Austausch bei Hahner
Dreimal geprüft, nie genug - Vize-MP Mansoori bekommt Klartext
Fotos: Hannes Mayer
05.08.2026 / PETERSBERG -
"Ich kann es mir nicht leisten, auf andere zu warten." Ein Satz, der auch für den hessischen Wirtschaftsminister gelten könnte. Hier aber stammt er von Bernhard Hahner, Geschäftsführer der Hahner Gruppe. Er empfing Wirtschaftsminister und Vize-MP Kaweh Mansoori (SPD) im Rahmen von dessen Sommertour - zu einem ehrlichen, offenen Austausch.
Die Hahner Unternehmensgruppe beschäftigt rund 250 Mitarbeitende an mehreren Standorten. Im Zentrum des Gesprächs standen die Rahmenbedingungen für mittelständische Betriebe - von Bürokratie über Bauordnungsrecht bis zur Arbeitszeit und deren Flexibilisierung.
Der Frust mit der Bürokratie - Dreimal geprüft, immer dasselbe
Die schwierige Wirtschaftslage lässt sich schwerlich ändern. Die überbordende Bürokratie schon eher. Ein Beispiel: die Lohnabrechnung. Sie wird von gleich mehreren staatlichen Institutionen separat geprüft - etwa Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Lohnsteueraußenprüfung. Jedes Mal braucht es eigenes Personal. Jedes Mal ist der Steuerberater dabei. Geprüft wird am Ende dasselbe. Eine gemeinsame digitale Schnittstelle würde nach Hahners Einschätzung viel Aufwand sparen - auf beiden Seiten.Schwarzarbeit? Das eigentliche Problem sieht anders aus
Beim Thema Schwarzarbeit widerspricht Hahner der öffentlichen Debatte, in der meist nach mehr Kontrolle gerufen wird. Er sieht das Problem woanders. Nicht in den spektakulären Einzelfällen, die es in die Nachrichten schaffen. Sondern in der Fläche, jeden Tag, jedes Wochenende. Der Grund dafür sind aus seiner Sicht die Kosten: Handwerkerstunden sind für viele Haushalte schlicht zu teuer geworden.Mansooris Gegenrezept: Weniger Regeln, mehr Schwung
Die grundsätzliche Kritik an zu viel Regulierung teilt Mansoori. Auch aus seiner Sicht ist in den letzten Jahren zu viel abgesichert und zu wenig ermöglicht worden. "Ein früheres Mitglied unseres Aufsichtsgremiums sagte einmal, wir würden uns in diesem Land noch zu Tode verwalten", zitiert er. Auf Hahners Kritik antwortet er knapp: "Wenn Sie den gesunden Menschenverstand zur Richtschnur der Politik machen wollen, rennen Sie bei mir offene Türen ein." 16 Bundesländer, 16 Regeln - warum Einheitlichkeit schwer ist
Hahner will ein bundesweit einheitliches Baurecht. Welches Bundesland dabei Vorbild ist, ist ihm egal. "Mir wäre es egal, ob nach hamburgischem, berlinerischem oder hessischem Vorbild - Hauptsache einheitlich", sagt er. Sein Beispiel: ein Treppenhaus für eine Schule in Köln. Zig verschiedene Regelwerke muss er dafür gleichzeitig prüfen - Schulbaurichtlinie, Arbeitsstättenrichtlinie, Länderbauordnung, dazu die grundlegenden gesetzlichen Vorgaben. Am Ende zählt die eigene Haustür
Statt sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben - zwischen Bund, Land und Kommunen -, will Mansoori zuerst dort ansetzen, wo Hessen selbst etwas bewegen kann. "Am Ende ist am meisten gewonnen, wenn jeder erstmal vor seiner eigenen Haustür kehrt", sagt er. Und Hahner meint: Auf die komplexen Regelwerke bezogen müsse man manchmal einfach für sich entscheiden: "Da weigere ich mich." Seine pragmatische Devise: "Einfach machen." Sonst könne man am Ende glauben, dass gar nichts mehr möglich und erlaubt sei. (mmb) +++