Autos raus aus der Innenstadt?

SPD-Innenstadtbegehung: Wie ändert der Klimawandel das Domstadt-Leben?

Bei der SPD-Innenstadtbegehung ging es vor allem um die zentrale Frage, wie der Klimawandel das Leben in Fulda mit beeinflusst.
Fotos: Rene Kunze

07.08.2026 / FULDA - Mehr Grün, weniger Verkehr, ein kühleres Stadtklima: Mit diesen Themen sind die SPD-Stadtfraktion und der SPD-Stadtverband Fulda zu einer Innenstadtbegehung aufgebrochen. Vom Bonifatiusplatz ausgehend führte die Route am Donnerstagnachmittag über Friedrichstraße, Universitätsplatz und Bahnhofstraße bis zum Pop-up-Biergarten an der Christuskirche.



Begleitet wurde die Gruppe von Stadtbaurat Daniel Schreiner, der den direkten Austausch ausdrücklich begrüßte – und beim zentralen Thema Hitze einen bemerkenswerten Akzent setzte.

Der Ausgangspunkt: ein aufgeheizter Platz

Nicht zufällig begann der Rundgang auf dem Bonifatiusplatz. Für Stadtverordnete Christine Fischer von der SPD-Fraktion steht der Ort sinnbildlich für die Probleme, die die Partei ansprechen möchte. "Fulda ist wirklich eine sehr schöne und lebenswerte Stadt", betonte sie. "Aber es gibt gewisse Themen, die aus unserer Sicht bisher zu wenig oder zum Teil gar keine Beachtung gefunden haben."

Der Platz sei ein gutes Beispiel: "Hier ist immer sehr viel Verkehr, die Autos fahren im Kreis und suchen nach Parkplätzen – und zeitgleich erhitzt sich die Stadt immer mehr." Gerade in der aktuellen Hitze falle auf, wie stark die Innenstadt versiegelt sei: "Es ist sehr viel zugepflastert und zugeteert und wenig Grün hier." Die SPD hat dazu bereits eine Idee eingebracht: einen Teil der Parkflächen auf dem Bonifatiusplatz zugunsten von mehr Grünfläche aufzugeben. "Das würde sich auch optisch sehr gut in das Bild zum Stadtschloss und zum Schlosspark einfügen", so Fischer.

Autos raus aus der Innenstadt?

Ausdrücklich richtet sich die SPD dabei nicht pauschal gegen Autofahrer. "Wir wissen, dass gerade Auswärtige mit dem Auto nach Fulda fahren", sagte Fischer. "Aber es gibt auch Parkplätze und Parkhäuser etwas außerhalb – man muss nicht unbedingt direkt in die Innenstadt fahren." Wer etwa zum Arzt müsse, könne kurz aussteigen und das Auto dann anders parken. Ziel des Rundgangs sei es, Ideen und Lösungsmöglichkeiten zu sammeln, die man künftig in die Stadtverordnetenversammlung einbringen wolle.

Streitthema Friedrichstraße

Ein Schwerpunkt lag auf der Friedrichstraße – für Fischer "schon sehr lange ein heiß umstrittenes Thema". Die Meinungen gingen weit auseinander: Die einen fänden es gut, dass dort Verkehr durchfahre, die anderen störten sich daran. Mit Blick auf die gewachsene Außengastronomie stellte Fischer die Sinnfrage: "Wenn zum dritten Mal dasselbe Fahrzeug abends vorbeifährt und Gas gibt, sodass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht, sollte sich vielleicht jeder selbst fragen, wie sinnvoll es ist, hier rund um die Uhr Verkehr durchzulassen."

Eine komplette Sperrung werde von den Geschäftsleuten allerdings kritisch gesehen – wofür sie Verständnis habe. Denkbar seien aber Modelle, die Straße zu bestimmten Tageszeiten verkehrsberuhigt zu gestalten. Das oft angeführte Parkplatz-Argument ließ Fischer nur bedingt gelten: So viele Parkplätze gebe es in der Friedrichstraße ohnehin nicht, und man müsse hinterfragen, "ob es wirklich notwendig ist, jeden Schritt mit dem Auto in die Stadt zu fahren".

