Lage im Süden wird kritisch

Deutscher Wetterdienst: Starke Sommertrockenheit belastet Deutschland extrem

Trockenheit ist in ganz Deutschland derzeit ein Thema.
Symbolbild: O|N / Rene Kunze

07.08.2026 / REGION - In Teilen Deutschlands sind die Böden derzeit ungewöhnlich stark ausgetrocknet. Die Entwicklung der Bodenfeuchte nahm dabei einen ähnlichen Verlauf wie in den Dürrejahren 2018 und 2022, Natur und Landwirtschaft werden zunehmend in Mitleidenschaft gezogen.


In der südlichen Mitte und im Süden Deutschlands haben mehrere längere niederschlagsarme und sehr warme bis heiße Phasen, die mit einem hohen Wasserbedarf der Vegetation einhergingen, zu einer gravierenden Bodentrockenheit geführt. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Auswirkungen der trockenen Witterung im Frühjahr und Sommer 2026.

Seit März wenig Regen

Schon seit März sind die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unterdurchschnittlich. Besonders wenig Niederschlag fiel von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken, wo verbreitet weniger als 150 Liter pro Quadratmeter zusammenkamen (Abbildung 1, links). Im Süden entsprach die Niederschlagsmenge gebietsweise noch nicht einmal der Hälfte des vieljährigen Mittels der Jahre 1991 bis 2020. Lediglich in einem Streifen vom Münsterland bis zum Erzgebirge, von Südniedersachsen bis nach Mecklenburg und im Umfeld der Nordsee fielen die Regenmengen etwa durchschnittlich aus (Abbildung 1, rechts). Auch das aktuelle hydrologische Jahr zeigt weit unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen: Der Zeitraum von Anfang November bis Ende Juli fiel in Deutschland seit 1882 nur zwei Mal trockener aus.

Bodenfeuchte sinkt seit dem Frühjahr insbesondere im Süden stark

Im April und Mai führten in der südlichen Mitte und im Süden geringe Regenmengen bereits zu stark unterdurchschnittlicher Bodenfeuchte im Vergleich zum Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Im Juni dämpfte Regen die Trockenheit im Süden zunächst leicht, während der extremen Hitzewelle in der zweiten Junihälfte sank die Bodenfeuchte bei sehr hoher Verdunstung jedoch schnell wieder. Seit Ende Juni wechseln sich gelegentliche Schauer und Gewitter mit längeren trockenen Phasen ab. Die generell ungleichmäßig verteilten Niederschläge summierten sich vor allem vom Westen bis in die westliche Mitte und den Südwesten hinein auf meist nur sehr geringe Mengen. Damit verschärfte sich die Trockenheit in der Südwesthälfte Deutschlands weiter. In der Nordosthälfte liegt die Bodenfeuchte zwar großteils unter den jahreszeitlichen Mittelwerten, es besteht aber keine ausgeprägte Trockenheit (Abbildung 2). Die Bodenfeuchte der oberen 60 Zentimeter lag seit Ende Mai über Deutschland gemittelt oft nur leicht über jener in den Dürrejahren 2018 und 2022 (Abbildung 3). Im Süden waren die Böden im Jahr 2026 verbreitet sogar trockener als in diesen beiden Jahren.

Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft

Getreide und Raps reiften bei den seit Mitte Juni hohen Temperaturen rasch ab und die Ernte kam schnell voran. Die Trockenheit hatte auf diese Kulturen relativ geringe Auswirkungen. Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln, die jetzt und in den kommenden Wochen einen hohen Wasserbedarf haben, leiden hingegen regional stark unter der Trockenheit, es drohen markante Schäden. Teils ist bereits ein Grünlandschnitt ausgefallen, was Futterknappheit bei der Viehhaltung verursachen kann. Die extreme Hitze Ende Juni führte bei Obst zu ungewöhnlich starken Sonnenbrandschäden. Bei Obst und jungen Weinreben können derzeit gebietsweise nur mit Bewässerung große Schäden abgewendet werden. Die Wälder zehren meist noch von Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten.

Hohe Waldbrandgefahr

Die Anzahl von Tagen, an denen im Jahr 2026 bis einschließlich 2. August beim Waldbrandgefahrenindex mindestens Stufe 4 von 5 (hoch) erreicht wurde, liegt im Deutschlandmittel bei rund 22 Tagen. Im Mittel 1991 bis 2020 sind es bis zum 2. August nur etwa 10 Tage (Abbildung 4). Beim Graslandfeuerindex ist dieses Jahr eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen: Bei diesem Index gab es bis zum 2. August im Deutschlandmittel 33 Tage mit einer Stufe von mindestens 4, im Mittel 1991 bis 2020 sind es lediglich 18 Tage. In den vergangenen Wochen traten bereits zahlreiche Wald- und Feldbrände auf.

Hydrologische Auswirkungen

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den benachbarten Ländern sind die Niederschlagsmengen seit Jahresbeginn außerordentlich niedrig; der Schwerpunkt der Trockenheit erstreckte sich in der ersten Jahreshälfte vom östlichen Frankreich über den Alpenraum, das östliche Mitteleuropa und das Baltikum bis nach Skandinavien. Die Oberläufe von Oder, Neiße, Elbe, Salzach, Inn, Lech, Rhein und Mosel führten in der Konsequenz weniger Wasser als üblich nach Deutschland. Die unterdurchschnittlichen Schneemengen im vergangenen Winter bewirkten zudem einen stark verminderten Beitrag der Schneeschmelze zur Wasserführung einiger Flüsse im Frühjahr. Zusammen mit den sehr geringen Niederschlägen der letzten Monate führt dies aktuell zu einer extremen Niedrigwasserlage in Flüssen und im Grundwasser. Nähere Informationen dazu finden sich im neuen Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS), der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), in das auch Beobachtungsdaten des DWD einfließen.

Ein kleiner Ausblick

Für das kommende Wochenende und die zweite Augustwoche wird überwiegend trockenes und von Süden her zeitweise heißes bis sehr heißes Wetter erwartet. Insbesondere am Sonntag und Montag sind zwar einzelne Schauer und Gewitter möglich, flächendeckende Niederschläge deuten sich aber weiterhin nicht an.

Bis Anfang September zeichnet sich in den Witterungsvorhersagen der Bodenfeuchte unter Gras eine starke Tendenz zu trockeneren Bedingungen im Vergleich zum Mittel der vergangenen zwanzig Jahre ab (Abbildung 5). Folglich ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft in den kommenden Wochen eher zunehmen und es weiterhin Perioden mit hoher Waldbrandgefahr geben wird. (pg/pm) +++

X