Die verborgene Welt der Insekten

Lebensraum Wiese - Neue Ausstellung im Wirgarten liefert spannende Einblicke

Marion Gottschalk und Rieke Trittin präsentieren als Geschäftsleiterinnen die neue Ausstelung im Wirgarten Fulda
Fotos: O|N/Nikolas Krudewig

07.08.2026 / FULDA - Die Stadt Fulda lockt mit einer neuen Ausstellung in den WIRGARTEN. Unter dem Namen "WIESION – Wiesen, Mähen und Insekten" soll das Projekt den Besuchern eine neue Perspektive auf den Lebensraum Wiese eröffnen. OSTHESSEN|NEWS war bei der Eröffnung vor Ort.



"Eine Wiese ist für Insekten alles. Sie ist Hotel, Wohnort und Restaurant zugleich - es ist einfach ihr Lebensraum. Daher wollen wir mit unserer Ausstellung darauf aufmerksam machen, wie der Mensch richtig mit ihr umgeht, um den Lebensraum Wiese bestmöglich zu erhalten", erzählt Rieke Trittin, Geschäftsleiterin im Umweltzentrum Fulda, im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Die Wiese als Lebensraum

Die Ausstellung soll das Bewusstsein für die ökologischen Räume schärfen, die allumfassend zu unserem Alltag gehören. Dazu zählt auch die Wiese, die für das europäische Ökosystem von enormer Bedeutung ist. Sie ist Hotspot der Artenvielfalt, bietet bestäubenden Tieren wie Bienen und Schmetterlingen wichtigen Schutz und speichert große Mengen von Kohlendioxid – ein wichtiger Player im Kampf gegen den Klimawandel. Darüber hinaus ist die Wiese wesentliche Grundlage der hiesigen Landwirtschaft. Dennoch sind sich viele Menschen nicht der immensen Bedeutung dieses Öko-Habitats bewusst. Ein Problem, gegen das die neue Ausstellung vorgehen möchte.



Vor über zwei Jahren erwuchs dabei die Idee, eine solche Ausstellung auch im Wirgarten umzusetzen. "Vor zwei Jahren waren wir in einer ähnlichen Ausstellung in Darmstadt-Kranichstein zum Thema Insekten und Mähen. Das sind zwei stark korrelierende Themen und da haben wir gedacht, dass wir ein ähnliches Konzept auch hier in Fulda umsetzen wollen. Das Ganze bot sich natürlich an, weil wir eine der wenigen Institutionen in Fulda sind, die auch Outdoor-Ausstellungen anbieten können", erzählt Rieke Trittin.



Aus der Idee erwuchs nach langer Planung ein Konzept. Von Scarlett Umflauf konzipiert, möchte die Ausstellung Erkenntnisse aus Biologie, Kulturwissenschaft, Politik und Philosophie verbinden. Sie möchte zeigen, sichtbar machen, aber auch aufklären. Denn die Wiese ist nicht nur auf Feldern zu finden, sondern auch im eigenen Garten. Dennoch wissen viele Menschen nicht, wie man mit der eigenen Rasenfläche umgeht, um den für Insekten so wichtigen Lebensraum zu erhalten.

Tipps für den richtigen Umgang mit dem eigenen Rasen

"Mittlerweile ist es in unserer Gesellschaft normal, den Rasen zuhause möglichst kurz zu mähen. Dabei zerstören wir jedoch den wichtigen Lebensraum für Insekten, die für die Ökologie einen wichtigen Beitrag leisten. Grundsätzlich gilt: Zu kurz gemäht ist nicht gut, aber einfach wachsen lassen ist auch nicht ideal", erzählt Marion Gottschalk, ebenfalls Geschäftsleiterin beim Umweltzentrum Fulda. Die Wiese ist eine Kulturlandschaft und daher muss sie auch richtig bewirtschaftet werden", ergänzt Rieke Trittin.



Und genau dort setzt die Ausstellung an. Sie will erklären und nahebringen und setzt bereits dort an, wo Insekten Einzug in unsere Kultur erhalten haben. Vom VW Käfer über die kleine Raupe Nimmersatt bis zum Werbeplakat des Hollywood-Klassikers 'Das Schweigen der Lämmer'. "Wir wollen einen Eindruck vermitteln, wo uns bestimmte Insekten auch im kulturellen Alltag begegnen.

Dafür wurde für die Ausstellung ein multimediales Konzept entwickelt. Neben klassischen Infotafeln mit Illustrationen und Texten gibt es scanbare QR-Codes, über die man zahlreiche Informationen auf dem Smartphone abrufen kann. "Wir wollen natürlich nicht, dass Menschen nur mit dem Handy hier unterwegs sind. Entsprechend haben wir verschiedene Angebote entwickelt, dass sich von klein bis groß jeder auf seine Weise informieren kann", meint Rieke Trittin.



Besonders die interaktiven Mitmachaktionen laden die jüngeren Besucher ein, die Welt der Insekten spielerisch zu entdecken. Von Insekten-Memo über Puzzlespiele bis zum Mähen mit der Handsense gibt es an den einzelnen Stationen diverse Aktivitäten zu entdecken. Ein Stapelturm beispielsweise soll das komplexe Zusammenspiel der Pflanzen und Tiere verdeutlichen. "Man kann einzelne Teile an andere Stellen setzen aber irgendwann bricht das System zusammen", erklärt Rieke Trittin weiter.

Ein besonderes Highlight sind die Fotografien von Janosch Wildkircher, der seine Arbeiten bereits in zahlreichen Ausstellungen präsentierte. Mit beeindruckenden Makroaufnahmen soll die kleine und meist dem menschlichen Auge verborgene Welt der Insekten sichtbar gemacht werden. "Auf den Bildern wird wirklich jedes kleinste Detail sichtbar. Man kann sogar jede einzelne Polle erkennen, was man mit dem bloßen Auge natürlich niemals sehen könnte", so Rieke Trittin weiter.



Geplant ist die Ausstellung für zwei Jahre. Mindestens zwei Sommer werden die einzelnen Stationen aktiv in den Wirgarten eingebunden sein und können von Familien nebst zahlreichen Tieren zum Anfassen begutachtet werden. Ein neues Highlight sind zwei junge Ziegen namens Pippa und Petite, die gerade separat aufgezogen werden. (kru) +++

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