"Im Notfall zählt jedes Wort"

WIR-Vielfaltszentrum erhält Bescheidübergabe für Integrationsprojekte

Die Bescheidübergabe von Staatssekretärin Katrin Hechler an Landrat Dr. Jens Mischak.
Foto: Victoria Wagner

07.08.2026 / LAUTERBACH - Am Montag erhielt der Vogelsbergkreis 600.000 Euro vom Land Hessen für die Arbeit des WIR-Vielfaltszentrums. Die Förderung bis Ende 2030 soll bestehende Integrationsstrukturen sichern und weiterentwickeln. Im Mittelpunkt des Ganzen steht ein Projekt, das im Ernstfall Leben retten kann: die Notfall-Sprachmittung.



Wenn Rettungskräfte oder Ärzte Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse versorgen müssen, können die speziell geschulten ehrenamtlichen Sprachmittler telefonisch zugeschaltet werden. Das Projekt gibt es seit September 2024 und soll Sprachbarrieren in kritischen Situationen innerhalb weniger Minuten überwinden.

Sprachmittlung seit 10 Jahren

Das Sprachmittlungsprojekt des Vogelsbergkreises gibt es schon seit 2015. Damals startete es mit 35 Ehrenamtlichen, mittlerweile engagieren sich rund 150 Sprachmittlerinnen und Sprachmittler in circa 40 verschiedenen Sprachen. Jährlich werden rund 2.000 Einsätze begleitet - beispielsweise bei Behörden, in Schulen und Kindergärten, im Jobcenter oder bei Arztbesuchen. Im Notfallprojekt stehen aktuell Dolmetscher für zehn Sprachen zur Verfügung, darunter auch Russisch und Persisch.

Es kann auf Sekunden ankommen

Bei der Vorstellung des Projekts hat der vogelsberger Kreisbrandmeister Björn Preuß von Brincken die Bedeutung der persönlichen Sprachmittlung betont. Google oder die KI könnten im Alltag natürlich helfen, in Notfallsituationen seien sie allerdings kein Ersatz. "Man kann aufgrund der schnellen Verständigung Leben retten", sagt er. Vor allem in Stresssituationen sprächen Menschen oft undeutlich oder könnten sich nicht verständlich machen. Hinzu komme, dass kulturelle Hintergründe und Vertrauen im direkten Gespräch eine wichtige Rolle spielten. Die ehrenamtlichen Sprachmittler werden über die Leitstelle telefonisch zugeschaltet und regelmäßig geschult. Einmal im Monat treffen sie sich zu einem gemeinsamen Training. Sie kommen in ganz unterschiedlichen Situationen zum Einsatz - von medizinischen Notfällen bis zu besorgten Eltern oder Einsätzen in Gemeinschaftsunterkünften.

Land entscheidet sich für langfristige Förderung

Die Integrationssekretärin Katrin Hechler lobt das Projekt. Bei der Übergabe hob sie hervor, dass die Förderung bis Ende 2030 den Kommunen Planungssicherheit geben solle. Langfristig stabile Strukturen seien wichtig, damit Projekte wie die Sprachmittlung erhalten bleiben und flexibel auf neue Herausforderungen reagieren könnten. Das WIR-Vielfaltszentrum leiste einen wichtigen Beitrag für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhang, betonte sie. (vm) +++

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