Ampeln springen automatisch auf Grün

2,08 Millionen Euro für Sekunden, die im Notfall Leben retten können

Eine Künstliche Intelligenz soll die optimale Route berechnen und Ampeln für Einsatzfahrzeuge automatisch koordinieren.
Symbolbild: O|N

05.08.2026 / HANAU - Der Einsatzort wird übermittelt, Künstliche Intelligenz berechnet in Sekunden die schnellste Route - und die Ampeln springen rechtzeitig auf Grün: Hanau will Rettungskräfte künftig mit einem intelligenten Navigationssystem schneller durch den Stadtverkehr führen. Für das Projekt "Smart Rescue: KI-Routing Hanau" erhält die Stadt eine Förderung von 2,08 Millionen Euro.



Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus überreichte den Förderbescheid während ihrer Sommerreise an Stadträtin Isabelle Hemsley. Finanziert wird das Vorhaben über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Landesprogramm "Starke Heimat Hessen".

Sensoren überwachen aktuelle Verkehrslage

Dichter Verkehr, komplexe Straßennetze und plötzlich auftretende Behinderungen können Einsatzfahrzeuge in Städten ausbremsen. Bestehende Navigationssysteme erfassen die aktuelle Verkehrslage nach Angaben des Landes bislang nur unzureichend. Auch die Sonderrechte von Rettungsfahrzeugen würden nicht ausreichend berücksichtigt.

Hanau will deshalb ein Netzwerk aus Sensoren an strategisch wichtigen Kreuzungen aufbauen. Diese sollen die aktuelle Verkehrslage erfassen und die Daten fortlaufend an eine Künstliche Intelligenz übermitteln. Die KI berechnet daraus eine Route mit möglichst geringen Verzögerungen. Veränderungen im Straßenverkehr sollen dabei in Echtzeit berücksichtigt und der vorgeschlagene Weg bei Bedarf angepasst werden.

"Digitalisierung kann Leben retten. Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, intelligenter Sensorik und vernetzter Verkehrssteuerung zeigt Hanau, wie moderne Technologien ganz konkret dazu beitragen können, Rettungskräfte schneller und sicherer an ihren Einsatzort zu bringen. Solche innovativen Lösungen verbessern nicht nur die Leistungsfähigkeit unserer Städte, sondern erhöhen vor allem die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Deshalb unterstützen wir dieses zukunftsweisende Projekt sehr gerne", sagte die Ministerin.

Automatische "Grüne Welle" für Einsatzfahrzeuge

Herzstück des Systems ist eine intelligente Ampelsteuerung. Sobald die optimale Strecke feststeht, sollen die Lichtsignalanlagen entlang der Route automatisch koordiniert werden. Noch bevor sich das Einsatzfahrzeug nähert, schalten die Ampeln entsprechend um. Dadurch soll eine fortlaufende "Grüne Welle" entstehen, ohne den übrigen Verkehrsfluss unnötig zu beeinträchtigen. Das System soll zudem besondere Fahrmöglichkeiten einbeziehen, die Einsatzfahrzeugen aufgrund ihrer Sonderrechte offenstehen. Dazu gehören Busspuren, Gegenrichtungsfahrten und besondere Abbiegemanöver.

Auch die Leitstelle wird in das System eingebunden. Sie übermittelt den Einsatzort automatisch an die Navigation. Die berechnete Route und die dazugehörige Ampelsteuerung werden anschließend direkt an das Einsatzfahrzeug übertragen.

"Wenn es um Sekunden geht, darf der Verkehr unsere Rettungskräfte nicht ausbremsen. Mit der intelligenten "Grünen Welle" sorgen wir dafür, dass Einsatzfahrzeuge ohne riskante Verzögerungen genau dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Das ist digitale Infrastruktur, die im Ernstfall ganz konkret Leben schützt. Das Projekt zeigt, wie effizient wir als Stadt Hanau gemeinsam mit dem Land Hessen die Digitalisierung für die Belange der Bürgerinnen und Bürger anpacken. Es ist ein weiterer, zentraler Mosaikstein unseres Smart-City-Leitbildes "Stadtwandel.digital"", freut sich Stadträtin und Digitaldezernentin Isabelle Hemsley über die Förderzusage.

Sensoren erkennen bereits Falschparker

Schon im vergangenen Jahr investierte Hanau in die Verbesserung von Rettungswegen. Beim Projekt "Kreuzung frei - Sensoren sichern Rettungswege" sollen Sensoren an besonders kritischen Stellen widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge erkennen. Zugeparkte Straßen und Kreuzungen können dadurch schneller festgestellt werden. Die Daten werden in Echtzeit und datenschutzkonform über ein LoRaWAN-Netz an das Ordnungsamt übertragen, damit dieses entsprechende Maßnahmen einleiten kann. Auch dieses Projekt wird vom hessischen Digitalministerium gefördert. Die Unterstützung beträgt rund 730.000 Euro.

110 Millionen Euro für 149 Projekte

Über das Programm "Starke Heimat Hessen" stellt das Land seit 2021 jährlich rund 15,5 Millionen Euro für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bislang wurden 149 Projekte mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt oder befinden sich in der Förderung. Seit 2026 können Kommunen zudem über das Programm "kommunal.digital.hessen" Unterstützung für Basistechnologien zur Digitalisierung ihrer Verwaltungen beantragen. (Constantin von Butler/pm) +++

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