Fehlender Schatten in Bahnhofstraße und am Universitätsplatz

Weiter ging es in die Bahnhofstraße, wo im Zuge der Erneuerung vor einigen Jahren zahlreiche große Bäume weichen mussten. Zwar seien neue Bäume gepflanzt worden, "die sind aber noch klein und spenden nicht so wahnsinnig viel Schatten", bemängelte Fischer. Ähnlich sei die Lage am Universitätsplatz: Wer dort im Sommer einen Info- oder Wahlstand betreut habe, wisse, wie stark sich der Platz aufheize.

Eine dauerhafte Bepflanzung mit Bäumen sei dort wegen der darunterliegenden Tiefgarage schwierig. Doch auch dafür sieht die SPD Möglichkeiten: "Frankfurt macht es zum Beispiel vor – die haben mobile, fahrbare begrünte Wände. Vielleicht wäre das auch hier ein Ansatz." Gerade weil der Platz häufig für Veranstaltungen genutzt werde, müsse dringend nach einem klimafreundlicheren Konzept gesucht werden – "natürlich nicht heute und nicht morgen, aber wir müssen es im Auge behalten. Es wird immer heißer, und nach den letzten Tagen kann das keiner mehr leugnen."

Leerstand als offene Frage

Ein kurzer Stopp am erfolgte auch am "Karl"– ein Gebäude, das zum Hessentag rege genutzt wurde, dessen untere Räumlichkeiten inzwischen aber leer stehen. "Das würde uns interessieren, was die Stadt mit diesem Gebäude plant", so Fischer. "Es ist eine exponierte Lage, und leerstehende große Gebäude sind nie gut." Im Gespräch seien bereits verschiedene Konzepte gewesen, etwa eine Nutzung durch die Volkshochschule oder eine private Zahnklinik. Von der Anwesenheit des Stadtbaurats erhoffte sich die Fraktion mögliche Neuigkeiten.

Stadtbaurat Schreiner: "Nicht Hitze, sondern Wasser ist das Problem"

Stadtbaurat Daniel Schreiner ordnete die Diskussion aus fachlicher Sicht ein. "Wir schätzen Veranstaltungen wie diese, denn wir wollen als Verwaltung im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern sein", betonte er. Über Beschlüsse und Mehrheiten entscheide am Ende die Politik: "Unsere Aufgabe ist es, Vorschläge zu machen. Ich bin dankbar für den direkten Austausch."

Beim Thema Klima setzte er einen deutlichen Akzent: "Der Klimawandel ist evident. Aber Hitze ist in Fulda nicht das größte Problem – sondern Trockenheit und Wassermangel." Entscheidend sei das Zusammenspiel aus Luft, Wasser und Hitze. Die Fulda sei grundsätzlich in der Lage, Hitze aus der Innenstadt zu ziehen – doch die historische Bebauung stehe dem teils im Weg. "Das funktioniert nur, wenn unsere Auen funktionieren", warnte Schreiner. "Wenn wir die Auen zubauen, wird sich die Stadt in den kommenden Jahren noch stärker erhitzen als in diesem Rekordsommer."

Er machte zugleich deutlich, wie komplex das Thema ist und dass die Stadt es nicht allein lösen könne. "Wir müssen uns darauf einstellen, jedes Jahr den Trinkwassernotstand zu haben", so Schreiner. Man werde jährlich die Wasserspar-Maßnahmen umsetzen müssen, die der Landkreis vorschlägt. Schon in diesem Sommer sei die Lage der Brunnen kritisch.

Ausklang im Pop-up-Biergarten

Nach rund zwei Stunden klang die Begehung wie geplant am Pop-up-Biergarten an der Christuskirche aus – einer Kooperation mit einem örtlichen Partner. Trotz sommerlicher Temperaturen zog die Gruppe ihre Route durch und nutzte den Abend, um Eindrücke, Ideen und offene Fragen zu sammeln, die nun ihren Weg in die kommunalpolitische Diskussion finden sollen. (Marvin Hucke) +++

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