim sollen die Azubis zusammenkommen. Geplant sind Blockunterricht, Freizeitmöglichkeiten und ein Übungsfeld für praktische Tätigkeiten.

Schleicher schwärmt: "Unsere Azubis sollen auf Übungsbaustellen lernen, ein Bauvorhaben in Absprache mit den Kunden ganz alleine zu bearbeiten, unter engmaschiger Betreuung natürlich." Als Nachwuchskräfte sieht Marco Schleicher nicht nur die aktuellen Azubis: "Wir brauchen auch Quereinsteiger, Umschüler und Menschen mit Migrationshintergrund, die wir befähigen können. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, zu fachlich kompetenten Mitarbeitern zu werden, und das leistet kein Stempel auf dem Papier, sondern eine fundierte Ausbildung."

In seinem sechsten Kapitel möchte er vor allem Werte wie Beständigkeit und Bodenständigkeit vermitteln. Dazu gehört für ihn auch, Streit zu vermeiden und Lösungen zu finden. "Streit ist Energieverschwendung und führt zu keinem Ergebnis. Ich will nicht streiten. Ich suche lieber nach Lösungen."

Auch die Übergabe des Unternehmens beschäftigt ihn: "Das Unternehmen will ich gut in die nächsten Hände geben. Das ist der Plan für die nächsten zehn Jahre. Danach stehe ich zum Beispiel als Beirat zur Verfügung, aber ich will nicht mehr an erster Stelle stehen."

Familienunternehmen?

"Meine Frau und ich haben drei wunderbare Söhne und auch meine beiden Neffen tragen bereits einen großartigen Teil zum Erfolg des Unternehmens bei. Das sind tolle junge Menschen, auf die ich sehr stolz bin und die sich prächtig entwickeln."

"Natürlich wünscht sich jeder Unternehmer, dass die eigenen Kinder irgendwann übernehmen. Entscheiden müssten sie das jedoch selbst. "Meine Arbeit zu übernehmen heißt, Verantwortung zu übernehmen und mit Entbehrungen zu leben. Das müssen die jungen Leute selbst wollen. Ich will und darf sie da nicht reinpressen."

Höhen und Tiefen als Unternehmer

Marco Schleicher: "Die schwierigsten Herausforderungen der letzten Jahre waren für mich, zu lernen, mit großen Investitionssummen umzugehen. Durch meine Herkunft, meinen Hintergrund, bin ich eher bodenständig. Ich will kein Geld ausgeben, das nicht vorhanden ist und vorsichtig wirtschaften. Aber ein Unternehmen braucht Wachstum, Man muss in Gebäude, Maschinen und Technik investieren. Ich investiere Jahr für Jahr mehr als ich möchte, und ich sehe, dass diese Investitionen nicht kleiner werden. Das ist schwierig für mich zu akzeptieren, aber es ist eine Notwendigkeit. Ein Unternehmen muss sich ständig erneuern, um den Fortbestand zu sichern."

Aktuell machen uns der Iran- und der Ukrainekrieg zu schaffen. Die Spritpreise und die Besteuerung steigen, Der Markt wird schwieriger. " Junge Menschen wollen den Weg, den ich gegangen bin, oft gar nicht mehr gehen. Denn sie sehen, wie schwierig das ist. Behördliche Genehmigungen, Berichtspflichten, Vorschriften – das schreckt ab. Ich habe oft den Eindruck, wir verwalten uns zu Tode."

Taten statt Worte

Für Marco Schleicher zählen nicht nur Worte, sondern Taten. Handschlagqualität, Lösungsorientierung, Engagement und Zusammenhalt prägen das Unternehmen seit Jahrzehnten und sollen das auch in Zukunft. Denn bei allem Wachstum und allen Plänen bleibt für ihn eines entscheidend: Ein Unternehmen ist nur so stark wie die Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen, anpacken und Lösungen finden.

Nach 40 Jahren richtet sich sein Blick deshalb nicht nur auf das Vergangene zurück, sondern vor allem nach vorn: auf die nächste Generation und die Aufgabe, das Unternehmen so weiterzuentwickeln, dass Bewährtes erhalten bleibt und Neues entstehen kann. +++


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