Weltrekord auf dem Kinderspielzeug
150 km/h auf dem Bobby-Car: "Meine Mutter wünscht sich, ich würde es lassen"
Fotos: Marcel Paul
06.08.2026 / GEDERN -
Mit 150 km/h auf einem Bobbycar – was für Eltern von Kleinkindern nach einem Albtraum klingt, hat Marcel Paul aus Gedern (Wetteraukreis) einen neuen Weltrekord eingebracht. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS erzählt der 34-Jährige, wie er auf die kuriose Idee kam.
"Eigentlich bin ich schon seit meiner Kindheit vernarrt in die Idee, mit dem Bobby-Car Weltrekorde aufzustellen. Ich bin früher viele Bobby-Car-Rennen gefahren, aber für mich war immer die Geschwindigkeit der Hauptpunkt. So kam es dann zu der Idee, das Ganze als Weltrekord anzugehen", erzählt Marcel Paul im Gespräch mit O|N.
Marcel Paul jagt Weltrekorde
Rund 20 Zentimeter trennen Marcel Paul vom Boden, wenn er mit über 100 km/h auf dem Bobby-Car unterwegs ist. Ein Adrenalinkick, bei dem den meisten Menschen wohl nur vom Zusehen schwindelig wird. Für den Gederner ist es ein ehrgeiziges Hobby. Mittlerweile ist er zum Wiederholungstäter geworden. 2022 stellte er den ersten Weltrekord auf. Mit 130 kmh raste er auf einem umgebauten Bobby-Car den Berg hinunter - ganz ohne Antrieb. Dafür braucht es natürlich die richtige Strecke, um diese Geschwindigkeit mit nichts außer der Schwerkraft zu erreichen.Dieser Rekord war letztendlich der Grund für Marcel Paul, erneut aufs Bobby-Car zu steigen. "Ich wollte meinen Rekord von 148 km/h brechen, diesmal aber ohne E-Antrieb. Außerdem wollte ich auch in die Guinness World Records. Dafür darf man leider keine alten Versuche einreichen", erzählt Marcel Paul.
Schutzausrüstung in Maßanfertigung
Die Vorbereitungen für so einen Downhill-Versuch sind enorm. Der richtige Berg und die richtige Strecke entscheiden viel darüber, wie schnell man am Ende wird. "Ich kenne durch Foren und Kontakte die schnellsten Strecken für Downhill-Kontakte. Ich bin da sehr gut in der Szene vernetzt. Die sind nur leider meist nicht in Europa, was es logistisch schwierig macht", erzählt der 34-Jährige. Den richtigen Berg fand er schließlich in Österreich. "Ich habe während eines Italien-Urlaubs auch einen Abstecher dahin gemacht, um mir einen Eindruck zu verschaffen und habe auch auf Google Earth mir alles genau angeschaut", so Weltrekordler.Auf der auserkorenen Strecke musste Marcel Paul diesmal auch zwei Kurven meistern. Entsprechend groß waren diesmal die Sicherheitsvorkehrungen für den Versuch. "Wir haben diesmal die Leitplanken verschlossen, damit ich da nicht durchrutschen kann. Außerdem hab ich mir eine neue Schutzausrüstung maßanfertigen lassen mit zahlreichen Protektoren. Ich wollte da schon sichergehen, dass ich heil im Ziel ankomme", erzählt er im Gespräch. Die Ideallinie hatte er als Desktophintergrund eingezeichnet, um die Strecke zu verinnerlichen.
Ihm selbst ist seine Sicherheit wichtig, entsprechend dreht er jede Schraube an seinem Gefährt selber fest. Gleiches gilt auch für seine Familie, die sich manchmal ein anderes Hobby wünschen würde. "Also meine Mutter wäre glücklicher, wenn ich das Ganze lassen würde", erzählt er im Gespräch. Gleichzeitig habe sie aber großes Vertrauen in seine Fähigkeiten. "Sie weiß, dass ich mit viel Köpfchen an die Sache rangehe. Sie war natürlich auch im Ziel dabei und hat sich riesig für mich gefreut."
"Ich glaube die Downhill-Rekorde lasse ich jetzt ruhen"
Der Moment, an dem der Rekord schließlich feststand, war für Marcel Paul ganz besonders. "Ich wollte meinen Rekord für die E-Bobby-Cars brechen. Hier die Bestätigung zu bekommen, war der beste Moment. Ich hatte aber über die einzelnen Testläufe auch ein positives Gefühl. Trotzdem realisiert man das oft erst im Ziel, weil man während der Fahrt komplett im Fokus ist", so Marcel Paul. Ans Aufhören denkt er derweil noch lange nicht. Wie er im Gespräch mit O|N verrät, hat er bereits den nächsten Rekord im Visier. "Ich will wieder meinen Rekord für ein Bobby-Car mit E-Antrieb brechen. Wir planen da einen Versuch auf dem Lausitzring nächstes Jahr, um über 150 km/h zu kommen. Ich glaube Downhill-Versuche werde ich aber erstmal nicht mehr machen. Man bewegt sich da in Geschwindigkeiten, die vom Gefühl sehr grenzwertig sind", so der 34-Jährige. (Nikolas Krudewig) +++