Himmel über Bad Hersfeld hatte geöffnet

"Holy Rooftop" auf Parkdeck der City-Galerie - Dem Himmel ein Stückchen näher

"Holy Rooftop" auf dem Parkdeck der City-Galerie – Dem Himmel ein Stückchen näher
Fotos: Jürgen Böthig

07.08.2026 / BAD HERSFELD - Manchmal braucht es keine Wunder. Manchmal reicht ein Parkdeck. Bad Hersfeld. Wer am Donnerstag den Weg auf das Dach der City-Galerie fand, merkte schnell: Der Himmel über Bad Hersfeld war an diesem Sommerabend ein gutes Stück näher gerückt. Aus Beton wurde Begegnung, aus einem gewöhnlichen Parkhaus ein Ort mit Aussicht. Nicht nur über die Dächer der Festspielstadt, sondern auch auf das, was Kirche heute sein kann.



Party mit Segen

"Holy Rooftop" wurde zu einer Party mit Segen: dem Himmel ein Stückchen näher. Bis zu 800 Gäste begrüßten die Gastgeber auf dem Parkdeck. Es wurde getanzt, mitgesungen, gelacht und gefeiert. Trotz zeitweiliger Bewölkung blieb der Regenschirm überflüssig. Petrus zeigte sich gnädig und ließ den Sommerabend in bester Stimmung verlaufen.

Kirche mitten im Leben

Mit "Holy Rooftop" wagten die evangelischen Kirchengemeinden gemeinsam mit engagierten Geschäftsleuten, Ehrenamtlichen und Unterstützern ein Experiment, das eindrucksvoll aufging. Zwischen Liegestühlen, kühlen Getränken, Gegrilltem und entspannten Beats des DJ-Duos Daniel und "Sputi" entstand eine Atmosphäre, in der niemand nach Kirchenbänken suchte und trotzdem jeder willkommen war. Im Allgemeinen feiert die Kirche nicht nur einzelne Feste, sondern das gesamte Heilshandeln Gottes – Gottes Beziehung zu den Menschen. Im Mittelpunkt stehen Leben, Sterben und Auferstehung Jesu Christi. An diesem Abend wurde diese Botschaft auf ganz eigene Weise sichtbar: nicht im Gotteshaus, sondern mitten im Leben. Mit Musik, Begegnungen und einer Gemeinschaft, die zeigte, dass Glaube und Lebensfreude wunderbar zusammenpassen. Der Dresscode? Locker. Die Stimmung? Himmlisch.

Wochenlange Vorbereitung

Dekan Michael Zehender, die Pfarrerinnen Imke Leipold und Lea Müller sowie Pfarrer Frank-Nico Jaeger hatten gemeinsam mit Daniel und Tina Knauf, Matthias Laufer-Klitsch, Ulrike Zander-Kurz und zahlreichen Ehrenamtlichen wochenlang geplant. Das Ergebnis war ein Sommerabend, der zeigte, dass Kirche durchaus Höhenluft verträgt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Begeisterung auf dem Parkdeck

Mitorganisator Matthias Laufer-Klitsch blickte immer wieder über das voll besetzte Parkdeck und konnte sein Glück kaum fassen: "So viele Menschen – fantastisch." Seine Begeisterung spiegelte wider, was viele Besucher empfanden: Hier war etwas Besonderes gelungen. Und nach einer Wiederholung. Auch Festspiel-Intendantin Elke Hesse und Bürgermeisterin Anke Hofmann ließen es sich nicht nehmen, mitzufeiern und die außergewöhnliche Atmosphäre über den Dächern der Stadt zu genießen.

Sommerabend voller Begegnungen

Während die Sonne langsam hinter den Dächern verschwand und Bad Hersfeld in warmes Abendlicht tauchte, wurde gelacht, geredet und angestoßen. Menschen unterschiedlichsten Alters kamen miteinander ins Gespräch, manche kannten sich, viele lernten sich erst dort kennen. Es war ein After-Work-Abend ohne Termindruck, aber mit jeder Menge guter Begegnungen.

Improvisation mit Erfolg

Der Besucherandrang war so groß, dass zwischenzeitlich sogar die Getränke knapp wurden. Doch auch dafür fand sich eine pragmatische Lösung: Daniel Knauf richtete kurzerhand einen Shuttle-Service zum Getränkemarkt ein. Immer wieder rollte der Sprinter mit Nachschub aufs Parkdeck. Improvisiert, unkompliziert und mit Erfolg.

Der bewegendste Moment

Den wohl bewegendsten Moment des Abends gab es jedoch ganz ohne große Bühne. Plötzlich erklangen hoch über den Köpfen der Besucher Posaunen von der Balustrade des Stadtkirchenturms. Die festlichen Klänge legten sich über das Parkdeck, schwebten über die Innenstadt und verliehen dem Abend eine besondere, fast feierliche Note. Für einen Augenblick wurde es still und der Himmel schien tatsächlich ein wenig näher.

Segen zum Abschluss

Zum Abschluss schickte Dekan Michael Zehender die Gäste mit Gottes Segen auf den Heimweg. Ein stiller Moment nach einer ausgelassenen Feier. Vielleicht genau das, was diesen Abend so besonders machte. "Holy Rooftop" bewies eindrucksvoll, dass Kirche auch außerhalb ihrer Mauern Menschen erreichen kann. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit offenen Armen, guter Musik, fröhlichem Miteinander und einer Einladung, Gemeinschaft neu zu erleben.

Wer an diesem Donnerstag dabei war, wird sich vermutlich weniger an das Parkdeck erinnern als an das Gefühl, einen außergewöhnlichen Sommerabend erlebt zu haben. Einen Abend irgendwo zwischen Himmel und Asphalt. Genau das war die schönste Botschaft: Der Himmel über Bad Hersfeld hatte geöffnet. (Jürgen Böthig)

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