✕

"Starke Marken in Osthessen" (2)

Vorzeigebeispiel der Markenführung: Das ist das Erfolgsgeheimnis von Papperts

Die Eröffnung der neuen Backstube in Eichenzell ist ein weiterer Meilenstein von Papperts
Archivfotos: ON/ Carina Jirsch

26.09.2026 / EICHENZELL - In wirtschaftlich schwierigen Zeiten profitieren Unternehmen zunehmend von einer starken Markenidentität. Klar ist: Eine konsistente Markenführung schafft Vertrauen - das führt zu einer langfristigen Kundenbindung. Dadurch werden starke Unternehmen widerstandsfähiger und schaffen es leichter, Krisen zu überwinden. In unserer Serie "Starke Marken in Osthessen" stellen wir Unternehmen vor, die mit ihrer klaren Positionierung weit über die Region hinaus Strahlkraft entwickeln.



In unserer Serie sprechen wir mit den Geschäftsführern starker Marken in Osthessen unter anderem darüber, was ihre Marke besonders erfolgreich macht, welche Rolle eine konsistente Strategie für langfristigen Erfolg spielt und darüber, was andere Unternehmen von ihnen lernen können. Heute Teil 2 der Serie. Im Interview: Papperts-Geschäftsführer Manfred Klüber.

1928 legte Wilhelm Pappert den Grundstein für die heutige Bäckerei Pappert in Poppenhausen (Kreis Fulda) in der Rhön. Heute, fast 100 Jahre später, wurde zwar der Standort gewechselt, die Werte sind aber geblieben - und die Marke ist enorm gewachsen. Mittlerweile wird die Bäckerei schon in der 7. Generation betrieben und die nächste Generation arbeitet auch schon aktiv im Betrieb mit.

Entstanden sind bis heute über 180 Standorte und ein Wiedererkennungswert, der weit über die Region Fulda hinausgeht – die Geschichte der Bäckerei Papperts ist ein Vorzeigebeispiel in Sachen Markenführung.

Konsistenz ist der Schlüssel

"Wir haben mit der Backware eine Marke geprägt und versucht, sie überall in den Vordergrund zu stellen. Das ist eine Entwicklung über eine ganz lange Zeit hinweg", sagt Manfred Klüber. Trotz kleiner Veränderungen sei der Kern dabei über Jahrzehnte derselbe geblieben: gleichbleibende Qualität – im Produkt, im Service und im Erscheinungsbild. Heute reicht das Liefergebiet bis in einen Radius von rund 100 Kilometern – von Nordhessen bis Schweinfurt und Würzburg.

Das Markenversprechen: Egal ob in Fulda, Bad Salzungen oder Schweinfurt, wer zu Pappert geht, weiß, was er bekommt. Denselben Kaffee, denselben Snack, dasselbe Sortiment. "Der Gast kriegt bei uns überall die gleiche Qualität. Und dann ist es auch egal, wohin er geht." Dass diese Konsistenz Zeit braucht, betont Klüber ausdrücklich: "Um eine Marke aufzubauen, musst du einfach auch Zeit haben, sonst würde das nie funktionieren."

Das rote Logo – ein mutiger Schritt

Einen entscheidenden Wendepunkt in der Markengeschichte stellte vor rund 20 Jahren die Logoänderung dar. Weg vom klassischen "Pappert Bäckerei"-Schriftzug in Gelb, hin zu einem plakativen Rot – ohne den Zusatz "Bäckerei". Die Inspiration kam an einem unerwarteten Ort: dem Einkaufszentrum Kaiserwiesen in Fulda. "Da war Obi, da stand nirgendwo, dass es ein Baumarkt ist. Da war Adler, da stand nirgendwo, dass sie Mode verkaufen. Und dann haben wir gesagt: Das machen wir auch."

Damals war das mutig – vielleicht sogar gewagt. Heute ist das Ergebnis eindeutig: Das kräftige Rot von papperts ist im gesamten Einzugsgebiet unverwechselbar. Neben der visuellen Identität hat Papperts auch eigene Produktmarken geschaffen – "Handwerk", "Rhöner Korn" oder das Brot "1928" sind Beispiele, die über das einzelne Produkt hinaus zur Markenbildung beitragen. "Das schönste Kompliment ist, wenn Leute nicht mehr sagen, sie gehen zum Bäcker – sondern zu Pappert", so Klüber.

Mitarbeiter als Teil der Marke

Was viele unterschätzen: Auch die Mitarbeitermarke ist bei Papperts bewusst aufgebaut worden. Faire Entlohnung, Fitnessstudio, monatliche Verzehrgutscheine, ein Weihnachtsfest mit Christbaum für jeden Mitarbeiter und ein Oktoberfest als feste Institution – all das gehört dazu. "Wir wollten zeigen, dass es ein saugeiles, modernes Berufsfeld ist", sagt Küber. Der Erfolg gibt ihm recht: Die Loyalität der Belegschaft ist hoch, viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten dabei.

Was die Marke Papperts zusätzlich trägt, ist die tiefe Verwurzelung in der Region. Zutaten wie Mohn, Kümmel, Erdbeeren oder Zwetschgen werden so weit wie möglich regional bezogen – teils direkt vom Landwirt. Mit 31 Landwirten hat die Bäckerei Verträge zum Roggenanbau geschlossen. "Hier können wir jeden Schritt der Kette sehen – vom Anbau bis zur Ernte", berichtet Klüber. Das Getreide kommt dann zur Cramer-Mühle nach Schweinfurt und dann nach Rönshausen. 100 Prozent seines Roggenmehl-Bedarfs deckt die Bäckerei somit regional ab.

"Das ist gelebte Regionalförderung für die Landwirte. Wir haben kurze Lieferwege und Wertschöpfung in der Region bei toller Qualität. Besser geht es nicht." Aber beim Kunden zählt vor allem etwas anderes: "Ich bin immer der Meinung: Entweder es schmeckt oder es schmeckt nicht. Wenn es nicht schmeckt, dann ist den Kunden das auch wurscht, ob der Mohn aus Eschwege kommt oder der Kümmel aus der Rhön."

Mut als Unternehmerpflicht

Starke Marken brauchen Investitionen und den Mut dazu. Den hat Papperts zuletzt mit dem Neubau des Backhauses in Eichenzell-Rönshausen bewiesen – sichtbar von der A 7, direkt an der Kernregion. "Wenn wir der Marke kein Wachstum geben können, stirbt sie", erklärt Klüber die Entscheidung. Wer stehen bleibt, wird kleiner – weil alle anderen wachsen. "Die Schnellen fressen die Langsamen. Und wir wollten immer schnell sein." (Moritz Pappert) +++

X