Wenn Arbeit Familie wird

Ein Leben für die Logistik: Christoph Göbel verabschiedet sich nach 44 Jahren

Christoph Göbel verabschiedet sich nach 44 Jahren im Unternehmen.
Fotos: Zufall Logistic Group

05.08.2026 / FULDA - "Logistik ist Teamarbeit!" Christoph Göbel hat die Zufall Logistic Group geprägt wie kaum ein Zweiter: Nach seiner Ausbildung zum Speditionskaufmann arbeitete sich der heutige 61-Jährige die Karriereleiter bis ganz nach oben. Im Unternehmen initiierte er wichtige Projekte, traf richtungsweisende Entscheidungen und hatte immer ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter. Nach 44 Jahren im Unternehmen verabschiedete sich der langjährige Niederlassungsleiter des Fuldaer Standorts aus dem Unternehmen, um mehr Zeit für die Familie, Reisen und seine ehrenamtlichen Tätigkeiten zu finden.



Der Traum von Göbel war ein ganz anderer. Bereits in jungen Jahren wollte er Zweiradmechaniker werden. Seine Eltern waren allerdings alles andere als begeistert von der Idee. Über Kontakte des Vaters kam der 61-Jährige zur Spedition Zufall und begann 1982 seine Karriere mit einer Ausbildung zum Speditionskaufmann. Heute ist Göbel glücklich über die Entscheidung und sagt: "Gott sei Dank bin ich nicht Zweiradmechaniker geworden."

Erste Schritte im Unternehmen

Die Unternehmenskultur bei Zufall war von Eigenverantwortung und selbstständigem Arbeiten geprägt. Daher übernahm Göbel schon während der Ausbildung Verantwortung. Nach einem halben Tag Einführung übernahm er in der Fachabteilung bereits erste Aufgaben. Das selbstständige Arbeiten prägte ihn nachhaltig: Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und Gestaltungsspielräume zu nutzen, seien für ihn immer zentrale Motivationen gewesen. Im dritten Lehrjahr sammelte er im Importgeschäft erste Erfolge, insbesondere beim Aufbau einer neuen Verbindung zu italienischen Unternehmen, nachdem die Spedition den Partner gewechselt hatte. Die schnelleren Transportlösungen kamen bei den Kunden gut an und sorgten für starkes Wachstum. "Da habe ich das erste Mal dieses Unternehmertum gefühlt", erinnerte sich Göbel. Besonders prägend war für ihn das Entwicklungsprogramm GUT (Ganzheitliche Unternehmensentwicklung im Team), das unternehmerisches Denken und Eigenverantwortung förderte.

Karriere vom Azubi bis in die Geschäftsleitung der Unternehmergruppe

Die Karriere von Göbel führte ihn vom Importbereich über die Leitung des internationalen Geschäfts bis in die Geschäftsleitung der Zufall-Gruppe. Bereits mit etwa 30 Jahren übernahm er die Verantwortung für den gesamten internationalen Bereich mit Import, Export, Luft- und Seefracht. Später wurde er Teil eines vierköpfigen Führungsteams, das die Niederlassung in Fulda nach dem Ausscheiden des langjährigen Leiters Georg Rußmann weiterführte. "Nach 50 Jahren wollte Georg, dass seine ehemaligen Auszubildenden seine Nachfolge antreten", berichtete Göbel. Schrittweise entwickelte sich aus dem Teammodell seine Rolle als Niederlassungsleiter. In den darauffolgenden Jahren verantwortete er zudem den Ausbau der Seefrachtaktivitäten, ein wichtiges Geschäftsfeld der Unternehmergruppe. Vor sechs Jahren wechselte er schließlich in die Geschäftsleitung nach Göttingen und übernahm die Verantwortung für sämtliche Landesverkehrsstandorte. Als wichtiger Erfolgsfaktor zieht sich das Thema Teamarbeit durch seine gesamte Karriere. "Logistik ist Teamarbeit, in der Einzelkämpfer keinen Erfolg haben", betonte er.

