Wenn Wald aus Asche wächst
Jens Rausch eröffnet "Natur. Struktur. Spur" im Schloss Fasanerie
Fotos: Christoph Blum
07.08.2026 / EICHENZELL -
Perfektes Sommerwetter, ein Schlosspark im Abendlicht und ein Künstler, der Asche, Ruß und Bitumen in Wälder verwandelt: Mit einer stimmungsvollen Vernissage ist am Mittwochabend die Ausstellung "Natur. Struktur. Spur" von Jens Rausch im historischen Badehaus von Schloss Fasanerie eröffnet worden. Auf zwei Etagen und in vier Räumen zeigt der in Fulda geborene und in Schlitz aufgewachsene Maler bis zum 11. Oktober mehr als 60 Werke – darunter erstmals Arbeiten aus dem brandneuen Zyklus "Mondphase".
Es gibt Abende, an denen einfach alles passt. Die Temperatur: angenehm sommerlich statt drückend. Die Kulisse: das romantische Ambiente von Hessens schönstem Barockschloss. Und der Anlass: Kunst, die man nicht nur ansehen, sondern förmlich erschnuppern kann – "man riecht es, wenn man in die Räume der Ausstellung hineingeht", verriet Museumsdirektor Dr. Markus Miller den zahlreichen Gästen, denn viele der Arbeiten sind noch taufrisch und erst in diesem Jahr entstanden. Unter den Besuchern tummelten sich neben vielen Kunst- und Rausch-Freunden das noch amtierende Hessentagspaar Vera und Max Dudyka, Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund sowie der aus Fulda stammende Bundestagsabgeordnete Michael Brand.
Drei Jubiläen und eine Ausstellung
Der Eröffnungstermin war kein Zufall: Auf den Tag genau 100 Jahre zuvor, am 6. August 1926, wurde Landgraf Moritz von Hessen geboren – der Mann, dem das Badehaus seine heutige Bestimmung als Ausstellungsort verdankt. Seit dem Umbau 1989/90 finden hier Sonderausstellungen statt, seit nunmehr 35 Jahren. Und weil das Museum Schloss Fasanerie 1951 seine ersten Räume öffnete, feiert es in diesem Jahr obendrein sein 75-jähriges Bestehen. Drei Jubiläen, eine Ausstellung – mehr Fügung geht kaum. "Ich glaube, der Landgraf hätte an dieser Ausstellung seine Freude gehabt", so Miller. Denn der studierte Landwirt Moritz von Hessen hatte zeitlebens ein besonderes Faible für Bäume und Forstwirtschaft."Nix Alpen – das ist Asche"
Der Künstler selbst macht seinem Namen alle Ehre: Seine Bilder sind ein Rausch für die Sinne – und ein Spiel mit der Wahrnehmung. Von weitem wirken die großformatigen Waldansichten fast fotografisch. Wer näher herantritt, entdeckt geschichtete, krustige, aufgebaute Oberflächen, in die der Künstler mit scharfen Werkzeugen hineingeht, kratzt, ritzt, wieder abträgt – oder wie Dr. Markus Miller sagte: "Er baut seine Bilder mehr, als dass er sie malt". Asche, Erde, Bitumen, Kalk, Oxide und Blattgold stehen dabei gleichberechtigt neben der Ölfarbe. "Jens Rausch gelingt es, Natur nicht nur darzustellen, sondern ihre verborgenen Prozesse sichtbar werden zu lassen", sagt Miller, der mit dem Künstler wochenlang über die perfekte Hängung diskutierte – am Ende so konsequent, dass 16 der bereits angelieferten Werke zugunsten der Gesamtwirkung wieder die Heimreise antreten durften.Asche per Post – und Heimat zu Fuß
Die Asche ist für Jens Rausch mehr als ein zentrales Material, sie ist ein Stück Biografie. In seinen Hamburger Jahren ließ er sich den Rohstoff regelmäßig aus Schlitz schicken – seine Schwester fegte ihn aus dem heimischen Ofen. "In Hamburg war diese Art der Asche fast gar nicht zu bekommen", erinnert sich der Künstler. Seit seiner Rückkehr 2024 hat sich das Problem erledigt: "Heute stellen mir Schlitzer Bürger die Asche schon mal vor die Haustür. Wir sind ja alle durch Kohlenstoff irgendwie miteinander verbunden", sagt Rausch lachend – meint das aber durchaus wörtlich. Es fühle sich eben besser an, mit den Materialien des Ortes zu arbeiten, an dem man wohnt und sich heimisch fühlt, anstatt von dem, wo man gern wäre aber nicht sein kann.Und dieser Ort gibt ihm vieles, was er für seine Arbeit braucht: Jeden Morgen geht Rausch von seinem Wohnort Pfordt zu Fuß über den Tempelberg durch den Wald in sein Atelier in der Schlitzer Innenstadt – "kreativ und inspirativ aufgetankt" komme er dort an. Wie tief die Heimatverbundenheit reicht, zeigt ein Detail, das man leicht übersieht: In einem der Werke stecken Seiten eines uralten Schlitzer Telefonbuchs aus Zeiten, als die Rufnummern dort noch dreistellig waren. Wer beim Rundgang genau hinschaut, findet also nicht nur Wald, Gewässer und Mondlandschaften, sondern auch ein Stück lesbares Osthessen zwischen den Schichten.
Die Ausstellung auf einen Blick
"Jens Rausch: Natur. Struktur. Spur", Badehaus Schloss Fasanerie, Eichenzell7. August bis 11. Oktober 2026, geöffnet Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.
Eintritt: 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Kinder unter 14 Jahren frei; für Besucher des Museums Schloss Fasanerie ist die Ausstellung kostenfrei.