Digitalisierung und Fachkräftemangel

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich sowohl das Unternehmen als auch die Branche sehr verändert. Die wohl größte Neuerung: die Digitalisierung. Früher liefen Prozesse noch über Papierakten, handschriftliche Einträge und wurden per Telex abgewickelt, heute laufen viele Abläufe digital und stark automatisiert. Auch die Branche selbst habe sich stark gewandelt. Besonders der Fachkräftemangel, vor allem bei Berufskraftfahrern, stelle Unternehmen vor große Herausforderungen. "Der Berufskraftfahrer ist mittlerweile der am besten überwachte Beruf überhaupt", so Göbel. Zugleich seien die gesetzlichen Anforderungen und Kontrollen im Transportwesen deutlich gestiegen.

Mutiger Kurswechsel in schwierigen Zeiten

In den 44 Jahren seiner Unternehmenszugehörigkeit ist Göbel besonders die wirtschaftliche Krise in der Region Ende der 1990er-Jahre in Erinnerung geblieben. Mit dem Niedergang der Textilindustrie verlor Zufall zahlreiche wichtige Kunden. Doch statt Personal abzubauen, entschied sich die Unternehmensführung für eine bessere Lösung: "Unsere klugen Köpfe auf die Straße zu setzen, kam für uns überhaupt nicht in Frage", erinnerte sich Göbel. Gemeinsam entwickelte das Führungsteam neue Konzepte, gewann Kunden aus anderen Regionen und baute die Logistiksparte deutlich aus. Aus kleinen Lagerstandorten entstanden große Logistikzentren. Die Strategie ging auf: Der Fuldaer Standort entwickelte sich stetig weiter und beschäftigte zeitweise etwa 1.000 Mitarbeiter.

Teamarbeit als Schlüssel des Erfolgs

Als Schlüssel des Unternehmenserfolgs nennt er vor allem die gemeinsame Arbeit. "Logistik ist Teamarbeit, in der Einzelkämpfer keinen Erfolg haben", betonte er. Entscheidungen gemeinsam zu entwickeln und Mitarbeiter in die Prozesse miteinzubinden, sei immer ein Grundprinzip der Spedition gewesen. Diese Kultur prägte nicht nur die eigene Laufbahn, sondern die vieler Kolleginnen und Kollegen. Beinahe vier Jahrzehnte wurde Göbel von einer langjährigen Arbeitskollegin begleitet und unterstützt. "Ohne sie hätte ich es wahrscheinlich im Unternehmen nicht so weit gebracht", wird er sich immer an seine Assistentin erinnern.

"Ehrenamt ist für jede Region unverzichtbar"

Auch außerhalb des Unternehmens engagiert er sich seit Jahren ehrenamtlich. Unter anderem ist Göbel Vorsitzender des Vereins "Freunde und Förderer der Hochschule Fulda", der das Deutschlandstipendium unterstützt. Daneben war er zwei Amtsperioden im Hochschulrat aktiv, engagiert sich bei der IHK und ist inzwischen als Erster Beigeordneter in seinem Heimatort Bad Salzschlirf kommunalpolitisch tätig. "Ehrenamt ist für eine Region unverzichtbar", betont er und fügt an. "Vereine, Feuerwehr, Sport und Bildungsprojekte würden ohne das Engagement vieler Freiwilliger nicht funktionieren." Deshalb unterstützt Zufall stets ehrenamtliche Tätigkeiten der Mitarbeitenden. "Wenn sie für irgendein Fest oder Ähnliches einen Partner brauchen, helfen wir da sehr gerne aus", erklärte Göbel.

Selbstbestimmung statt voller Terminkalender

Den Entschluss zum Ausstieg fasste der 61-Jährige bewusst. Mit Johanna Brösel steht bereits die Nachfolgerin in den Startlöchern. Vermissen wird er besonders die Zusammenarbeit mit langjährigen Kolleginnen und Kollegen sowie die Entwicklung neuer Projekte. Gleichzeitig freut er sich aber auf den neuen Lebensabschnitt. Nach Jahren mit einem dicht gefüllten Terminkalender reizt ihn vor allem eines: mehr Selbstbestimmung. " "Jetzt möchte ich das machen, was ich machen will, und auch das lassen, was ich nicht mehr machen will."

Nach 44 Jahren bei Zufall endet damit eine Karriere, die eng mit der Entwicklung des Unternehmens verbunden ist. Ganz in den Ruhestand geht Göbel allerdings noch nicht. Sein ehrenamtliches Engagement will er weiter ausbauen und damit künftig neue Schwerpunkte setzen. (jk) +++

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